Research In Motion - Kamikaze-Kurs sorgt für große Verunsicherung

Montag, 28. März 2011 13:33
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(IT-Times) - Die Aktien des BlackBerry-Hersteller Research In Motion (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) gehörten mit einem Kursminus von mehr als elf Prozent zu den Hauptverlierern am vergangenen Freitag an der Hightech-Börse Nasdaq.

Die Kanadier hatten zwar im vergangenen vierten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen können, gleichzeitig enttäuschte das Unternehmen aber mit einem verhaltenen Ausblick. Hohe Investitionskosten im Zusammenhang mit der Markteinführung des neuen Tablet PCs BlackBerry PlayBook werden auf die Gewinne drücken, heißt es bei RIM.

PlayBook vs iPad 2 - der Kampf um Marktanteile beginnt am 19. April
Das Unternehmen wird am 19. April den mit Spannung erwarteten Tablet PC PlayBook in Nordamerika auf den Markt bringen - in rund 20.000 Läden wird der neue RIM Tablet dann verfügbar sein. Der PlayBook wird mit 499 Dollar der erste Tablet sein, der genauso viel kostet, wie der iPad 2 von Apple. Wenngleich RIM preislich mit dem iPad 2 mithalten kann, bleibt die Frage, ob das neue Gerät auch bei Kunden gut ankommt. Der PlayBook verfügt über ein 7-Zoll großes Display und ist damit zunächst kleiner als der iPad 2 (9,7-Zoll Display). Im Gegensatz zum iPad 2 beherrscht der PlayBook auch Flash. Mittels eines speziellen App Players soll der PlayBook daneben auch Android-Anwendungen abspielen können, heißt es.

QNX-Betriebssystem eine Sackgasse?
Der PlayBook kommt mit dem Betriebssystem QNX daher, das von einer Firma entwickelt wurde, die RIM im Vorjahr übernommen hat. Doch ob das neue Betriebssystem in der Lage ist, genügend Entwickler anzuziehen bleibt fraglich, zumal auf den PlayBook ohnehin auch Android-Anwendungen (bis Version 2.3) laufen. Zudem verweisen Marktbeobachter auf den immensen zeitlichen Vorsprung, den iOS und Android bereits heute haben. Selbst Microsoft konnte trotz Einführung von Windows Phone 7 gegen diese Übermacht bisweilen kaum etwas ausrichten.

Analysten der Deutschen Bank sehen daher den Vorstoß von RIM mit seinem eigenen Betriebssystem QNX äußerst skeptisch. Die Analysten erwarten, dass QNX gegen Android und iOS eher enttäuschen wird und empfehlen daher RIM-Aktien zum Verkauf.

Cowen & Co Experte Matthew Hoffman fürchtet, dass RIM mit seinem 7-Zoll Tablet scheitern wird - Hoffman hält das Display für zu klein. Andere Analysten verweisen auf den Nachteil, dass der PlayBook nur WiFi beherrscht und keine Internet-Verbindung über das herkömmliche Mobilfunknetz herstellen kann - dieses Problem will RIM mittelfristig aber lösen.

BlackBerry Messenger demnächst für andere Plattformen verfügbar
Für Verwunderung sorgte auch die Ankündigung der Kanadier, den populären BlackBerry Messenger in naher Zukunft auch für andere Plattformen wie für Googles Android und Apples iOS Betriebssystem zur Verfügung zu stellen. Mit dem Vorstoß will RIM das Interesse der App-Nutzer für BlackBerry-Geräte wecken - andererseits entfällt dadurch auch ein wichtiger Kaufgrund, können Android- und iPhone-Inhaber den BlackBerry Messener dann ebenfalls nutzen, ohne gleich die Marke wechseln zu müssen.

Fazit: Aktuell droht Research In Motion (RIM) mit seinem Kurs zwischen den beiden dominierenden Mobile-Plattformen Android und iOS zerrieben zu werden. Damit droht RIM ein ähnliches Schicksal wie dem PDA-Pionier Palm, der trotz webOS nur noch durch HP gerettet werden konnte. Ein klares Bekenntnis zu Android würde dagegen die Unsicherheit nicht nur bei Entwicklern, sondern auch bei den Kunden aus dem Markt nehmen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 in Waterloo/Kanada gegründete Research In Motion (RIM) gilt heute als einer der führenden Anbieter von Smartphones. Das im kanadischen Ontario ansässige Unternehmen konnte sich durch seinen Email-Pushservice BlackBerry einen Namen nicht nur in Nordamerika machen. Mit dem BlackBerry können Nutzer an einen beliebigen Ort Emails empfangen, bearbeiten und versenden. RIMs kleines Kommunikationswunder wird derzeit bereits von mehr als 50 Millionen Kunden in über 150 Ländern weltweit eingesetzt. Durch neue Produkte (BlackBerry Storm, BlackBerry Bold, BlackBerry Pearl Flip) will das Unternehmen auch von neuen und schnellen Mobilfunknetzstandards profitieren und seine Marktposition entsprechend sichern. So brachte das Unternehmen mit dem BlackBerryStorm im Jahr 2008 sein erstes Touchscreen-Smartphone auf den Markt.

Nach der Expansion in europäische und asiatisch-pazifische Märkte, will das Unternehmen vor allem in China und Indien weiter wachsen. Durch ein Abkommen mit der ägyptischen Orascom Holdings ist RIM auch in den Märkten des Mittleren Ostens präsent. Durch Kooperationen mit zahlreichen ausländischen Carrier-Partnern geht die Internationalisierung weiter. Im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen standen zuletzt nicht nur Europa, sondern auch Asien und der Mittlere Osten. Im Frühjahr 2006 verstärkten sich die Kanadier durch die Übernahme des kalifornischen Softwarespezialisten Ascendent Systems. Anfang 2009 schloss RIM die Übernahme des kanadischen Spezialisten Chalk Media ab. Im März 2009 übernahm RIM den kanadischen Sicherheitsspezialisten Certicom. Mitte 2010 schluckte RIM von Harman International die Betriebssystem-Einheit QNX Software Systems, später folgte die Übernahe des Documents To Go Entwicklers DataViz. Zudem wurde Ende 2010 die schwedische The Astonishing Tribe (TAT) übernommen.

Neben dem Handheld-Computer BlackBerry bietet das Unternehmen aber auch PC-Steckkarten für Laptops und PDAs an. Entsprechende Softwarelösungen rund um die angebotene Hardware ergänzen das Produktportfolio der Kanadier. RIM vertreibt seine Produkte sowohl direkt an Herstellerfirmen, als auch über ein Händlernetz und Carrier wie Hutchison Telecommunications, Cingular und Motient. Zu den namhaften Vertriebspartnern zählen neben AT&T Wireless, auch T-Mobile, Vodafone und Sprint Nextel. Zu den Kunden der Kanadier zählen darüber hinaus Technologiefirmen wie AT&T, Dell, Intel, Panasonic und IBM. Das RIM-Führungsduo bestehend aus Jim Balsillie und Mike Lazaridis hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2011 meldet Research In Motion (RIM) einen Umsatzanstieg um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,6 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 4,1 Mrd. Dollar in der Vorjahresperiode. 81 Prozent der Erlöse wurden über den Geräteverkauf erwirtschaftet, 16 Prozent über Serviceleistungen. Insgesamt brachte RIM im jüngsten Quartal 14,9 Millionen BlackBerry Smartphones zur Auslieferung.

Der Nettogewinn kletterte im jüngsten Quartal auf 934 Mio. Dollar oder 1,78 Dollar je Aktie, nach einem Profit von 710 Mio. Dollar oder 1,27 Dollar je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit den vorgelegten Gewinnzahlen konnte RIM zwar die Markterwartungen übertreffen, blieb allerdings beim Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 1,76 Dollar je Aktie, aber mit einem Umsatz von 5,64 Mrd. Dollar gerechnet.

Für das abgeschlossene Fiskaljahr 2011 meldet RIM einen Umsatzanstieg um 33 Prozent auf 19,9 Mrd. US-Dollar, wobei der Nettogewinn um 47 Prozent auf 3,4 Mrd. Dollar oder 6,34 Dollar je Aktie zulegte. Dabei lieferte das Unternehmen im vergangenen Jahr 52,3 Millionen BlackBerrys aus. Insgesamt konnte RIM das Fiskaljahr 2011 mit Barreserven von 2,7 Mrd. Dollar beenden.

Meldung gespeichert unter: BlackBerry

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