Übernahme von Unitymedia durch Vodafone würde flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland erheblich behindern

Kabelnetzbetreiber Deutschland

Mittwoch, 7. November 2018 14:43

Der BREKO warnt vor einer erheblichen Einschränkung des Wettbewerbs – und damit vor Nachteilen für Bürger und Unternehmen – durch die geplante Übernahme der Kabelnetze der deutschen Liberty-Global-Tochter Unitymedia (aktiv in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen) durch Vodafone.

BREKO

Negativ betroffen von der geplanten Übernahme wäre dabei nicht nur der Fernsehmarkt, sondern auch der Telekommunikationsmarkt: Hier würde der flächendeckende Glasfaserausbau (FTTB / FTTH) in Deutschland erheblich gefährdet.

Vodafone und Liberty Global haben die geplante Übernahme am 19. Oktober in Brüssel notifiziert. Nun muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie das Vorhaben für genehmigungsfähig hält.

Der BREKO hat die künftige Marktsituation nach dem beabsichtigten Verkauf der Unitymedia-Kabelnetze analysiert und stellt fest:

  • Auf dem „klassischen“ Kabelmarkt hätte der Zusammenschluss insbesondere negative Auswirkungen auf den Markt für Verträge mit der Wohnungswirtschaft zur Versorgung von Endkunden (so genannter Gestattungsmarkt). Hier läge der Marktanteil von Vodafone künftig bei rund 75 Prozent, was die Verhandlungsposition des Unternehmens deutlich stärken würde und letztlich zulasten der Verbraucher ginge, da diese die Kosten für das Fernsehsignal über ihre Nebenkostenabrechnung (zwangsweise) bezahlen müssen. Dies würde in den meisten Fällen auch ein Monopol in puncto Kabel-Internet bedeuten: Da in den Gestattungsverträgen meist entsprechende Exklusivitätsvereinbarungen zugunsten der Kabelanbieter vorhanden sind, kann die Wohnungswirtschaft keine weiteren Verträge – etwa mit regionalen TK-Anbietern für Glasfaseranschlüsse bis in den Keller des Gebäudes (FTTB) oder bis direkt in die Wohnungen (FTTH) – mehr vereinbaren.

 

  • Auf dem Telekommunikationsmarkt sind erhebliche Einschränkungen auf den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau (FTTB / FTTH) in Deutschland zu erwarten. Einerseits entfiele künftig der Wettbewerb zwischen Vodafone und Unitymedia in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Andererseits würde Vodafone hier künftig in vielen Gebieten über einen Marktanteil von weit über 50 Prozent verfügen.

 

  • Unbeeinflusst von der Deutschen Telekom entstünde durch den Zusammenschluss sogar ein Duopol: Beide Anbieter würden den bundesweiten TK-Markt mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent künftig dominieren. Diese hohe Marktkonzentration birgt das hohe Risiko sinkender Wettbewerbsintensität; zudem ist eine deutliche Verringerung der Investitionen in den Netzausbau zu erwarten. Das belegt eine Auswertung des Investitionsverhaltens nach der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone oder der Übernahme des niederländischen Kabelanbieters Ziggo durch Vodafone: Die Investitionen pro Kunden sind dabei signifikant gesunken.

Meldung gespeichert unter: Europäische Kommission (EU-Kommission), Deutsche Telekom, Liberty Global, Vodafone, Breitband, Kabelnetzbetreiber, Teilnehmeranschlussleitung (TAL oder letzte Meile), Vectoring, Glasfaser, Unitymedia, BREKO, Marktdaten und Prognosen, Telekommunikation, Internet, Medien, Verbände

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