Intuit stellt „Connected Services“ in den Mittelpunkt

Dienstag, 13. Oktober 2009 13:23
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(IT-Times) - Der US-Finanzsoftwareanbieter Intuit (Nasdaq: INTU, WKN: 886053) will sich mit zwei Zukäufen neue Wachstumsfelder erschließen. Nach der Übernahme des Online-Abrechnungsanbieters PayCycle für 170 Mio. Dollar, folgte im September die Übernahme von Mint.com für einen ähnlichen Betrag.

Die beiden Zukäufe verändern die Aufstellung von Intuit im Finanzsoftwaremarkt nachhaltig. Intuit will damit insbesondere das Geschäft mit sogenannten „Connected Services“ ausbauen. Das Geschäft steuerte bislang bereits die Hälfte zu den Intuit-Gesamteinnahmen bei. Gleichzeitig ist Intuit durch die beiden Zukäufe nicht mehr länger nur auf Desktop-Software fokussiert. Mit dem Zukauf rückt nunmehr auch der Internet- und Datenzentrenbereich stärker in den Mittelpunkt.

Tipps zum Geldsparen immer gefragter
Ein Trend, der vor allem das Startup-Unternehmen Mint.com beflügelte. Erst vor zwei Jahren an den Start gegangen, konnte Mint.com bereits mehr als eine Mio. registrierte Nutzer gewinnen. Über die gleichnamige Web-Seite können Anwender Finanzplanungsservices wie Budget-Planer, Kreditkarten-Vergleiche als auch Tipps zum Geldsparen und Schuldenabbau kostenlos nutzen.

Der Erfolg von Mint.com hat inzwischen auch den Softwarekonzern Microsoft auf den Plan gerufen. Laut Bloomberg hat Microsoft inzwischen mit der Citigroup ein Joint Venture geformt, um dem Duo Intuit und Mint.com Paroli bieten zu können. Insgesamt sollen die beiden Unternehmen bereits fünf Mio. Dollar in das Projekt investiert haben. Am einfachsten wäre für Microsoft wohl eine Übernahme von Intuit, was jedoch schon im Jahr 1995 an den Bedenken der Wettbewerbshüter gescheitert ist.

Somit dürfte sich der Wettbewerb zwischen Intuit und dem weltgrößten Softwareanbieter wohl weiter intensivieren, wobei Intuit aber die besseren Karten in der Hand hält. Durch die Übernahme von Mint.com hat Intuit die von Mint entwickelten proprietären Module erworben, die auf der Yodlee-Technikplattform basieren. Durch den entwickelten Algorithmus, für den Mint.com ein Patent beantragt hat, kann das Unternehmen Privatkunden Sparpotentiale bei Kreditverträgen und anderen Finanzangeboten aufzeigen.

Genau diese Funktionen, die Mint.com heute schon Privatkunden zur Verfügung stellt, will Intuit künftig auch Geschäftskunden zur Verfügung stellen. Durch die Strategie Sparpotentiale für Firmenkunden aufzuzeigen, kann auch Intuit Geld verdienen, glaubt Intuit-Chef Brad Smith, der zudem noch einen weiteren Wettbewerbsvorteil für sein Unternehmen verbuchen kann, denn die konkurrierende Microsoft-Plattform dürfte noch mindestens ein bis zwei Jahre auf sich warten lassen…

Kurzportrait

Der Finanzsoftwarespezialist Intuit mit Hauptsitz im kalifornischen Mountain View, beschäftigt sich im Kerngeschäft mit der Entwicklung von Finanzsoftware. Mit seinen Flagschiffprodukten Quicken, QuickBooks und TurboTax gelang es dem Unternehmen in den letzten Jahren einen Spitzenplatz als Finanzsoftwareanbieter einzunehmen. Durch die Übernahme von Digital Insight erweiterte Intuit sein Geschäftsfeld zuletzt um den Bereich Homebanking-Lösungen.

Intuit will durch seine Softwarelösungen nicht nur kleinere und mittlere Unternehmen bei ihrer Steuererklärung unterstützen, sondern auch Privatkunden ansprechen. Von bereits vorgefertigten Formularen und Templates, bis hin zu komplexen Lösungen für kleinere bis mittlere Unternehmen, bietet Intuit alles rund um die Steuererklärung an. Großzügige Steuergeschenke an den Staat sollen dann aufgrund integrierter Steuerstrategien der Vergangenheit angehören. Gehaltsplaner und Wirtschaftslexikon ergänzen als weitere Features die Finanzsoftware und sollen dem Anwender ein leistungsstarkes Produkt an die Hand geben. Neben dem Softwarelizenzgeschäft erzielt das Unternehmen aber auch Einkünfte aus dem Bereich Servicegeschäft.

Durch den Verkauf des Finanzierungsgeschäfts Quicken Loans vollzog Intuit eine Konzentration auf sein Kerngeschäft. Mit der Übernahme der Software-Management-Spezialisten MRI, American Fundware, CBS Payroll und Eclipse will sich das Unternehmen einen neuen Geschäftsbereich erschließen. Das Softwaregeschäft Eclipse wurde inzwischen wieder verkauft. Dabei sollen Software-Management-Lösungen für kleinere und mittlere Geschäftskunden im Vordergrund stehen, wobei das Unternehmen seine breite Kundenbasis nutzen will, um zusätzliches Umsatzpotential zu erschließen. In diese Lücke soll offenbar auch das neue Produktangebot QuickBooks stoßen. Die Produktreihe QuickBooks ist speziell auf die Bedürfnisse der kleinen und mittelständischen Kunden zugeschnitten.

Durch die Übernahme des Softwarespezialisten OMware Jahr 2001 konnte Intuit bereits erste positive Erfahrungen in diesem Segment sammeln. Allerdings verkaufte Intuit sein Master Builder-Geschäft im Frühjahr 2006 an die englische Sage Software wieder.

Später kaufte das Unternehmen den Softwarespezialisten Income Dynamics, um sein Flagschiffprodukt TurboTax weiter zu stärken. Zuvor trennte sich Intuit von seiner japanischen Tochter Intuit KK. Mitte 2005 kaufte Intuit die Daten-Technik TekPortal vom US-Spezialisten Teknowledge. Im Herbst 2006 übernahm Intuit schließlich den Online-Servicespezialisten StepUp.com Commerce und dessen Tochter JGSI Corp. Anfang 2007 schloss Intuit die Übernahme des Homebanking-Spezialisten Digital Insight für 1,35 Mrd. Dollar ab. Mitte 2009 kaufte Intuit den Zahlungsspezialisten PayCycle. Anschließend wurde der Online-Finanzservice Mint.com übernommen.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldet Intuit einen Umsatzrückgang auf 475,8 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 478,2 Mio. Dollar im Jahr vorher. Die Produkterlöse schrumpften um zwölf Prozent auf 192,8 Mio. Dollar, während die Serviceerlöse um neun Prozent auf 282,9 Mio. Dollar anzogen. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 70,7 Mio. Dollar oder 22 US-Cent je Aktie, nach einem Minus von 61,9 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettoverlust von zehn US-Cent je Aktie, womit der Softwarehersteller die Markterwartungen übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man zuvor mit Einnahmen von knapp 470 Mio. Dollar sowie mit einem Nettoverlust von zwölf US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Intuit

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