SAP nimmt E-Commerce-Markt ins Visier - Wachstumschancen in China

ERP-Software und Services

Freitag, 2. August 2013 14:11
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(IT-Times) - Der Walldorfer Softwarekonzern SAP AG brachte am Vortag die geplante Übernahme des E-Commerce-Spezialisten hybris erfolgreich zum Abschluss. SAP gab Anfang Juni bekannt gegeben, die Schweizer Softwareschmiede übernehmen zu wollen.

Wie viel SAP für das Schweizer Unternehmen bezahlt hat, blieb zunächst unklar. Branchenkreise sprechen jedoch von einem Kaufpreis von 1,0 bis 1,5 Mrd. US-Dollar. SAP Co-CEO Bill McDermott sprach im jüngsten Conference Call von einem „fairen Preis“, den SAP für das Unternehmen angesichts der Wachstums-Assets bezahlt habe.

SAP sieht Chancen bei E-Commerce-Technik
Die Schweizer hybris gilt als sehr viel versprechend. Das Unternehmen bietet eine E-Commerce-Plattform an, die sowohl On-Premise- als auch in Cloud-Umgebungen lauffähig ist. Zudem ist die hybris Softwaresuite sowohl im Web als auch auf mobilen Endgeräten einsatzfähig. Durch die Integration mit seiner In-Memory-Plattform Hana, Analyse- und Cloud-Anwendungen sowie der Social-Software-Plattform SAP Jam, hofft SAP einen echten Mehrwert für seine Kunden und bestehende hybris-Klientel zu schaffen.

Hybris betreut bereits namhafte Kunden wie 3M, Nikon, Bridgestone, Proctor & Gamble und Thomson Reuters. Die von hybris entwickelte Software ermöglicht Unternehmen Informationen über Kunden, Produkte und Bestellungen über viele Vertriebskanäle einzusehen. De facto ermöglicht hybris eine holografische Sicht des Kunden, wodurch Unternehmen geholfen werden soll, noch mehr Produkte und Services an Kunden zu verkaufen.

Der Zukauf von SAP (WKN: 716460) gilt als Antwort der Walldorfer auf die geplante Übernahme von ExactTarget durch Salesforce.com. Der Grund: E-Commerce Technologien werden immer wichtiger. Das Marktvolumen in diesem Bereich wird bereits auf 37 Mrd. Dollar taxiert und wächst derzeit mehr als doppelt so schnell wie die gesamte Retail-Industrie.

SAP will an Investitionsplänen in China festhalten
Eine weitere Baustelle ist momentan das Asien-Geschäft bei SAP. Die Software- und Cloud Computing-Umsätze gingen im zweiten Quartal um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Gerade deswegen will SAP weiter investieren. Ziel ist es in den nächsten Jahren zu den Top-5 Unternehmen in China aufzusteigen. Chief Financial Officer Werner Brandt kündige gegenüber Euro am Sonntag an, in den nächsten Jahren bis 2015 rund 2,0 Mrd. Euro in China investieren zu wollen. In 2015 will SAP in China eine Mrd. Dollar umsetzen.

Brandt bestätigte dann auch Probleme in China, wo sich das deutsche Softwarehaus einer schwer vorhersehbaren Nachfrage gegenübersieht. Zudem gab es zuletzt interne Probleme, nachdem sich die formalige Leiterin des China-Geschäfts Hera Siu eine Auszeit gönnte. Jüngst habe man aber einen Ersatz gefunden, wobei der neue Leiter des China-Geschäfts schon in Kürz seine Arbeit aufnehmen werde, kündigte Brandt an.

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 30.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Mit NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen. Mit dem Projekt „Business By Design“ will sich SAP stärker im Mittelstand und im Markt für Cloud-basierte Angebote engagieren. Mit der In-Memory-Datenbank HANA will SAP das Analysieren von großen Datenvolumina in sekundenschnelle ermöglichen..

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP bereits 1997 die Tochterfirma SAP SI. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. In den letzten Jahren verstärkte sich SAP durch eine Reihe von Übernahmen. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects. Im Frühjahr 2010 kaufte SAP den US-Softwarespezialisten Sybase. Zuvor hatte SAP bereits den langjährigen Kooperationspartner TechniData geschluckt. Im Herbst 2010 gründete SAP anschließend die Mobile Business Unit. Anfang 2011 wurden Vermögenswerte von SECUDE übernommen. Ende 2011 übernahm SAP den Cloud-Spezialisten SucessFactors, gleichzeitig wurde die Steeb Anwendungssysteme GmbH abgestoßen. Im Herbst 2012 kaufte SAP den US-Softwarekonzern Ariba. Mitte 2013 kaufte SAP den Logistik-Management-Spezialisten hybris.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2013 musste SAP im Vergleich zum Vorjahresquartal währungsbereinigt um acht Prozent auf 4,06 Mrd. Euro zu. Das operative Ergebnis (EBIT) kletterte mit zehn Prozent Wachstum auf 988 Mio. Euro, so dass nach Steuern ein um fünf Prozent auf 724 Mio. Euro gestiegenes Ergebnis in den Büchern stand. Die operative Marge verbesserte sich um 0,6 Prozentpunkte auf 24,3 Prozent. Auf jede Aktie entfiel im zweiten Quartal ein Ergebnis in Höhe von 0,61 Euro (0,55 Euro).

Meldung gespeichert unter: SAP

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