WEEKEND-STORY: Wo Mobilfunk noch reich macht

Freitag, 4. November 2005 21:10

MÜNSTER (IT-TIMES) - Man stelle sich folgende Szene vor: Arun Sarin steht in der Londoner Vodafone (WKN: 875999<VOD.FSE>) - Zentrale vor einer riesigen Weltkarte. Der CEO des größten Mobilfunknetzbetreibers auf dem Globus grübelt. Sein Unternehmen ist fast überall präsent: Europa, Japan, Australien, USA. Doch wohin können die Briten ihre Fühler noch ausstrecken? Weiße Mobilfunk-Flecken gibt es auf der Karte schon seit langem nicht mehr, aber doch einige Länder, in denen sich noch eine Menge Geld machen lässt.

Das Heil in den Emerging Markets finden

In den Industrienationen findet man ja überall das gleiche Bild vor: Die Märkte sind gesättigt, es ist fast nur externes Wachstum möglich. Also solle man in Ländern und Regionen ansetzen, die einige Entwicklungsstufen darunter sind. Aber sie müssen sich in einer Aufschwungbewegung befinden und entsprechende infrastrukturelle Voraussetzungen bieten: Die Emerging Markets - auch wenn dies ein Begriff ist, der fast inflationär verwendet wird.

Vor Vodafones Haustür - um bei dem Beispiel zu bleiben - liegt Osteuropa. Aber hier ist das Fell schon fast komplett verteilt. In diesem Jahr stiegen die Briten bereits für 2,3 Mrd. Pfund mit weiteren 79 Prozent bei der rumänischen Mobifon ein und besitzen das Unternehmen fast vollständig. Auch Oskar Mobil, die tschechische Nummer drei, wurde vollständig übernommen. In Ungarn ist man mit einer Tochtergesellschaft vertreten, in Polen mit einer Minderheitsbeteiligung.

Latein- und Südamerika haben die Wettbewerber schon lange vorher für sich entdeckt. Hier streiten sich im Wesentlichen die Schwergewichte Telecom Italia (WKN: 120470<TQI.FSE>), die spanische Telefonica (WKN: 850775<TNE5.FSE>) sowie der mexikanische Lokalmatador America Movil (WKN: 603115<MV9L.FSE>) um Marktanteile. Gleichzeitig ist der Sättigungsgrad hier schon relativ hoch.

Also muss Sarin auf seiner Weltkarte nach Ländern und Regionen suchen, in denen die ernstzunehmende, international agierende Konkurrenz und man selbst noch nicht vor Ort ist. Asien ist ein interessanter Kontinent - genauso wie das oftmals vergessene Afrika.

Der schwarze Kontinent

Hier stellt sich zunächst die grundsätzliche Frage, welche Länder über die Infrastruktur, politische Stabilität und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit haben, um einen gewinnträchtigen Markt zu bieten. In Ägypten ist Vodafone mit einer 50,1prozentigen Beteiligung bereits gut aufgestellt, in Kenia hält man 35 Prozent an einem Joint Venture. Eines der wirtschaftlich potentesten Länder findet sich am Südzipfel des Kontinents: Südafrika.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Vodafone die Beteiligung an dem dortigen Mobilfunknetzbetreiber Vodacom um 15 Prozent auf dann 50 Prozent aufstockt. Kostenpunkt: 1,35 Mrd. britische Pfund (zwei Mrd. Euro). Allein im Jahresvergleich bis Juni 2005 wurde die Kundenzahl um 39 Prozent auf 17,2 Millionen gesteigert, davon 14,3 Millionen in Südafrika. Die Mobilfunkpenetrationsrate liegt in der Kap-Republik mit ihren 42 Millionen Einwohnern schon bei über 50 Prozent. Der lokale Wettbewerber MTN (WKN: 897024<LL6.FSE>) rechnet bis 2007 mit 15,4 Millionen Nutzern.

Südafrika ist jedoch nicht nur als Markt für sich zu sehen. Vielmehr fungiert das Land als Brückenkopf für die Erschließung des afrikanischen Marktes südlich des Äquators. Hauptaugenmerk liegt hier auf Staaten wie Mosambik, Tansania, Lesotho und der Demokratischen Republik Kongo. Allesamt haben diese Länder einen rasant wachsenden Mobilfunkmarkt, der hohe Margen bietet. Dies hat einen einfachen Hintergrund. Zum einen werden inzwischen spezielle, vergleichsweise günstige Mobiltelefone für Schwellenländer entwickelt. Zum anderen ist die Festnetzinfrastruktur dort in der Regel so miserabel, dass die meisten Menschen gleich eine ganze Technologiegeneration überspringen können.

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