Oracle setzt SAP unter Druck

Freitag, 2. März 2007 00:00

(IT-Times) Nachdem der Rivale SAP AG Ende Februar den kleineren Hersteller von Analysesoftware Pilot Software übernommen hat, folgte nunmehr die Antwort des US-Rivalen. Für 3,3 Mrd. Dollar verstärkte sich der US-Datenbankspezialist Oracle (Nasdaq: ORCL<ORCL.NAS>, WKN: 871460<ORC.FSE>) nunmehr ebenfalls im Geschäftsbereich Business Intelligence.

Mit Business Intelligence Softwarelösungen analysieren Firmen interne Daten, Kennzahlen und Abläufe, um so Geschäftsprozesse weiter zu optimieren. Anbieter wie Hyperion, Cognos und Business Objects verzeichneten in den vergangenen Jahren oft zweistellige Wachstumsraten. Aber nicht nur aus diesem Grunde dürfte sich Oracle nunmehr für die Übernahme von Hyperion entschieden haben. Hyperion betreut 12.000 Kunden, darunter auch tausende SAP-Kunden. 55 Prozent der Hyperion-Kundschaft sind auch SAP-Kunden, weiß AMR Research Analyst Bruce Richardson.

Mit diesem Schachzug will Oracle offenbar SAP nunmehr direkt angehen und Kunden abnehmen. Gleichzeitig erhöht Oracle durch diesen Deal nicht nur mit einem Schlag seinen Marktanteil im Bereich Business Intelligence Software erheblich, auch sieht Oracle-Finanzchef Safra Catz signifikante Kosteneffizienzen, die man nutzen will. Ob und wie viel der etwa 2.700 Hyperion-Arbeitsplätze wegfallen werden, steht noch nicht fest. Jedoch soll der Hyperion-Zukauf bis Ende April abgeschlossen sein und im anstehenden Fiskaljahr 2008 für einen zusätzlichen Gewinn von einem US-Cent je Aktie sorgen. Im nachfolgenden Fiskaljahr 2009 rechnet Oracle dann mit einem Gewinnbeitrag von vier US-Cent je Aktie.

SAP bleibt gelassen

Bei SAP zeigt man sich angesichts des jüngsten Schachzuges der Amerikaner eher unbeeindruckt. Der Expansionshunger der Amerikaner dürfte eher zu Konfusionen bei Oracle-Kunden führen, was zu einem Umsatzabfluss führen könnte, glaubt man bei SAP. Bei SAP sieht man den Hyperion-Deal als einen weiteren Versuch Oracles, im Geschäft mit Geschäftsanwendungen Fuß zu fassen, was jedoch nicht das Kerngeschäft Oracles sei. Bei SAP werde das Geschäft mit Business-Software weiterhin das Kerngeschäft bleiben, versichert SAP in einem Statement.

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von zwei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software und Services. Diese zwei Geschäftsbereiche sind wiederum in fünf operative Segmente unterteilt. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 10g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence. Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle den US-Softwarespezialisten PeopleSoft im Januar 2005 für rund 10,3 Mrd. Dollar. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek für rund 670 Mio. Dollar. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und den Daten-Management-Anbieter TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat. Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2006 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions für 3,3 Mrd. Dollar.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2007 meldet Oracle einen Umsatzanstieg auf 4,16 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Softwareerlöse summierten sich auf 1,21 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Geschäft mit Anwendungslizenzen schnellte auf 340 Mio. Dollar nach oben, ein Zuwachs von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Geschäft mit Datenbankensoftware und Middleware-Produkten zog um neun Prozent auf 867 Mio. Dollar an.

Insgesamt konnte Oracle im jüngsten Quartal einen Gewinn von 976 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie einfahren, nach einem Profit von 798 Mio. Dollar oder 15 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

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