LSI Logic setzt weiter auf Zukäufe

Donnerstag, 29. März 2007 00:00

(IT-Times) Zwar konnte der US-Chiphersteller LSI Logic (NYSE: LSI<LSI.NYS>, WKN: 867761<LOG.FSE>) im jüngsten Quartal die Gewinnerwartungen leicht übertreffen, gleichzeitig enttäuschte das Unternehmen mit seinem Ausblick auf das laufende erste Quartal 2007.

Agere-Übernahme auf der Kippe?

Im Mittelpunkt der letzten Monate stand jedoch die Mammut-Übernahme des Wettbewerbers Agere Systems. Anfang Dezember 2006 hatte LSI angekündigt, den Rivalen für insgesamt vier Mrd. Dollar im Rahmen eines Aktientausches übernehmen zu wollen. Die kombinierte Gesellschaft soll weiter unter dem Namen von LSI Logic seine Geschäfte weiter führen, hieß es.

LSI-Chef Abhijit Talwalkar verspricht sich durch den Deal hohe Kosteneinsparungen, die sich allein im nächsten Jahr auf mindestens 125 Mio. Dollar summieren sollen. Gleichzeitig soll Agere in 2008 einen bedeutenden Beitrag zum Gewinn je Aktie liefern. Nachdem LSI Logic im laufenden Jahr die Umsatzmarke von zwei Mrd. Dollar anpeilt, dürfte der Agere-Zukauf nochmals für einen zusätzlichen Umsatzschub sorgen. Analysten gingen bislang davon aus, dass Agere im laufenden Fiskaljahr 2007 rund 1,5 Mrd. Dollar umsetzen wird.

Doch die Freude über den Zusammenschluss hielt sich an den Märkten bislang in Grenzen. Schon wurde über ein Scheitern des geplanten Zusammenschlusses spekuliert, nachdem der Unternehmenswert beider Firmen deutlich nachgab. Die Spekulationen erhielten erst zu Beginn der Woche neue Nahrung, nachdem Agere eine Umsatzwarnung für das laufende Quartal ausgeben musste. Deutsche Bank Analyst Ross Seymore geht trotz der Risiken dennoch davon aus, dass der Deal innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen wird. Bei Caris & Co rechnet man damit, dass LSI möglicherweise den Deal nochmals nachverhandeln könnte. Die Caris-Analysten rechnen aber ebenfalls mit einem Zustandekommen der Fusion.

LSI weiter stark bei DVD-Recorder-Chips

Ohnehin scheint LSI weiter auf Übernahmen zu setzen, um seine Wettbewerbsposition zu festigen. Nach der Übernahme von Metta Technology schluckte LSI jüngst erst den Speicherspezialisten SiliconStor. Mit dem Metta-Zukauf will LSI vor allem seine Domino und ZEVIO Plattformen stärken. Mit seinen Produkten rund um Domino R gilt LSI ohnehin als weltweit führend in Sachen Prozessoren für DVD-Recorder. Nach LSI-Angaben finden sich in einem von weltweit drei ausgelieferten DVD-Recordern LSI-Chips. Die Kundenliste liest sich dann auch wie das Who is Who der Branche. Daweoo, JVC, LG, Lighton und Philips sind nur eine der wenigen LSI-Kunden. Der Bereich gilt zudem als einer der Wachstumsmotoren für das Unternehmen, wobei LSI im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von 20 Prozent auf weltweit 20 bis 22 Mio. Einheiten rechnet.

Kurzportrait

Die im Jahre 1981 gegründete und in Milpitas/Kalifornien ansässige LSI Logic gilt als einer der führenden Anbieter von Mikroprozessoren, welche nicht nur in Kommunikationsgeräten, sondern auch in zahlreichen anderen Unterhaltungselektronikprodukten wie DVD- und Musik-Playern und Spielkonsolen zum Einsatz kommen. Daneben entwickelt die Gesellschaft aber auch Netzwerk- und Speicherlösungen für Firmenkunden. Insgesamt sieht sich das Unternehmen als Pionier in der Entwicklung von ASICs (Application Specific Integrated Circuit) und ASSP-Chips (Application Specific Standard Product). Mit mehr als 3.000 Ingeneuren bietet LSI eine Komplettlösung, bestehend aus seiner CoreWare und ASIC-Produktreihe an, um die Entwicklungskosten von Mikrochips deutlich zu reduzieren und um Entwicklungszeiten drastisch zu senken. Insgesamt entwickelte das Unternehmen seit seinem Bestehen 800 verschiedene CoreWare- und 20.000 ASIC-Chipserien. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf sein neues Halbleiterentwicklungssystem RapidChip.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten schloss die Gesellschaft mehr als zehn Firmenübernahmen ab. 1998 kaufte LSI den Speicherspezialisten Symbios für 800 Mio. Dollar. Im Jahr 2005 übernahm LSI die IBM-Einheit Mylex, um sein Speichergeschäft weiter zu ergänzen. Anfang 2006 verkaufte LSI seine Chipfabrik in Oregon für 105 Mio. Dollar an den Chiphersteller ON Semiconductor. Im Herbst 2006 verstärkte sich LSI durch den israelischen Speichersoftwarespezialisten StoreAge Networking Technologies und schluckte wenig später den Spezialisten Metta Technology. Ende 2006 kündigte LSI die Übernahme des Wettbewerbers Agere Systems für insgesamt 4,0 Mrd. Dollar in Aktien an. Anfang 2007 übernahm LSI den US-Speicherspezialisten SiliconStor.

LSI Logic sieht sich inzwischen als einer der wenigen Halbleiterhersteller weltweit, welcher mit seinen Distributoren grenzüberschreitend über neue Standards in Sachen ASIC-Schnittstellen zusammenarbeitet. Ein Netzwerk bestehend aus 40 Entwicklungszentren und Fertigungsfabriken soll den technischen Vorsprung gegenüber Konkurrenten sichern. Neben dem Elektronikhersteller Sony setzt auch der weltweit führende Druckerhersteller Hewlett-Packard sowie Apple (iPod) und Philips auf LSI-Chipsätze.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2006 meldete LSI Logic einen Umsatzanstieg auf 523,7 Mio. US-Dollar, ein Zuwachs von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte dabei um 56 Prozent auf 59 Mio. Dollar oder 14 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 37,8 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein operativer Gewinn von 75,1 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie, womit LSI die Gewinnerwartungen um einen Cent übertreffen konnte.

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