Motorola kämpft um seine Chance

Mittwoch, 6. August 2008 12:49
Motorola Mobility

(IT-Times) Der US-Mobilfunkspezialist Motorola (NYSE: MOT, WKN: 853936) sieht sich wieder im Aufwind, nachdem das Unternehmen im vergangenen zweiten Quartal 2008 überraschend einen kleinen Gewinn ausweisen konnte. Zugleich ist die monatelange Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Führung der Motorola-Mobilfunksparte beendet.

Ehemaliger Qualcomm-Manager soll es richten
Dabei gelang Motorola ein Coup, der sich noch als Glücksgriff erweisen könnte. Mit Dr. Sanjay Jha berief der Handy-Hersteller den ehemaligen Chief Operating Officer (COO) von Qualcomm zum neuen Leiter der angeschlagenen Handy-Sparte Mobile Devices. Die Sparte konnte zwar im jüngsten Quartal mit 28,1 Mio. Handys 1,1 Mio. Endgeräte mehr verkaufen als im ersten Quartal 2008, doch für das laufende Quartal erwartet Motorola hier wieder einen Rückgang der Verkaufszahlen. Wann die Einheit wieder Gewinne schreiben wird, steht noch in den Sternen. Im jüngsten Quartal entstand in der Mobilfunksparte ein operativer Verlust von 346 Mio. Dollar.

Diese Verluste zu reduzieren und die Sparte wieder in die Gewinnzone zurückzuführen, ist nunmehr die Aufgabe von Sanjay Jha. Der 45-jährige Top-Manager erbittet sich zunächst 90 Tage Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen und um neue Zukunftspläne auszuarbeiten. Durch seine Erfahrung bei Qualcomm gehen Marktbeobachter und Analysten davon aus, dass Motorola verstärkt auf 3G-Handys setzen wird, um Marktanteile zurückzugewinnen.

Doch zunächst steht die Umsetzung der bisherigen Strategie im Vordergrund, so der neu berufene Manager. Im laufenden Jahr will Motorola 50 neue Handy-Modelle auf den Markt bringen, nach 40 Neuerscheinungen im Jahr zuvor. Daneben will Motorola seine Präsenz im Smartphone-Markt stärken, der im letzten Jahr besonders stark gewachsen ist.

Große Änderungen nicht vor dem zweiten Halbljahr 2009
Entscheidend wird sein, ob Motorola technologisch und designmäßig im mittleren Preissegment mit neuen Produkten wieder punkten kann, nachdem sich der ehemalige Verkaufsschlager Razr weiterhin besser verkauft als der vermeintliche Nachfolger Razr 2.

Dabei hat Sanjay Jha eine schwierige Aufgabe vor sich, denn der Manager muss nicht nur einen neuen Verkaufsschlager entwickeln, sondern gleichzeitig auch die Abhängigkeit vom US-Markt verringern, der zuletzt noch 48 Prozent der Handy-Erlöse beisteuerte. Jha ließ dabei durchblicken, dass er an der Verbesserung des Vertriebsnetzes arbeiten und zugleich auf Chipsätze verschiedener Anbieter setzen will. Größere Änderungen an der Produkt-Roadmap werde es aber nicht vor dem zweiten Halbjahr 2009 geben, deutet der ehemalige Qualcomm-Manager an…

Kurzportrait

Das traditionsreiche Unternehmen wurde ursprünglich im Jahre 1928 von Paul Galvin gegründet. Zwei Jahre später erschien erstmals der Name Motorola im Zusammenhang mit Autoradios. Im Jahre 1947 folgte dann die Umbenennung von Galvin Manufacturing in Motorola. In den 50er Jahren präsentierte sich das Unternehmen bereits als Spezialist für Kommunikationstechniken.

1980 folge dann der Einstieg in den Bereich Mobilfunktechnik. Diese Entscheidung prägt das Unternehmen noch heute. So stellte Motorola im Jahre 1996 mit dem StarTAC eines der kleinsten Mobiltelefone seiner Zeit vor. Heute erwirtschaftet Amerikas führender Mobilfunker den Großteil seiner Umsätze durch Mobilfunktelefone und zugehörige Software. Die Halbleitereinheit wurde im Jahr 2004 mit dem Unternehmen Freescale Semiconductor ausgegliedert. Durch die Fusion mit General Instruments präsentiert sich Motorola daneben auch als führender Anbieter von Kabelmodems und set-top Terminals. Heute operiert Motorola aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Mobile Devices, Networks and Enterprise, sowie Connected Home Solutions. Die Mobilfunkeinheit Mobile Devices soll aber in 2009 ausgegliedert werden.

Um eine effektive technologische Entwicklung sicher zu stellen, betreibt Motorola verschiedene Tochterfirmen und investiert über seinen Kapitalarm Motorola Ventures in vielversprechende Startup-Firmen. Die Motorola-Tochter Metroworks vermarktet unter anderem das Softwarewerkzeug CodeWarrior, welches Entwickler in die Lage versetzen soll, Anwendungen für drahtlose Kommunikationsgeräte zu konzipieren.

Gleichzeitig übernahm Motorola Next Level Communications vollständig. Über die Tochter Printrak International ist Motorola außerdem im Markt für digitale Erkennungs- und Autorisierungssysteme engagiert. Zudem verstärkte sich Motorola durch die Übernahme des Netzwerkspezialisten Winphoria Networks. Nach der Übernahme des FTTP-Spezialisten Quantum Bridge Communications, kaufte Motorola Mitte 2004 die Solectron-Tochter Force Computers. Anfang 2006 übernahm Motorola den schwedischen set top Box-Entwickler Kreatel Communications. Mitte 2006 gründete Motorola gemeinsam mit dem indischen IT-Spezialisten Wipro das Joint Venture WMNetServ. Nach der Übernahme von Broadbus Technologies, verstärkte sich Motorola durch den Handheld-Anbieter Symbol Technologies. In 2007 übernahm Motorola unter anderem die Spezialisten Tut Systems Modulus Video, Terayon Communication und Leapstone Systems. Im Herbst 2007 trennte sich Motorola von seinem Embedded Computing-Geschäft und veräußerte dieses an Emerson Electric. Gleichzeitig übernahm Motorola 80 Prozent am japanischen Radio-Kommunikationstechnikanbieter Vertex Standard, während man auch mit 12,5 Prozent an den WiMAX-Spezialisten Clearwire beteiligt ist.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal meldet Motorola einen Umsatzrückgang um 7,4 Prozent auf 8,1 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 8,7 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei konnte Motorola einen Gewinn von 4,0 Mio. Dollar oder weniger als einen Cent je Aktie verbuchen, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 28 Mio. Dollar oder zwei US-Cent je Aktie zu Buche stand. Im jüngsten Quartal fielen zudem noch Sonderaufwendungen in Höhe von zwei US-Cent je Aktie an.

Analysten hatten im Vorfeld bei Motorola nur mit Einnahmen von 7,69 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettoverlust von drei US-Cent je Aktie kalkuliert. Die Handy-Sparte von Motorola konnte im jüngsten Quartal 28,1 Mio. Handys ausliefern, nachdem im Vorquartal nur 27 Mio. Geräte verkauft wurden. Motorola hat damit eigenen Angaben zufolge den Verlust von Marktanteilen stoppen können und sieht sich damit weiterhin als die weltweite Nummer drei im Markt.

Meldung gespeichert unter: Motorola Solutions

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