Kontron - Branche vor neuer Konsolidierungswelle

Embedded Computer Technologie (ECT)

Montag, 10. Dezember 2007 13:09
Kontron Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Münchner Kontron AG (WKN: 605395), Marktführer in Sachen Embedded Computer Technologien (ECT), konnte sich im Sommer 2002 durch die Fusion mit der JUMPtec Industrielle Computertechnik AG an die Spitze des Marktes katapultieren.

Konsolidierung im ECT-Markt setzt sich fort
Nunmehr scheint erneut Bewegung in den dicht fragmentierten ECT-Markt zu kommen. Der US-Wettbewerber Radisys landete im Herbst einen Überraschungscoup, indem das Unternehmen von Intel die Modular Communications Platform Division für rund 31,8 Mio. US-Dollar übernahm. Damit kommt Radisys in den Besitz von Intel's Compact PCI (cPCI), Advanced Mezzanine Card (AMC) und dem Geschäft mit Advanced Telecommunication Computing Architecture (ATCA) Boards für den Embedded Kommunikationsmarkt. Der Deal dürfte den Radisys-Umsatz um mindestens 50 Mio. Dollar jährlich erhöhen, heißt es.

Der Angriff im ATCA-Markt stellt insbesondere für Kontron eine Herausforderung dar, gilt das Segment bislang als eigentlicher Wachstumstreiber der Bayern. Im Militärmarkt und in der Luftfahrtbranche sieht sich Kontron ebenfalls einem harten Wettbewerb gegenüber. Hier galt der US-Rivale Mercury Computer Systems bislang noch als der führende Anbieter. Analysten wie Steve Berry, der für Electronic Trend Publications arbeitet, schrieb Mercury in 2006 noch einen Marktanteil von 22 Prozent zu.

Asien-Geschäft vor Neuordnung
Der zunehmende Wettbewerb in der Branche dürfte nicht nur zu einer weiteren Konsolidierung führen, sondern auch die Gewinnmargen weiter unter Druck setzen. Kontron kämpft derzeit um höhere Margen, insbesondere im Asien-Geschäft. Dieses Geschäft soll neu geordnet werden, um die EBIT-Marge um zusätzlich ein bis zwei Prozentpunkte zu erhöhen. Dabei wird unter anderem eine Kooperation mit einem großen asiatischen Elektronikhersteller in Erwägung gezogen, heißt es bei Kontron. Die Vertriebsstrukturen sollen nunmehr direkt der Kontron AG unterstellt werden.

Ob Kontron seine Produktionskosten in Asien noch weiter senken kann, bleibt abzuwarten. Ende 2008 dürfte der Großteil der Produktion nach Malaysia verlagert sein, wo man heute schon sehr niedrige Produktionskosten hat. Jedoch will man beim Einkauf noch Synergien lösen und sich in diesem Zusammenhang mit einem großen asiatischen Partner zusammentun, der sich auch an Kontron Asia beteiligen soll. Derzeit würden bereits entsprechende Gespräche geführt, wobei Kontron selbst keine Namen nennen wollte. Mögliche Partner können dabei Auftragshersteller wie Foxconn und Flextronics sein, für die eine vollständige Übernahme von Kontron ebenfalls interessant wäre…

Kurzportrait

Die im Jahre 1962 gegründet und in Eching bei München ansässige Kontron AG sieht sich als einer der weltweit führenden Hersteller von Embedded Computer Technologien (ECT). Die eingebetteten bzw. integrierten Rechnertechniken des Unternehmens kommen in verschiedensten Industrien zum Einsatz. So beliefert Kontron heute die Daten-, Telekommunikations-, Automatisierungs- und Medizin-, Militär- und Regeltechnikindustrie mit verschiedenen Computerlösungen und Bauteilen.

Neben Computer-On-Modules, werden unter anderem auch Single Board Computer, Flatpanel-Lösungen, Embedded Motherboards, HMI- und Mobile-Lösungen angeboten. Zur Gruppe gehören die Einheiten Kontron Embedded Modules GmbH, Kontron Modular und Computers GmbH. Das Unternehmen unterhält mehre Standorte in Deutschland, darunter in Kaufbeuren und Deggendorf. Zudem ist Kontron mit Tochterfirmen in Minneapolis/USA, San Diego/USA, Taipei/Taiwan sowie in Moskau/Russland und in Beijing/China präsent. Insgesamt unterhält Kontron Vertriebsgesellschaften in mehr als 20 Ländern weltweit.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Kontron immer wieder durch ausgesuchte Zukäufe. So wurde bereits in 1999 der Spezialist für Single Board Computer und Systemen Teknor Industrial Computers übernommen. Ein Jahr später kaufte Kontron den in Kaufbeuren ansässigen Single Board Computerspezialisten PEP Modular Computers GmbH. Im gleichen Jahr schluckte man die in Taiwan ansässige Taiwan Mycomp Company (TMC) - ebenfalls ein Spezialist im Bereich Single Board Computer. Im Jahr 2001 wurde dann der US-Spezialist ICS Advent akquiriert, ein Spezialist für komplexe Computerlösungen. Im Jahr 2002 folgte dann die Verschmelzung mit der Deggendorfer JUMPtec, ebenfalls ein Spezialist im Bereich Embedded Computer. Im Jahr 2005 verstärkte sich Kontron in den USA und übernahm den Spezialisten Dolch. Im Herbst 2007 trennte sich die US-Tochter Kontron Americas von dem Geschäft mit mobilen Computern (Mobile Rugged Business) und veräußerte dieses an die Crane Co.

Auch die ehemalige INSIDE Technology A/S gehört zum Kontron-Konzern und forciert nunmehr unter dem Namen von Kontron Technology A/S das Skandinavien-Geschäft. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die russische RTSoft (Distributor) sowie die Kontron-Einheit XTRO IT Solutions. In Sachen Vertrieb ist man mit der Kontron Asia, an der man mit 66,7 Prozent beteiligt ist, im asiatisch-pazifischen Raum präsent, während man in Tschechien mit der Kontron Czech s.r.o eine weitere Tochter besitzt. Insgesamt beschäftigte Kontron zuletzt mehr als 2.400 Mitarbeiter, davon mehr als 800 Ingenieure.

Zahlen

Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 115 Mio. Euro nach 106,5 Mio. Euro in 2006. Es wurde ein EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 16,8 Mio. Euro erzielt, im Vorjahr waren es 8,8 Mio. Euro. Kontron wies einen Periodenüberschuss von 12,8 Mio. Euro aus.

In den ersten neun Monaten 2007 erwirtschaftete Kontron einen Umsatz von 322,6 Mio. Euro, ein Plus um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBIT lag bei 33,9 Mio. Euro nach 20,6 Mio. Euro in 2006. Der Periodenüberschuss lag bei 25,6 Mio. Euro (2006: 14,6 Mio. Euro).

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