United Internet übt sich in Zurückhaltung

Donnerstag, 13. März 2008 13:24
United Internet

(IT-Times) Bedingt durch die jüngsten Börsenturbulenzen sind auch die Aktien der beiden Übernahmekandidaten freenet AG und Versatel zuletzt wieder deutlich gesunken. Insbesondere freenet-Aktien brachen zuletzt deutlich ein, nachdem sowohl Arcor als auch die Telecom Italia-Tochter Hansenet im Bezug auf die freenet DSL-Sparte abgewunken haben.

Auch United Internet AG (WKN: 508903) äußerte sich zuletzt zurückhaltend, was den Kauf weiterer freenet-Anteile anbelangt. Aufgrund mangelnder Transparenz der DSL-Sparte wolle man sich mit dem Kauf weiterer freenet-Anteile zurückhalten, hieß es Ende Februar. Das Verhalten von United Internet dürfte jedoch mehr taktisches Kalkül sein. Denn Anfang März legte freenet detaillierte Zahlen zu seinem DSL-Geschäft vor. So kletterte die Zahl der DSL-Kunden im Jahresverlauf um 280.000 Teilnehmer auf 1,28 Mio. Breitbandkunden. Damit behauptete freenet eigenen Angaben nach einen Marktanteil von rund sieben Prozent.

United Internet kontrolliert etwa 16 Prozent des Breitbandmarktes in Deutschland und würde durch die Übernahme von freenet seine Position gegenüber der Telekom deutlich stärken, die das DSL-Neukundengeschäft mit einem Marktanteil von 45 Prozent weiterhin kontrolliert.

Der jüngste Schwächeanfall von freenet an der Börse dürfte United Internet daher ganz gelegen kommen, denn von der bevorstehenden Konsolidierung im deutschen Breitbandmarkt führt ohnehin kaum mehr ein Weg vorbei. Lediglich die Frage, wann und wer übernimmt die freenet DSL-Sparte, bleibt bislang noch unbeantwortet. Die derzeit an den Tag gelegte taktische Zurückhaltung könnte für United Internet daher durchaus aufgehen.

Wachstumsfantasie Auslandsgeschäft
An anderer Stelle ist hingegen weniger taktieren und Zurückhaltung gefragt. Während das DSL-Geschäft hier zu Lande nur wenig Wachstumsfantasie aufgrund der stetig sinkenden Margen birgt, gilt das Auslandsgeschäft als eigentliches Wachstumsfeld, auf dem sich United Internet noch bewehren muss.

Nachdem man zuletzt in Spanien expandierte, versucht das Unternehmen derzeit mit seinem Email-Service GMX nunmehr auch in Großbritannien und in den USA Fuß zu fassen. Hier ist United Internet allerdings vergleichsweise spät dran. Vor allem Internet-Größen wie Yahoo und Microsoft dominieren hier den Portal-Markt für kostenlosen Email-Zugang, so dass die Latte für United Internet in diesem Bereich sehr hoch ist. Besser sind dagegen die Chancen im Web Hosting-Geschäft, nachdem United Internet die britische Fasthosts übernommen hat…

Kurzportrait
United Internet ist ein Internet Service Provider mit Sitz in Montabaur. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Internet-Anwendungen und technische Mehrwert-Produkten an Privatkunden und kleine oder mittelständische Unternehmen. Dabei ist United Internet in drei Geschäftsfelder gegliedert: Produkte und Online-Marketing. Die Sparte Outsourcing wurde mit dem Verkauf von twenty4help aufgelöst. Anfang 2008 gründete United Internet mit der Creative Campaigns & Crossmedia eine neue Beratungseinheit.

Die Anwendungen und technischen Mehrwerte des Unternehmens basieren auf eigenen Produkten und im eigenen Haus entwickelter Software. Das Endverbraucher-orientierte Segment Produkte ist das Kerngeschäft und erwirtschaftet die Mehrheit des Umsatzes. Hier vermarktet die Gesellschaft Internet-Mehrwertdienste und -zugänge über die Marken GMX, WEB.DE, 1&1 sowie Schlund + Partner an private und gewerbliche Kunden. Die Internetzugänge werden als Reseller-Verträge der Deutsche Telekom AG an den Mann gebracht. Im Geschäftsfeld Online-Marketing offeriert United Internet beispielsweise Domain-Marketing über Sedo und Affiliate-Marketing über affilinet. Zur Marketing-Sparte gehört auch der Werbevermarkter AdLINK (84,32 Prozent).

1988 wurde United Internet unter dem Namen 1&1 gegründet. Zunächst tritt die Gesellschaft hauptsächlich als -Vermarkter von kleinen Softwareanbietern auf. 1996 hat die 1&1-Gruppe schon fünf Tochtergesellschaften, die sich auf Segmente in den Bereichen Online- und Multimedia konzentrieren. Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes und dem Aufkommen des Internets eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten. 1997 werden die ersten Internetzugänge vermarktet, ein Jahr später folgt der Börsengang. Kurze Zeit später steigt 1&1 bei dem Internetprovider Schlund & Partner ein, das Unternehmen wird später vollständig übernommen. Hierdurch kann der Geschäftskundemarkt erschlossen werden. Noch vor der Jahrtausendwende gründet 1&1 mit anderen Partnern den e-Mail-Dienst GMX. Zudem werden kleinere Unternehmen aufgekauft. 2000 erfolgt die Umbenennung in United Internet. Nach dem Ende des Dot.com-Booms muss das Unternehmen neu ausgerichtet werden und bereinigt das Portfolio. Ab 2001 verstärkt sich United Internet wieder, die Beteiligungen an 1&1, GMX, Schlund+Partner sowie twenty4help werden auf 100 Prozent aufgestockt. Die twenthy4help AG wurde inzwischen wieder verkauft. In 2006 schluckte United Internet den britischen Web-Hoster Fasthosts Internet. Auf der Portal-Seite übernahm United Internet das Geschäft von Web.de. Ende 2007 beteiligt sich United Internet mit 9,68 Prozent an Drillisch. Zudem hält United Internet inzwischen 25 Prozent der Anteile an freenet. Darüber hinaus erwarb United Internet weitere Anteile an dem Festnetzanbieter Versatel (25,05 Prozent). Anfang 2008 beteiligte sich United Internet mit 48,65 Prozent an der Medienholding virtual minds AG (Adition).

Zahlen
Laut United Internet blickt das Unternehmen auf das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte zurück. So setzte United Internet Im Geschäftsjahr 2007 mit 1,487 Mrd. Euro 26,7 Prozent mehr um als im Geschäftsjahr 2006. Allein im vierten Quartal 2007 legte der Umsatz um 25,7 Prozent zu und bezifferte sich auf 414,3 Mio. Euro.

Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen hingegen sprang im vierten Quartal 2007 von 44 Mio. Euro in 2006 um 66,6 Prozent auf 73,3 Mio. Euro. Das EBT betrug im vierten Quartal 2007 52,5 Mio. Euro oder 69,9 Prozent mehr als 2006. Pro Aktie verdiente United Internet im vierten Quartal 2007 88,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor oder 0,17 Euro.

Meldung gespeichert unter: United Internet

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