RIM weiter in der Krise - Kanadier droht Dasein als Nischenanbieter

Montag, 19. September 2011 13:43
Blackberry

(IT-Times) - Der BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) steckt weiter tief in der Krise. Nachdem die Absatzzahlen von BlackBerry Smartphones und dem PlayBook Tablet PC weit hinter den Markterwartungen zurückblieben, brachen RIM-Aktien am vergangenen Freitag an der New Yorker Nasdaq um knapp 20 Prozent ein.

Investoren und Anleger fragen sich, ob es noch eine Zukunft für den angeschlagenen BlackBerry-Hersteller ergibt. Problematisch sind die rückläufigen Absatzzahlen und Marktanteilsverluste im amerikanischen Smartphone-Markt. Inzwischen zeichnen sich erste Tendenzen auch im englischen Markt ab, so Bernstein Research Analyst Pierre Ferragu.

RIM findet kein Mittel gegen Android und iPhone
Bislang hat RIM (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) keine Mittel gegen die Übermacht in Form von Android und Apple (iPhone) finden können. Die Hoffnung ruhen nunmehr auf ein Update, wodurch auf künftigen BlackBerry-Produkten mit Hilfe eines Android Players auch Android-Anwendungen laufen sollen. Ob sich Konsumenten mit dieser Not- bzw. Übergangslösung zufrieden geben, darf bezweifelt werden.

Zu groß ist bereits der Vorsprung von Apple und Android, was der Fall Hewlett-Packard (HP) beweist. Der Plan von HP, sein eigenes webOS Betriebssystem gegen Android & Co zu platzieren, ging gewaltig daneben. HP ist damit so gut wie raus aus dem Tablet-Geschäft und damit aus einem wichtigen Zukunftsmarkt.

Gleiches könnte nunmehr auch dem kanadischen Hersteller drohen. Auch RIM plant mit QNX ein eigenes Betriebssystem gegen Android und iPhone zu platzieren. Erste QNX-basierte Geräte sollen noch Ende 2011 auf den Markt kommen, glaubt man US-Medienberichten. Dies könnte bereits zu spät sein. Im jüngsten Quartal konnte das Unternehmen gerade einmal 200.000 BlackBerry PlayBook Tablet PCs absetzen, während Analysten mit einem Absatz von 400.000 bis 500.000 Geräten kalkuliert haben.

Marktanteil im Smartphone-Markt bricht ein
Auch im Smartphone-Markt machen sich erste Auflösungstendenzen bemerkbar. Die Analysten bei Goldman Sachs schätzen, dass RIMs weltweiter Marktanteil im Smartphone-Markt von 16 Prozent im Vorjahr, auf nur noch neun Prozent im zweiten Quartal 2011 eingebrochen ist.

Nicht zuletzt deswegen rät auch Brigantine Advisors Analyst Kevin Dede zum Verkauf von RIM-Aktien. Nach Meinung von Dede hat RIM anfängliche Vorteile, insbesondere bei Konsumenten verspielt. Im RIM-Management versprüht man noch Optimismus und glaubt an deutlich steigende Absatzzahlen im laufenden Weihnachtsquartal, TheStreet.com Mitgründer und Mad Money TV Frontmann Jim Cramer bezeichnete die jüngste RIM-Pressekonferenz als "Fantasy Island", nachdem das Management den Blick für die Realität verloren zu haben scheint.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 in Waterloo/Kanada gegründete Research In Motion (RIM) gilt heute als einer der führenden Anbieter von Smartphones. Das im kanadischen Ontario ansässige Unternehmen konnte sich durch seinen Email-Pushservice BlackBerry einen Namen nicht nur in Nordamerika machen. Mit dem BlackBerry können Nutzer an einen beliebigen Ort Emails empfangen, bearbeiten und versenden. RIMs kleines Kommunikationswunder wird derzeit bereits von mehr als 50 Millionen Kunden in über 150 Ländern weltweit eingesetzt. Durch neue Produkte (BlackBerry Storm, BlackBerry Bold, BlackBerry Pearl Flip) will das Unternehmen auch von neuen und schnellen Mobilfunknetzstandards profitieren und seine Marktposition entsprechend sichern. So brachte das Unternehmen mit dem BlackBerryStorm im Jahr 2008 sein erstes Touchscreen-Smartphone auf den Markt.

Nach der Expansion in europäische und asiatisch-pazifische Märkte, will das Unternehmen vor allem in China und Indien weiter wachsen. Durch ein Abkommen mit der ägyptischen Orascom Holdings ist RIM auch in den Märkten des Mittleren Ostens präsent. Durch Kooperationen mit zahlreichen ausländischen Carrier-Partnern geht die Internationalisierung weiter. Im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen standen zuletzt nicht nur Europa, sondern auch Asien und der Mittlere Osten. Im Frühjahr 2006 verstärkten sich die Kanadier durch die Übernahme des kalifornischen Softwarespezialisten Ascendent Systems. Anfang 2009 schloss RIM die Übernahme des kanadischen Spezialisten Chalk Media ab. Im März 2009 übernahm RIM den kanadischen Sicherheitsspezialisten Certicom. Mitte 2010 schluckte RIM von Harman International die Betriebssystem-Einheit QNX Software Systems, später folgte die Übernahe des Documents To Go Entwicklers DataViz. Zudem wurde Ende 2010 die schwedische The Astonishing Tribe (TAT) übernommen.

Neben dem Handheld-Computer BlackBerry bietet das Unternehmen aber auch PC-Steckkarten für Laptops und PDAs an. Entsprechende Softwarelösungen rund um die angebotene Hardware ergänzen das Produktportfolio der Kanadier. RIM vertreibt seine Produkte sowohl direkt an Herstellerfirmen, als auch über ein Händlernetz und Carrier wie Hutchison Telecommunications, Cingular und Motient. Zu den namhaften Vertriebspartnern zählen neben AT&T Wireless, auch T-Mobile, Vodafone und Sprint Nextel. Zu den Kunden der Kanadier zählen darüber hinaus Technologiefirmen wie AT&T, Dell, Intel, Panasonic und IBM. Das RIM-Führungsduo bestehend aus Jim Balsillie und Mike Lazaridis hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2012 meldet RIM einen Umsatzrückgang um 15 Prozent auf 4,2 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn brach auf 419 Mio. Dollar oder 80 US-Cent je Aktie ein, nachdem RIM im Jahr vorher noch einen Profit von 796,7 Mio. Dollar oder 1,46 Dollar je Aktie erwirtschaften konnte.

Mit den vorgelegten Zahlen verfehlte RIM die Erwartungen der Analysten, die im Vorfeld im Schnitt mit Einnahmen von 4,47 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 90 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

Im jüngsten Quartal konnten die Kanadier 10,6 Millionen BlackBerry-Smartphones absetzen. Gleichzeitig gingen nur 200.000 PlayBook Tablet PCs über die Ladentheke. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Absatz von 11,9 Millionen Smartphones und mit rund 400.000 bis 500.000 verkauften PlayBooks gerechnet. Die Zahl der BlackBerry-Abonnenten erreichte im jüngsten Quartal die Marke von 70 Millionen, ein Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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