Spezialisierte Staatsanwaltschaften gegen professionelle Computerkriminalität gefordert

Dienstag, 20. Januar 2009 10:24
BITKOM

- Zahl der Internet-Straftaten steigt

- BKA: Neuartige Kriminalitätsphänomene ersetzen zunehmend klassische Delikte

- BITKOM-Forum „Industrialisierung der Computerkriminalität“

Berlin, 20. Januar 2009 - Computerkriminelle gehen immer professioneller vor. Dies erfordert aus Sicht des Hightech-Verbandes BITKOM eine bessere Ausstattung von Polizei und Staatsanwaltschaften sowie organisatorische Änderungen bei den Ermittlungsbehörden. „Das Know-how von Polizei und Staatsanwaltschaften bei der Computerkriminalität muss massiv gestärkt und gebündelt werden. Spezielle Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften könnten wesentlich effektiver gegen die Kriminellen im Internet vorgehen“, sagte Prof. Dieter Kempf, Präsidiumsmitglied des BITKOM und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ in Berlin. Herausforderungen und Antwortstrategien wurden dort bei einem gemeinsamen Forum von BITKOM und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie beraten. Das Forum widmet sich der „Industrialisierung der Computerkriminalität“. „Neue oder verschärfte Gesetze sind bei der dynamischen Entwicklung der Computerkriminalität selten der beste Weg. Wir sollten zunächst versuchen, die vorhandenen Gesetze konsequent durchzusetzen“, sagte Kempf.

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des BITKOM aus dem Jahr 2008 sind fast 4 Millionen Deutsche schon einmal Opfer von Computerkriminalität geworden. Sieben Prozent aller Computernutzer ab 14 Jahre haben bereits einen finanziellen Schaden erlitten – etwa durch Viren, bei Online-Auktionen oder beim Online-Banking. Nach Erkenntnissen der Strafverfolger sind sie immer häufiger Opfer von professionellen und organisierten Kriminellen, und nicht von jugendlichen Gelegenheits-Hackern.

„Neuartige Kriminalitätsphänomene ersetzen zunehmend klassische Deliktsformen. Zugleich gibt es kaum Kriminalitätsbereiche, in denen sich die Täter nicht ausgefeilter und modernster Technik bedienen und das Internet als Tatmittel nutzen“, sagte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes. So wurden 2007 in der Polizeilichen Kriminalstatistik rund 180.000 Fälle mit dem Tatmittel Internet registriert – 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die so genannte IUK-Kriminalität im engeren Sinne stieg gar um 17 Prozent: Mit oder gegen moderne Informations- und Kommunikationstechnik wurden 2007 über 38.000 Straftaten begangen. Dabei seien die Täter sehr innovativ und passten sich veränderten technischen Gegebenheiten sehr schnell an. „Das Phishing hat längst nicht mehr nur die Erlangung klassischer Online-Banking-Daten zum Ziel; die Täter von heute interessieren sich für alle Arten von Zugangsdaten, mit denen sie Verfügungen im Internet vornehmen können“, so Ziercke. Immer neue Varianten der Tatbegehung erschwerten es den Strafverfolgungsbehörden, auf Augenhöhe mit den Tätern zu bleiben.

Aus BITKOM-Sicht sind – zusätzlich zu verbesserter Ausstattung und Organisation der Ermittlungsbehörden – drei weitere Punkte wichtig, um die Computerkriminalität einzudämmen: Erstens muss das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft insbesondere beim Austausch von Informationen verbessert werden. „Wir unterstützen ausdrücklich die Idee, eine Informations- und Diskussionsplattform für Strafverfolgungsbehörden und betroffene Unternehmen zu gründen. Internationale Unternehmen können Erkenntnisse aus verschiedenen Ländern schnell und unbürokratisch zuliefern und so den ebenfalls länderübergreifend arbeitenden Kriminellen das Leben erschweren“, sagte Kempf.

Zudem müsse die Sicherheit der IT-Produkte permanent verbessert werden. Hier helfen insbesondere gezielte Forschungsvorhaben. Daher begrüße man die Ankündigung der Bundesministerien für Forschung und Inneres, die IT-Sicherheitsforschung mit 30 Millionen Euro zu fördern. Drittens muss die Kompetenz und Eigenverantwortung der Verbraucher weiter gestärkt werden. Nach der BITKOM-Umfrage nutzen beispielsweise nur zwei Drittel der Internet-User eine Firewall. „Wer sein System sichert, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch das seiner Mitsurfer. Wer keine Firewalls installiert und gedankenlos surft, dessen Computer wird schnell zur Bedrohung auch für andere Nutzer“, so Kempf. Mittelfristig wird so das Vertrauen vieler Nutzer und kleinerer Unternehmen in die Online-Sicherheit untergraben. Die ITK-Wirtschaft engagiert sich daher in Vereinen wie „Deutschland sicher im Netz“, um die Verbraucher zu sensibilisieren und aufzuklären. 

Ansprechpartner

Marc Thylmann

Pressesprecher

Meldung gespeichert unter: BITKOM

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