Palm: Spekulationen erreichen Höhepunkt

Montag, 26. März 2007 00:00

(IT-Times) Der amerikanische Handheld-Spezialist Palm (Nasdaq: PALM<PALM.NAS>, WKN: A0ETPB<PLV1.FSE>) konnte im jüngsten Quartal mit soliden Zahlen aufwarten. Die Verkäufe des Treo Smartphones kletterten auf ein Rekordniveau. Doch die Geschäftszahlen interessierten Investoren und Analysten nur am Rande.

Zwar löcherten Analysten das Management im Rahmen der Quartalspressekonferenz mit Fragen im Bezug auf eventuelle Gespräche bzw. Verhandlungen mit potentiellen Aufkäufern, doch das Management wiegelte ab und brachte wenig Klarheit in die aktuelle Situation. Auf der einen Seite ziehe man immer alle strategischen Alternativen in Betracht, auf der anderen Seite wolle man sich zu 100% auf die Führung einer unabhängigen Gesellschaft konzentrieren, erklärt Palm-Finanzchef Brown. Darüber hinaus werde man über Gerüchte und Spekulationen keinen Kommentar abgeben, heißt es weiter.

Nokia und Motorola als weiße Ritter?

Doch diese Spekulationen waren in den vergangenen Wochen maßgeblich für den kräftigen Kursanstieg seit Anfang Februar verantwortlich. Bereits Anfang März berichteten einschlägige Wirtschaftsblätter wie das Wall Street Journal, dass Palm mit Morgan Stanley eine Bank engagiert hat, um strategische Alternativen auszuloten. Als mögliche Kaufinteressenten wurden kurze Zeit später dann auch gleich der finnische Mobilfunkkonzern Nokia sowie der US-Mobilfunker Motorola genannt.

Motorola scheint allerdings nachdem zuletzt angekündigten Umbau im Management sowie der revidierten Umsatzprognosen als potentieller Aufkäufer ausgeschieden. Auch bei der Deutschen Bank hält man diese Spekulationen für abwegig. Deutsche Bank-Analyst Jonathan Goldberg bezeichnete eine entsprechende Transaktion mit Motorola für „extrem unwahrscheinlich“.

Private Equity Firmen bringen sich in Stellung

Andere Analysten wie Citigroup-Experte Daryl Armstrong sind dennoch sicher, dass Palm eines Tages übernommen wird. „Wir glauben weiterhin das Palm verkauft wird“, schreibt Armstrong an seine Kunden. Armstrong traut hingegen Private Equity Gesellschaften mehr Entscheidungsfreude zu. Diese bringen sich bereits in Stellung. So hat der Hedge Fond Galleon Group LP bereits mehr als 6,3 Mio. Palm-Aktien erworben und seine Beteiligung an Palm auf 6,2 Prozent aufgestockt. Neben Galleon Group wird auch der Texas Pacific Group Interesse an Palm nachgesagt. Wie auch immer der Übernahmepoker ausgeht, Palm-Aktionäre dürften in jeden Fall von einem Buyout-Angebot profitieren, zumal der Smartphone-Spezialist zuletzt mit soliden Zahlen aufwarten konnte.

Kurzportrait

Der PDA-Hersteller Palm, gegründet im Jahre 1992 und ansässig in Milpitas/Kalifornien, sieht sich als Pionier im Markt für Handheld-Computer. Bereits im Jahre 1995 wurde das Unternehmen vom Modem-Hersteller U.S. Robotics übernommen, welches seinerseits zwei Jahre später vom US-Netzwerkkonzern 3Com aufgekauft wurde. Mit der Übernahme von Smartcode Technologie im Februar 1999 wurde Palms gleichnamiges Betriebssystem entsprechend um drahtlose Kommunikationsfunktionen erweitert. Bereits im Jahre 1996 stellte das Unternehmen mit dem Pilot 1000 und Pilot 5000 die ersten Personal Digital Assistants (PDAs) vor, welche heute als Meilenstein in der Geschichte des Handheld-Computing gelten. Insgesamt lieferte das Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 40 Mio. PDA-Computer aus.

Im Jahre 2000 gliederte 3Com die Einheit Palm als eigenständiges Unternehmen aus und führte den PDA-Hersteller an die Nasdaq. Mit der Übernahme von Actual Software im Juni 2000 erweiterte Palm seine Handhelds um Email-Funktionen. Ein Jahr später erfolgte die Übernahme von peanutpress.com, aus welcher anschließend die Einheit Palm Digital Media und der Palm Reader hervorging. Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen in zwei wesentliche Geschäftsbereiche umstrukturiert. Die Einheit PalmSource soll zusätzliche, separate Lösungen rund um das Palm-Betriebssystem entwickeln, während sich die Einheit Palm um die Weiterentwicklung und die Vermarktung der Hardware konzentrieren soll. Mit der Übernahme von HandSpring folgte gleichzeitig eine Ausgliederung der Softwareeinheit. Dies wurde im Jahr 2003 vollzogen. Die Hardwareeinheit Palm konzentriert sich seither primär um die Weiterentwicklung der Hardware, während die Softwareeinheit PalmSource, das PDA-Betriebssystem Palm OS weiterentwickelt. Seit geraumer Zeit hat Palm einen Strategiewechsel vollzogen und setzt vermehrt auf Smartphones wie seine Treo-Produktlinie. Das Smartphone-Geschäft trug zuletzt den Großteil der Palm-Umsätze.

Zusätzliche Funktionen und Datenbanken können über das Internet-Portal MyPalm geladen werden. Über sein Internet-Portal bietet das Unternehmen auch einen Support für seine Geräte an. Hierfür entwickelt die Palm Economy, eine Community bestehend aus mehr als 250.000 registrierten Palm-Lizenznehmern, entsprechende Anwendungen und Funktionen für die Palm-Plattform.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2007 meldet Palm einen Umsatzanstieg auf 410,5 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 388,5 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei brach der Gewinn zunächst um 61 Prozent auf 11,8 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 29,9 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Vor allem gestiegene Kosten machten dem Unternehmen im jüngsten Quartal zu schaffen. So entstanden im Zusammenhang mit Aktienkompensationen Aufwendungen in Höhe von 5,7 Mio. Dollar, zuzüglich Kosten von 3,7 Mio. Dollar in Verbindung mit Firmenzukäufen.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Palm einen Nettogewinn von 16,5 Mio. Dollar oder 16 US-Cent je Aktie realisieren, nach einem Plus von 19,8 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 403,6 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von zwölf US-Cent je Aktie kalkuliert.

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