Kontron stemmt sich gegen den Abschwung - Unsicherheit überwiegt

Dienstag, 20. Januar 2009 13:29
Kontron Unternehmenslogo

(IT-Times) - Angeachtet der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise konnte der Marktführer bei Embedded Computersystemen, die Kontron AG (WKN: 605395), im Jahr 2008 nochmals zweistellig zulegen und seinen Umsatz um rund elf Prozent auf 495 Mio. Euro steigern.

Trotz des Auftragsbestands in Höhe von 290 Mio. Euro dürfte es mit zweistelligen Wachstumsraten aber in 2009 vorbei sein. Marktbeobachter und Analysten erwarten dagegen, dass die Umsätze im laufenden Jahr bestenfalls stagnieren werden. Dies überrascht trotz Wirtschaftskrise, zumal sich Kontron im Herbst durch die Übernahme des Rackmount-Server-Geschäfts von Intel verstärkt und hieraus mit einem zusätzlichen Umsatzbeitrag von mehr als 40 Mio. Euro in 2009 gerechnet hatte.

Mit der Übernahme der Intel-Sparte kann Kontron künftig das gesamte Technologiespektrum für internationale Anbieter von Telekommunikationsausrüstung abdecken. Kontron erhofft sich dabei Synergien im Produktionsbereich, da die Rackmount-Server bisher in Penang (Malaysia) hergestellt wurden, wo auch die Produktionsaktivitäten der Kontron AG ansässig sind.

Umsatzausfälle durch Nortel-Insolvenz?
Doch gerade bei Netz- und Telekomausrüstern geht derzeit die Angst um, nachdem der Kontron-Kunde Nortel Networks Gläubigerschutz nach Kapitel 11 beantragt hat. Auch der Kontron-Kunde Ericsson kämpft derzeit mit der Flaute am Telekomausrüstermarkt und sieht sich durch die chinesische Konkurrenz in Form von Huawei und ZTE unter Druck.

Insgesamt dürfte durch die jetzige Konjunkturkrise der Druck auf die Hersteller weiter steigen, die Fertigung von Elektronikbauteilen und Komponenten weiter an Hersteller wie Kontron auszulagern. Ob der deutsche Embedded Computerspezialist davon aber profitieren kann, bleibt abzuwarten. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden die Hersteller eher versuchen, ihre Material- und Komponentenkosten weiter zu drücken und zu Billig-Anbietern wechseln.

Doch gerade im Billig-Sektor hat sich in den letzten Jahren vor allem mit Avantech ein weiterer Konkurrent hervorgetan, der von der taiwanschen Asustek Computer unterstützt wird. Avantech gilt nicht zuletzt durch seine strategische Allianz mit Asustek insbesondere in Asien als sehr gut aufgestellt.

Noch überwiegt die Unsicherheit, was das Jahr 2009 für die Hersteller bringen wird. Auch Kontron wagt bis dato noch keinen Ausblick auf das laufende Jahr…

Kurzportrait

Die im Jahre 1962 gegründet und in Eching bei München ansässige Kontron AG sieht sich als einer der weltweit führenden Hersteller von Embedded Computer Technologien (ECT). Die eingebetteten bzw. integrierten Rechnertechniken des Unternehmens kommen in verschiedensten Industrien zum Einsatz. So beliefert Kontron heute die Daten-, Telekommunikations-, Automatisierungs- und Medizin-, Militär- und Regeltechnikindustrie mit verschiedenen Computerlösungen und Bauteilen.

Neben Computer-On-Modules, werden unter anderem auch Single Board Computer, Flatpanel-Lösungen, Embedded Motherboards, HMI- und Mobile-Lösungen angeboten. Zur Gruppe gehören die Einheiten Kontron Embedded Modules GmbH, Kontron Modular und Computers GmbH. Das Unternehmen unterhält mehre Standorte in Deutschland, darunter in Kaufbeuren und Deggendorf. Zudem ist Kontron mit Tochterfirmen in Minneapolis/USA, San Diego/USA, Taipei/Taiwan sowie in Moskau/Russland und in Beijing/China präsent. Insgesamt unterhält Kontron Vertriebsgesellschaften in mehr als 20 Ländern weltweit.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Kontron immer wieder durch ausgesuchte Zukäufe. So wurde bereits in 1999 der Spezialist für Single Board Computer und Systemen Teknor Industrial Computers übernommen. Ein Jahr später kaufte Kontron den in Kaufbeuren ansässigen Single Board Computerspezialisten PEP Modular Computers GmbH. Im gleichen Jahr schluckte man die in Taiwan ansässige Taiwan Mycomp Company (TMC) - ebenfalls ein Spezialist im Bereich Single Board Computer. Im Jahr 2001 wurde dann der US-Spezialist ICS Advent akquiriert, ein Spezialist für komplexe Computerlösungen. Im Jahr 2002 folgte dann die Verschmelzung mit der Deggendorfer JUMPtec, ebenfalls ein Spezialist im Bereich Embedded Computer. Im Jahr 2005 verstärkte sich Kontron in den USA und übernahm den Spezialisten Dolch. Im Herbst 2007 trennte sich die US-Tochter Kontron Americas von dem Geschäft mit mobilen Computern (Mobile Rugged Business) und veräußerte dieses an die Crane Co. Anfang 2008 übernahm Kontron den Spezialisten Thales Computers S.A. Zugleich schloss Kontron ein Joint Venture mit dem taiwanschen Anbieter Quanta Computers, wobei sich Quanta an der Kontron-Tochter Kontron Asia beteiligt. Zusammen mit Quanta betreibt Kontron das Joint Venture Quanmax. Im Herbst 2008 verstärkte sich Kontron durch die Übernahme des Communication Rackmount Server Geschäfts von Intel. Weiterer Kooperationspartner ist unter anderem der südkoreanische Spezialist MDS Technology.

Auch die ehemalige INSIDE Technology A/S gehört zum Kontron-Konzern und forciert nunmehr unter dem Namen von Kontron Technology A/S das Skandinavien-Geschäft. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die russische RTSoft (Distributor) sowie die Kontron-Einheit XTRO IT Solutions. In Sachen Vertrieb ist man mit der Kontron Asia, an der man mit 66,7 Prozent beteiligt ist, im asiatisch-pazifischen Raum präsent, während man in Tschechien mit der Kontron Czech s.r.o eine weitere Tochter besitzt. Insgesamt beschäftigte Kontron zuletzt mehr als 2.400 Mitarbeiter, davon mehr als 800 Ingenieure.

Zahlen

Für das vergangene Jahr 2008 meldet Kontron einen Umsatzanstieg um rund elf Prozent auf ca. 495 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte Kontron Erlöse im Wert von 446,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Währungsbereinigt falle das Wachstum höher aus.

Insbesondere im vierten Quartal konnte mit einem Umsatz von ca. 139 Mio. Euro ein neuer Rekordwert erzielt werden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein nominales Wachstum von rund 13 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Embedded Computer Technologie (ECT)

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