Zieht Google mit Google+ an Facebook vorbei? Analysten sehen gute Chancen für den Suchmaschinenanbieter

Montag, 18. Juli 2011 13:24
Google

(IT-Times) - Die Aktien des US-Suchmaschinengiganten Google gehörten am vergangenen Freitag zu den gefragtesten Aktien überhaupt an der Wall Street. Mit einem Kursplus von knapp 13 Prozent schnuppert der Aktienkurs inzwischen wieder an der Marke von 600 US-Dollar, nachdem Google-Papiere noch im Juni bei unter 500 US-Dollar gehandelt wurden.

Seither ist viel passiert. Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) hat vor wenigen Wochen seinen neuen Social-Dienst Google+ vorgestellt, der seither für Furore sorgt. Inzwischen zählt der Facebook-Konkurrent mehr als zehn Millionen Nutzer weltweit und wächst in einem atemberaubenden Tempo. Dies überrascht, zumal die bisherigen Versuche von Google mit eigenen Social-Networking-Angeboten im Markt Fuß zu fassen, Fehl schlugen.

Google+ lässt Facebook alt aussehen
Google+ hat sogar das Zeug dazu, mittel- bis langfristig den Konkurrenten Facebook zu überholen, glaubt man an der Wall Street. Die Analysten verweisen dabei nicht nur auf den enormen Zulauf, den der Dienst in den vergangenen Wochen bereits erfahren hat, obwohl Google+ noch in der Beta-Testphase steckt.

Analysten wie Global Equities Research Analyst verweisen auch auf einige einzigartige Features wie Circles, Sparks und Hangouts, die den Google-Service von Facebook unterscheiden. Mit Circles kann der Anwender Kontakte nochmals kategorisieren. Damit kann der Google+ Nutzer bestimmte Nachrichten und Inhalte mit einem bestimmten Nutzerkreis teilen.

Mit Hangouts hat Google seinem Social-Networking-Service ein interessantes Feature spendiert. Anders als mit Skype for Facebook, können Nutzer mit Google+ Hangouts Video-Chats gleich mit mehreren Personen gleichzeitig führen.

Diese Vorteile haben offenbar viele Nutzer überzeugt und zum Wechsel auf Google+ bewogen, zumal Google bei seinem Serviceangebot eine hohe Kontrolle über die Privatsphäre verspricht. Marktbeobachter halten es daher für wahrscheinlich, dass sich das Wachstum von Google+ nochmals beschleunigen wird, wenn das Angebot für alle Nutzer freigegeben wird.

Google+ = 100 Mrd. Dollar höhere Marktkapitalisierung für Google?
Nimmt man die aktuelle Bewertung von Facebook zum Maßstab, könnte Google+ die Marktkapitalisierung des Suchmaschinengiganten um 100 Mrd. Dollar heben. Statt knapp 200 Mrd. Dollar wäre Google dann 300 Mrd. Dollar wert.

Dies könnte aber erst der Anfang sein. Im Jahr 2015 sieht Wedbush Securities Analyst Lou Kerner die Marktkapitalisierung bei Facebook bei 234 Mrd. Dollar. Facebook dürfte dann bei einem Umsatz von 22 Mrd. Dollar einen Gewinn von elf Mrd. Dollar einfahren, so die Berechnungen des Analysten.

Auch wenn Google nur halb so viele Nutzer wie Facebook erreicht, dürfte Google+ den Unternehmenswert von Google signifikant heben. Derzeit ist Facebook mit weltweit 750 Millionen registrierten Nutzern dem Suchmaschinenanbieter noch weit voraus. Doch das Blatt kann sich schnell wenden, wie das Beispiel MySpace.com beweist...

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an mehrere hundert Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist jedoch das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein. Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Daneben ist das Unternehmen mit Google Finance im Online-Finanzbereich aktiv. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt.

Mit der Übernahme des Blogging-Spezialisten Blogger.com stieg Google in den Blogging-Markt ein. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine ganze Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku, der russischen Begun, der südkoreanischen Tatter and Company und ReCAPTCHA weitere kleine Zukäufe getätigt. Neben der Social-Suchmaschine Aardvark, wurden mit DocVerse, Picnik.com, On2 Technologies, reMail, AdMob, Invite Media, Ruba, Metaweb, Slide, Angstro und Widevine Technologies weitere Firmen hinzugekauft. Im Frühjahr 2011 erhielt Google zudem grünes Licht für die geplante Übernahme von ITA Software. Im April 2011 schluckte Google mit PushLife ein weiteres Unternehmen.

Daneben brachte Google mit Android ein offenes Betriebssystem für Handys auf den Markt. Mit dem Web-Browser Chrome ist Google inzwischen auch am Browser-Markt engagiert. Mit dem Nexus One stellte Google Anfang 2010 sein erstes eigen entwickeltes Smartphone vor. Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page halten beide eine Minderheitsbeteiligung an Google. Google-Mitgründer Larry Page kehrte im April 2011 wieder als CEO an die Firmenspitze zurück.

Zahlen
Für das vergangene zweite Quartal 2011 meldet Google einen Umsatzanstieg um 32 Prozent auf 9,0 Mrd. US-Dollar, womit der Google-Umsatz erstmals in der 13-jährigen Firmengeschichte diese Umsatzmarke erreichte. Abzüglich etwaiger Partnerumsätze erzielte Google einen Nettoumsatz von 6,92 Mrd. US-Dollar.

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