Shanda Interactive Entertainment - Game Over?

Mittwoch, 1. März 2006 11:56

(IT-Times) Nachdem Chinas führender Online-Spielentwickler Shanda Interactive Entertainment (Nasdaq: SNDA<SNDA.NAS>, WKN: A0CAS4<RZP.FSE>) sein Geschäftsmodell bei drei seiner wichtigsten Online-Rollenspiele auf „free-to-play“ umgestellt hat, schmolzen auch die Gewinne wie Eis in der Sonne. So musste das Unternehmen im jüngsten Quartal sogar einen operativen Verlust ausweisen, was den Aktienkurs der Gesellschaft um 20 Prozent abstürzen lies.

Der Anfang vom Ende?

Trotz der Umstellung seines Geschäftsmodells, wobei Nutzer nunmehr die Kernfunktionen der Online-Spiele kostenfrei nutzen können, schrumpfte die durchschnittliche Nutzerzahl auf 548.000 Spieler zusammen, nachdem sich im Vorquartal noch durchschnittlich 630.000 Spieler in den virtuellen Shanda-Welten tummelten. Der Wettbewerb wird härter und Shanda scheint inhaltlich derzeit keine Alternativen bieten zu können. Viel versprechende neue Titel, wie „Dungeons & Dragons Online“ und „ArchLord“, werden voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2006 ihr Debüt in China feiern.

Wenig überzeugend auch der Markteintritt im Hardwaremarkt. Zwar verweist Shanda auf 660.000 Vorstellungen des EZ Pods von Seiten chinesischer PC-Hersteller, doch chinesische Vertriebshändler sprechen gegenüber der China Business News von einem schleppenden Verkauf der neuen Shanda-Hardware. So habe Shandas Hauptvertriebshändler in Schanghai zwar zwischen 4.000 und 5.000 EZ Pods monatlich absetzen können, doch die Geräte landen zum Großteil wieder bei Elektronikhändlern und anderen Vertriebshändlern, aber nicht beim Endnutzer, berichtet die chinesische Zeitung.

Ein Händler in Chengdu habe rund 4.000 EZ Pods von Shanda erworben und bislang nur wenige Geräte verkaufen können, heißt es in dem Bericht. Händler werfen dem Unternehmen vor, eine ineffektive Marketingstrategie zu fahren, wobei gleichzeitig auch kein Preisschutz gewährleistet sei, heißt es. Ob auch der Halbleitergigant Intel die versprochenen 500.000 EZ Pods absetzen kann, gilt als ungewiss. Schon Ende vergangenen Jahres haben sich enttäuschte Manager aus dem Unternehmen zurückgezogen und vor dem Einstieg in den Hardware-Markt gewarnt. Nunmehr steht Shanda vor den Scherben seiner Strategie: Weder im Hardwaremarkt, noch im Softwaremarkt scheint man derzeit in der Lage, nachhaltige Gewinne erwirtschaften zu können.

Kurzportrait

Shanda Interactive Entertainment Networks, ansässig in Schanghai, gilt als der marktführende Online-Spieleentwickler in China. Shanda entwickelt seine Spiele nicht nur in seinen eigenen Studios, sondern lizenziert auch Spiele von Drittanbietern. Das Unternehmen hat sich dabei vor allem auf die Vermarktung von so genannten Multiplayer Online-Role-Playing-Games (MMORPGs) spezialsiert. Zu den populärsten Shanda-Spielen gehören das von Actoz lizenzierte Online-Rollenspiel „The Legend of Mir II“ und das im eigenen Haus entwickelte Online-Spiel „The World of Legend“. Neben Adventures und Rollenspiele bietet Shanda auch Action, Brett- und Arcade-Spiele an, die auch von der breiten Masse der Kunden angenommen werden. Insgesamt verzeichnet Shanda nach eigenen Angaben nach 2,5 Mio. Nutzer, die sich simultan online einloggen, um die virtuellen Online-Welten Shandas zu erkunden.

Zuletzt verstärkte sich Shanda vor allem durch Firmenzukäufe. Nachdem das Unternehmen zunächst für rund fünf Mio. Yuan (rund 700.000 Dollar) die Mehrheit beim chinesischen Spieleentwickler Shenzhen Fenglin Haoshan übernahm, beteiligte sich Shanda mit 35 Prozent an dem in Beijing ansässigen Spieleentwickler Digital-Red. Ende Juli 2004 übernahm Shanda dann die Mehrheit bei Haofang Online Information Technology, dem größten chinesischen PC-Spielenetzwerk-Betreiber. Im August folgte dann die Übernahme des Online-Spielespezialisten Hangzhou Bianfeng Software Technology für rund zehn Mio. Dollar. Biafeng hat sich insbesondere auf die Entwicklung von Schach- und Brettspielen spezialisiert. Anschließend übernahm Shanda die restlichen Anteile an Digital-Red Mobile Software, einem der führenden Entwickler von Handy-Spielen. Ende 2004 erwarb Shanda Interactive 29 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Rivalen Actoz Soft für knapp 92 Mio. Dollar. Inzwischen kontrolliert Shanda 38 Prozent der Actoz-Anteile.

Die chinesische Medienfirma Skyline Media Ltd, welche von Shanda-Firmenchef und Chairman Chen Tianqiao geleitet wird, hält 60 Prozent der Anteile an Shanda Interactive. Daneben sind auch Softbank und der US-Netzwerkgigant Cisco Systems an Shanda beteiligt. In 2005 beteiligte sich Shanda mit 19,5 Prozent an Chinas zweitgrößtem Internet-Portal Sina. Ende 2005 übernahm Shanda die Online-Spieleplattform Gametea.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal meldet Shanda einen Umsatzrückgang auf 44,7 Mio. US-Dollar, ein Minus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Umsätze im Bereich Online-Spiele schwanden um 20,1 Prozent auf 38,7 Mio. Dollar. In der Spitze waren bis zu 2,68 Mio. Nutzer online, nach 2,55 Mio. Online-Spieler im Quartal vorher.

Insgesamt musste Shanda im jüngsten Quartal einen Verlust von 66,8 Mio. Dollar bzw. 0,94 US-Cent je ADS-Aktie ausweisen, nachdem im Jahr vorher noch ein Plus von mehr als 28 Mio. Dollar zu Buche stand. Ausgenommen außergewöhnlicher Wertberichtigungen im Hinblick auf die 38%ige Beteiligung an der koreanischen Actoz Soft, ergibt sich ein operativer Verlust von 3,4 Mio. Dollar, womit Shanda die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlte.

An der Wall Street wurde im Vorfeld mit Einnahmen von mehr als 59 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie kalkuliert.

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...