Microsoft - wird Windows 8 ein Flop?

Betriebssysteme und Software

Dienstag, 30. Oktober 2012 13:32
Microsoft Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der Medienrummel um die Markteinführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 und dessen Mobile-Version Windows Phone 8 ist groß. Der US-Softwarekonzern Microsoft will die Markteinführung mit einer riesigen Marketing- und Werbekampagne unterstützen.

Zu wenig überzeugende Features für Business-Kunden?
Doch ob Windows 8 tatsächlich an die erfolgreichen Vorgänger Windows XP und Windows 7 anknüpfen kann, ist fraglich. Marktforscher wie Gartner-Experte Michael Silver glauben, dass Windows 8 nie den Verbreitungsgrad von Windows XP oder Windows 7 erreichen wird. Der Grund: Windows 8 bringt nicht genügend überzeugende Features mit, um Business-Kunden im großen Stil zum Wechsel auf Windows 8 zu bewegen, so der Marktforscher im Interview mit Reuters.

Die Kachel-Oberfläche könnte zwar den einen oder anderen Konsumenten überzeugen, in Großunternehmen dürfte Windows 8 so schnell kaum ein Thema sein, glauben Marktbeobachter. 80 Prozent der Business-Kunden werden wohl nie auf Windows 8 wechseln, schätzen Marktforscher. Schon werden Vergleiche zu Windows Vista laut, ein Betriebssystem, welches heute als Flop gilt. Schätzungen zufolge laufen noch 41 Prozent der weltweit 1,5 Milliarden PCs auf Windows XP. Das dominierte Betriebssystem ist derzeit Windows 7, welches zuletzt auf rund 45 Prozent aller PC-Systeme weltweit im Einsatz war (Quelle: StatCounter).

Bedeutung des Betriebssystemgeschäfts nimmt ab
Sollte die Desktop-Version von Windows 8 nicht so gut bei Firmenkunden ankommen, wäre dies für Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) aber auch kein Weltuntergang. Im letzten Jahr erzielte Microsoft gerade einmal 25 Prozent der Einnahmen durch Lizenzgebühren seines Betriebssystems, nachdem es vor fünf Jahren noch 30 Prozent waren.

Viel wichtiger ist es jedoch, ob es Microsoft endlich gelingt, sein Betriebssystem im Mobile-Markt zu etablieren. Während der PC-Markt schwächelt, erfreuen sich mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets immer größerer Beliebtheit.

Eine von Cisco Systems in Auftrag gegebene Studie schätzt, dass schon im Jahr 2016 die Zahl der mobilen Endgeräte mit Internetanschluss auf zehn Milliarden klettern und damit die Zahl der lebenden Menschen auf dem Planeten übersteigen wird. Der mobile Datenverkehr dürfte jährlich um 80 Prozent steigen, so die Studie.

Mit dem Surface gegen iPad & Co
Die ersten Gehversuche von Microsoft im Mobile-Markt sind vielversprechend. Nachdem Microsoft seinen Windows 8-basierten Surface Tablet auf den Markt gebracht hat, ist das Gerät im US-Online-Handel bereits vergriffen.

Microsoft hatte zudem 32 sogenannte "pop-up" Läden in den USA und Kanada geöffnet, um den Verkauf zu unterstützen. Ob Microsoft im Tablet PC Markt wirklich nennenswert punkten kann, wird sich allerdings erst nachdem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zeigen.

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. In 2009 brachte Microsoft Windows 7 auf den Markt, im Herbst 2012 stellte Microsoft Windows 8 und das Mobile-Betriebssystem Windows Phone 8 vor. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die Windows-Plattform. Ergänzt werden die Geschäftsbereiche von der Entertainment-Sparte, in der das Geschäft rund um die Xbox zusammengefasst ist. Insgesamt operiert Microsoft heute aus fünf Kerngeschäftsbereichen heraus: Windows & Windows Live Division (Windows Division), Server und Tools, Online Services Division (OSD), Microsoft Business Division (MBD) und Entertainment und Devices Division (EDD).

Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. Gleichzeitig stieg Microsoft mit der Marke Zune und dem gleichnamigen Musikdienst in den Markt für MP3-Player ein. Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia sowie den Windows-Spezialisten Winternals Software. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft.

Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Später wurde der Datenspeicherspezialist DATAllegro übernommen. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com. Mitte 2009 einigte sich Microsoft mit Yahoo auf ein 10-Jahresabkommen, wonach Microsofts Bing.com künftig als bevorzugte Suchmaschine auf Yahoo-Seiten fungieren wird. Ende 2009 schluckte Microsoft den Spezialisten Opalis Software. Im Herbst 2010 schloss Microsoft die Übernahme von Skype für 8,5 Mrd. Dollar erfolgreich ab. In 2011 wurde der Spezialist VideoSurf übernommen. Mitte 2012 verkaufte Microsoft seinen 50%ige Beteiligung an MSNBC.com an Comcast.

Mit seiner Spielekonsole Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Firmenmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2013 meldet Microsoft einen Umsatzrückgang um acht Prozent auf 16,01 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 17,37 Mrd. Dollar in der Vorjahresperiode. Der Gewinn (GAAP) fiel dabei auf 5,31 Mrd. US-Dollar oder 53 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 5,74 Mrd. Dollar oder 68 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Microsoft einen Nettogewinn von 6,6 Mrd. Dollar oder 65 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld zwar mit Einnahmen von 16,42 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 56 US-Cent je Aktie gerechnet.

Microsoft führt den Umsatzrückgang teilweise auf die rückläufige Nachfrage im PC-Markt zurück. Nachdem viele PCs mit Windows bestückt sind, bekam Microsoft die Auswirkungen der rückläufigen Nachfrage zu spüren, was sich negativ auf die Gewinnentwicklung auswirkte. Das Server and Tools Geschäft zog allerdings um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,55 Mrd. US-Dollar an. Das Geschäft wurde angetrieben durch zweistellige Zuwächse bei SQL Servern und mehr als einem 20%igen Wachstum im System Center Geschäft.

Meldung gespeichert unter: Microsoft

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