Microsoft hofft auf die Wende mit Windows 7

Mittwoch, 6. Mai 2009 12:43
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(IT-Times) - Der weltweit größte Softwarekonzern Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) tritt weiter auf die Kostenbremse. Wie nunmehr bekannt wurde, will das Unternehmen seinen rigiden Sparkurs durchziehen und bis Mitte Juni 2010 insgesamt 5.000 Stellen streichen. Davon erhofft sich Microsoft Einsparungen von 1,5 Mrd. Dollar jährlich.

Die Einsparungen sind notwendig, nachdem der US-Konjunktureinbruch zuletzt auch Microsoft mit voller Wucht traf. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch die enttäuschenden Zahlen sind nicht nur auf die schwache Wirtschaftslage zurückzuführen. Teilweise sind die Probleme auch hausgemacht.

Neben den Problemen in der Online- und Entertainment-Sparte, gilt inzwischen auch der Windows XP-Nachfolger Vista als Flop. Das aktuelle Betriebssystem von Microsoft konnte bislang nicht an die Erfolge von Windows XP anknüpfen. So überrascht es nicht, dass es Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem Windows 7 besonders eilig hat. Glaubt man aktuellen Medienberichten, könnte Windows 7 bereits Ende Oktober sein Marktdebüt feiern und würde damit noch pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft in den Regalen stehen.

Mit Windows 7 will Microsoft wieder an die erfolgreichen Tage von Windows XP anknüpfen. Das neue Betriebssystem basiert zwar auf dem gleichen Kernel (Betriebssystemkern) wie Vista, soll aber schneller und zudem weniger hohe Anforderungen an die Hardware stellen. Gleichzeitig begnügt sich Windows 7 mit einem geringeren Speicherplatz und kommt mit rund der Hälfte (zehn Gigabyte) des Speicherplatzes aus, den Vista benötigt.

XP Mode soll Türe zu Firmenkunden öffnen
Darüber hinaus hat Microsoft der Beliebtheit von Windows XP Rechnung getragen, so dass Windows 7 mit einem „XP Mode“ daherkommt. Damit können Windows XP Anwendungen auf einer virtuellen Maschine betrieben werden. Dies ist besonders wichtig, nachdem es bei Vista zuvor Probleme mit der Kompatibilität von älteren Anwendungen gab. Viele firmeneigene Anwendungen waren einfach auf Vista nicht lauffähig, so dass nicht wenige Unternehmen auf den Umstieg auf Vista verzichteten. Diesen Fehler will Microsoft dieses Mal vermeiden.

Neben einer runderneuerten Taskleiste und Desktop-Gadgets setzt Microsoft bei seinem neuen Betriebssystem auch auf die Netbook-Tauglichkeit. Während Vista aufgrund hoher Hardwareanforderungen kaum auf Netbooks zum Einsatz kommt, soll sich das mit Windows 7 ändern. Erste Tests namhafter Fachzeitschriften belegen das Versprechen von Microsoft, dass Windows 7 mit weniger Ressourcen auskommt und damit auch auf Mini-Notebooks problemlos eingesetzt werden kann.

Windows 7 soll vom Netbook-Boom profitieren
Die Netbook-Tauglichkeit ist besonders wichtig, legte der Netbook-Markt trotz Konjunkturkrise zuletzt stark zu. Nachdem der Netbook-Markt im Vorjahr bereits auf 14 Mio. Einheiten explodiert ist, dürfte sich der Markt im laufenden Jahr nochmals auf 25 bis 30 Mio. Einheiten verdoppeln, glaubt man beim Netbook-Marktführer Acer. Im Jahr 2010 könnten dann bereits 40 bis 45 Mio. Netbooks verkauft werden, schätzt Acer Taiwan Präsident Scott Lin.

Mit Windows 7 hat Microsoft zumindest in diesem Punkt dazu gelernt und wahrt damit seine Chancen, beim nächsten Aufschwung mit dabei zu sein, nachdem sich der Microsoft-Aktienkurs im letzten Jahrzehnt meist nur seitwärts bewegte…

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. Mit Vista schickte Microsoft in 2007 seine neueste Betriebssystemgeneration ins Rennen. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die bekannte Windows-Plattform. Aber auch andere Geschäftsbereiche, wie das wachstumsstarke Server-Geschäft tragen inzwischen zum Unternehmensgewinn bei. Auch die Entertainment und Devices-Einheit, in der unter anderem das Xbox-Geschäft zusammengefasst ist, erreichte zuletzt die Gewinnzone.

Daneben betreibt das Unternehmen noch den Internetzugangs- und Nachrichtendienst MSN, der inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. Mit der Übernahme von Great Plains Software will Microsoft daneben kleinere und mittlere Unternehmen ansprechen. Gleichzeitig stieg Microsoft mit der Marke Zune und dem gleichnamigen Musikdienst in den Markt für MP3-Player ein.

Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Zum Ende des Jahres 2005 verstärkte sich Microsoft mit der Übernahme des Management-Spezialisten UMC. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia sowie den Windows-Spezialisten Winternals Software. Ebenfalls übernommen wurde der Ingame-Werbespezialist Massive. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft. Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Später wurde der Datenspeicherspezialist DATAllegro übernommen. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com.

Gemeinsam mit dem TV-Sender NBC betreibt Microsoft den Nachrichtenkanal MSNBC.

Seit mehreren Jahren engagiert sich Microsoft auch im Konsolengeschäft (Xbox). Mit seiner neuen Konsolen-Generation Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Unternehmensmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

Zahlen

Der Umsatz von Microsoft schrumpfte im vergangenen Märzquartal um sechs Prozent auf 13,6 Mrd. US-Dollar. Dabei sank der Gewinn um 32 Prozent auf 2,98 Mrd. US-Dollar oder 33 US-Cent je Aktie, nachdem der weltgrößte Softwarekonzern im Jahr vorher noch einen Gewinn von 4,39 Mrd. Dollar oder 47 US-Cent je Aktie einfahren konnte.

Im jüngsten Quartal fielen Sonderbelastungen im Zusammenhang mit dem Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen in Höhe von 290 Mio. Dollar an. Zudem schrieb Microsoft 420 Mio. Dollar auf Investments ab. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen summiert sich der Nettogewinn im jüngsten Quartal auf 39 US-Cent je Aktie, womit Microsoft zumindest die Gewinnerwartungen erfüllen konnte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 14,09 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 39 US-Cent je Aktie kalkuliert.

In der Windows-Division musste Microsoft zuletzt einen Umsatzrückgang um 16 Prozent auf 3,4 Mrd. Dollar hinnehmen, während der Gewinn der Einheit um 19 Prozent auf 2,5 Mrd. Dollar schrumpfte. Auch die Office-Division, in der das Geschäft mit Bürosoftware zusammengefasst ist, musste Federn lassen. Hier sank der Umsatz um fünf Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar, während der Gewinn um acht Prozent auf 2,9 Mrd. Dollar schrumpfte.

Meldung gespeichert unter: Microsoft

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