Premiere: Mit frischem Kapital zu neuer Handlungsfähigkeit

Dienstag, 14. April 2009 13:07
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(IT-Times) Aktuell dürfte es beim durchaus angeschlagenen deutschen Pay-TV-Anbieter Premiere AG (WKN: PREM11<PRE.FSE> ein kleines Aufatmen geben: Das Unternehmen bringt neue Aktien an den Markt und will die Erlöse nutzen, um den Turnaround zu ermöglichen. Bislang konnte sich Premiere als Pay-TV-Anbieter in Deutschland nicht in dem Maße durchsetzen, wie es andere Anbieter im Ausland geschafft haben.

Durch die Ausgabe der neuen Aktien erhöht sich das Grundkapital von 122,7 Mio. Euro um 367,5 Mio. Euro auf 490,1 Mio. Euro. Die Kapitalerhöhung ist ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierungsstruktur, auf die sich Premiere, ihr Bankenkonsortium und die News Corp zum Ende des letzten Jahres geeinigt hatten. Der Hauptaktionär von Premiere, News Adelaide Holdings B.V., ein indirektes Tochterunternehmen der New Corp, hat zugesagt, so viele Bezugsrechte auszuüben und/oder Aktien zu zeichnen, die nicht von anderen Aktionären oder Dritten gezeichnet werden, dass ein Bruttoemissionserlös in Höhe von rund 411,6 Mio. Euro sichergestellt ist. Aktionäre von Premiere erhalten ein Bezugsrecht und können für je eine gehaltene Aktie drei neue Aktien erwerben. Die Bezugsfrist soll voraussichtlich am 21. April 2009 enden.

Neue Kanäle kommen hinzu, manche fallen durch das Raster

Durch das frische Kapital erlangt Premiere endlich wieder so etwas wie eine Handlungsfähigkeit, um das bestehende Geschäftsmodell in Frage zu stellen und Handlungsoptionen zu prüfen, um so auch zurück zur Wirtschaftlichkeit zu gelangen. Bisherige Schritte in diese Richtung bestanden insbesondere darin, sich von Tochterunternehmen zu trennen, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, wie es in solchen Fällen dann häufig heißt. So trennte sich Premiere im ersten Quartal von seiner Tochtergesellschaft Giga, jenem Spartenkanal, über den Videospiele frei empfangbar waren.  Die Angebote von Giga sind dabei eher im Internet als im Fernsehen zu finden, so dass Premiere, als TV-Sender positioniert, von dieser Beteiligung Abstand genommen hat. Zum Verkauf stehen auch die Doku-Kanäle Discovery sowie Animal Planet, dafür startet zum Sommer mit SPIEGEL Geschichte ein neuer Sender im Angebot von Premiere. Rund um die Uhr können Premiere-Abonnenten dann via Kabel und Satellit Fernsehdokumentationen aus den Themengebieten Geschichte und Zeitgeschichte sehen. Der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf Deutschland und der deutschen Perspektive. Als Ergänzung zu den Dokumentationen zeigt SPIEGEL Geschichte auch fiktionale Programm-Events und Serien. Im Rahmen der Konsolidierung erfolgte aber jüngst auch ein Rückkauf: Premiere gab bekannt, Anteile an Premiere Star langfristig wieder erwerben zu wollen.

Neben sinkenden Kundenzahlen machten Premiere besonders Schwarzseher Probleme. Trotz entsprechender Pläne in 2008, diese durch neue Sicherheitsprogramme auszubremsen, schrieb Premiere bislang rote Zahlen. Ende 2008 hatte Premiere noch darauf gehofft, Schwarzseher durch die Schließung einer Sicherheitslücke in seinem Verschlüsselungssystems zum Kauf eines Abos bewegen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Im traditionell starken Weihnachtsquartal verlor Premiere sogar weitere 12.000 Abonnenten - eine katastrophale Entwicklung, die auch nichts Gutes für das aktuelle Jahr erwarten lässt.

Kurzportrait

Die in Unterföhring bei München ansässige Premiere AG ist Deutschlands führender Pay-TV-Sender. Das Unternehmen ging im Jahr 1990 aus dem ersten deutschen Bezahlsender Teleclub hervor und baute seither sein TV-Angebot sukzessive aus.

Heute präsentiert sich die Premiere AG als ein führender europäischer TV-Konzern, der seine Programme nicht nur Deutschland, sondern auch in Österreich und teilweise auch in der Schweiz ausstrahlt. Zum Unternehmen gehören die 100-prozentigen Tochterfirmen Premiere Fernsehen GmbH & Co KG, die wiederum 100 Prozent der Anteile an der Premium Media Solutions hält, sowie die Premiere Star GmbH. Gleichzeitig ist das Unternehmen an der Servicegesellschaft Premiere Service Center Schwerin GmbH, der Premus Logistik und Service GmbH als auch an der Premiere Hotel Entertainment GmbH beteiligt.

Die Premium Media Solutions ist mit den Sendern Premiere 1, Premiere 2, Premiere 3, Premiere 4, Premiere Filmclassics, Premiere Filmfest, Premiere Krimi, Premiere Nostalgie, Premiere Serie, Premiere Sport und Champions TV am Markt aktiv. Die einzelnen Programmpakete (Premiere Blockbuster, Premiere Entertainment, Premiere Star, Premiere Sport, Premiere Fußball plus, Premiere Bundesliga, Premiere Thema etc.) sind im Abo ab 19,99 Euro im Monat erhältlich. Zudem haben Kunden die Möglichkeit, Einzelkanäle zu Ihrem Hauptabonnement zu buchen. Daneben bietet Premiere auch über das Audiopaket Premiere MusicStudio ein Hörfunkprogramm an. Zuletzt betreute Premiere mehr als vier Millionen Abonnenten im Rahmen seines kostenpflichtigen TV-Programms. Ende 2006 übernahm Premiere die Kunden des Erotik-Senders „Blue Movie“ von Kabel Deutschland (KDG). Der US-Medienkonzern News Corp war zuletzt mit 29 Prozent an Premiere beteiligt. Im Zuge der aktuellen Kapitalerhöhung kann sich dieser Anteil jedoch vergrößern.

Ergänzt wird das Pay-TV-Geschäft durch das Premiere Film- und Sportportal (Premiere.de, Premiere.at), welches mehr als 2,3 Mio. Besucher und über 21 Mio. Seitenaufrufe monatlich verzeichnet. Hier ist das Unternehmen auch mit seinem Premiere Internet TV-Programm aktiv. Künftig will Premiere auch die Bundesliga live im Internet übertragen.

Zahlen

Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2008 wies Premiere Umsätze in Höhe von 1,017 Mrd. Euro aus und bewegte sich damit innerhalb der Erwartungen, die im November 2008 ausgegeben worden waren. Ohne Berücksichtigung der verkauften Tochter „Home of Hardware“ ergibt sich ein Umsatz von 941,1 Mio. Euro.

Belastend wirkten sich dagegen hohen Kosten aus, die vor allem auf die Lizenzgebühren zur Sicherung der exklusiven Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga zurück zu führen sind. Insgesamt belaufen sich die Kosten im Geschäftsjahr 2008 aus der operativen Geschäftstätigkeit auf 998 Mio. Euro. Auf dieser Grundlage ergibt sich ein EBITDA in Höhe von minus 59,5 Mio. Euro, nachdem es im Vorjahr mit 83,6 Mio. Euro noch positiv ausgefallen war. Das Nettoergebnis für 2008 beträgt minus 269,4 Mio. Euro, nach minus 51,6 Mio. Euro in 2007. Der Cash-Flow aus operativer Geschäftstätigkeit fällt mit minus 108,1 Mio. Euro ebenfalls negativ aus. Zum Jahresende verzeichnete Premiere 2,39 Mio. direkte Abonnenten, nach 2,534 Mio. Kunden zum Ende des Vorjahres.

Das vierte Quartal 2008 leistete seinen Beitrag zur negativen Entwicklung bei Premiere: Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr von 261,3 Mio. Euro auf 236,1 Mio. Euro. Das EBITDA fiel mit minus 44,5 Mio. Euro ebenso negativ aus wie das Nettoergebnis mit minus 114,3 Mio. Euro. Auch der Cash-Flow war im vierten Quartal mit minus 9,8 Mio. Euro negativ.

Meldung gespeichert unter: Sky Deutschland

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