Zynga gibt sich zu verspielt - Analysten stellen Geschäftsmodell in Frage

Donnerstag, 16. Februar 2012 13:17
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(IT-Times) - Der Facebook-Spielentwickler Zynga hat erstmals als öffentliches Unternehmen Quartals- und Jahreszahlen vorgelegt und gleich einmal einen Riesenverlust von 435 Mio. Dollar ausgewiesen. Bei Anlegern und Investoren konnte der Social-Spielentwickler damit klarerweise nicht überzeugen. Zynga-Aktien brachen am Vortag unter hohen Umsätzen um mehr als 17 Prozent ein und gehörten damit zu den Hauptverlierern an der Nasdaq.

Dabei hatte das Unternehmen (Nasdaq: ZNGA, WKN: A1JMFQ) seine Umsätze noch kräftig steigern können. Was den Analysten aber sauer aufstieß, ist die Tatsache, dass Zynga immer noch sehr stark von Facebook als Plattform abhängig ist und sich hier das Wachstum stark verlangsamt hat. Mit Facebook-Spielen erzielt das Unternehmen den Großteil seiner Umsätze.

Markt für virtuelle Güter soll 15 Mrd. Dollar in 2014 erreichen
Allerdings dürfte die Spieleindustrie in den nächsten Jahren vor spürbaren Veränderungen stehen. Zwar gehen die Marktforscher aus dem Hause InStat davon aus, das der weltweite Markt für virtuelle Güter von 9,0 Mrd. Dollar auf 15 Mrd. Dollar in 2014 mehr als 50 Prozent wachsen wird, allerdings dürften sich die Kräfteverhältnisse zunehmend verschieben. Bereits heute nutzen viele Gamer das Smartphone oder den Tablet PC um Spiele zu genießen. Die Möglichkeiten in diesem Bereich scheinen auch für Spielentwickler größer, eigene Ideen zu verwirklichen.

Analysten machen erste Sättigungstendenzen für Zynga-Spiele aus
Analysten aus dem Haus Sterne Agee warnen daher vor Zynga-Aktien und halten einen Kursrutsch auf bis zu acht US-Dollar für möglich. Dabei verweisen die Analysten nicht zuletzt auf die Performance neuer Zynga-Titel wie Mafia Wars 2, das zuletzt floppte. Dabei verweisen die Analysten auch auf jüngste Zahlen von Appdata, wonach die täglichen Nutzerzahlen (Daily Active Users) für Zynga-Spiele auf Facebook im vierten Quartal um sechs Prozent auf 51 Millionen Player zurückgegangen sind.

Dies bedeutet, dass Zynga einen größeren Teil der Spieler in zahlende Player ummünzen muss, um weiter wachsen zu können, merken die Analysten an. Zwar habe Zynga durchaus Chancen im Online-Glücksspielmarkt Fuß zu fassen, wenn dieser in den USA legalisiert werde, jedoch sei dies noch sehr spekulativ.

Zynga sieht sich stark steigenden Kosten gegenüber
Daneben sieht sich Zynga stark steigenden Kosten für die Entwicklung neuer Spiele gegenüber. Allein im jüngsten Quartal verachtfachten (!) sich diese Entwicklungskosten auf 444,7 Mio. Dollar, während auch die Vertriebs- und Marketingkosten sich auf 112,2 Mio. Dollar verdreifachten.

Zynga investiert derzeit viel Geld in neue Technologieinfrastruktur wie die Cloud Z, um Spielern das bestmöglichste Spieleerlebnis zu ermöglichen. Darüber hinaus versucht das Unternehmen verstärkt auch im Mobile-Spielemarkt Fuß zu fassen und heuert entsprechende Experten an, bestätigt Zynga COO John Schappert im Interview mit dem San Francisco Chronicle. Bis sich diese Investitionen in Form von steigenden Gewinnen auszahlen, dürfte es allerdings noch eine Zeitlang dauern.

Kurzportrait

Die im Jahre 2007 von Mark Pincus gegründete Zynga gilt als der führende Anbieter von sogenannten Social-Games, die überwiegend auf Facebook gemeinsam mit anderen Spielern gespielt werden.

Zu den von Zynga betriebenen Games gehören unter anderem die populären Spiele wie FarmVille, CityVille, Empires & Allies, Adventure World, Mafia Wars, FrontierVille oder Zynga Poker. Der Social-Spielentwickler verzeichnete zuletzt im Schnitt 232 Millionen aktive Nutzer in über 170 Ländern im Monat. Alle von Zynga betriebenen Spiele sind zunächst kostenlos zugänglich, die Spiele finanzieren sich durch Ingame-Verkäufe und den Verkauf von virtuellen Gegenständen und Online-Werbung.

Die Spiele von Zynga sind inzwischen nicht nur auf Facebook, sondern auch auf Mobile-Plattformen wie iOS und Android verfügbar. Bekannt geworden ist Zynga vor allem durch seine Hit-Spiele FarmVille, CityVille und Empires & Allies.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Zynga vor allem durch Zukäufe. So wurde im November 2010 der Spielespezialist Newtoy (Words With Friend) übernommen. Anschließend verstärkte sich Zynga durch die Übernahme der japanischen Unoh, die nunmehr unter dem Namen Zynga Japan firmiert. Später kaufte Zynga den Social-Browser Flock. In 2010 schluckte Zynga das Entwicklerstudio Bonfire Studios, welches für die Spiele Age of Empires and Halo Wars verantwortlich zeichnet.

Mitte 2011 schluckte Zynga den in Kanada ansässigen Mobile-Spielentwickler Five Mobile. Dieses Team soll künftig unter dem Namen Zynga Toronto auftreten und für den Ausbau des Geschäfts in Kanada verantwortlich zeichnen. Mit diesem Vorstoß will sich Zynga gleichzeitig mehr Unabhängigkeit von der Facebook-Plattform verschaffen. Zuvor hatte Zynga bereits den Social-Game-Entwickler DANN Games geschluckt. Insgesamt tätigte Zynga in den vergangenen 12 Monaten bis Ende 2011 15 Zukäufe.

Zynga erzielt nahezu seine gesamten Umsatzerlöse über Facebook (über Facebook Credits). An Zynga fließen etwa 70 Prozent der über Facebook erzielten Erlöse zurück. Das Abkommen zwischen Zynga und Facebook läuft in 2015 aus. Insgesamt beschäftigte Zynga zuletzt mehr als 2.000 Mitarbeiter weltweit.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Zynga einen Umsatzsprung um 59 Prozent auf 311 Mio. US-Dollar, nachdem das Unternehmen von Facebook-Spielehits wie "CityVille", "FarmVille" und "Zynga Poker" profitierte. Dabei musste Zynga zunächst einen Verlust von 435 Mio. Dollar oder 1,22 Dollar je Aktie ausweisen, nach einem Profit von 16,1 Mio. Dollar oder fünf US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: zynga

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