InfoSpace vor Buyout?

Freitag, 6. Juli 2007 00:00

(IT-Times) Der amerikanische Internet- und Mobile Media-Spezialist InfoSpace (Nasdaq: INSP, WKN: 724597) geriet zuletzt ins Straucheln, nachdem sich im Herbst 2006 ein führender Carrier als Kunde des Unternehmens verabschiedete. So verzeichnete InfoSpace zuletzt rückläufige Umsätze und rutschte in die Verlustzone.

Buyout-Spekulationen treiben den Kurs

Trotzdem legten InfoSpace-Papiere seit Ende Mai massiv zu. Hintergrund sind Spekulationen über einen bevorstehenden Buyout des Unternehmens durch eine spanische Gesellschaft. Die spanische Zeitung Negocio hatte zuvor berichtet, der spanische Content-Provider und Mobile-Spezialist LaNetro Zed SA wolle InfoSpace für rund 800 Mio. Euro bzw. eine Mrd. US-Dollar übernehmen. Kurzzeitig sprang der InfoSpace-Kurs um bis zu 40 Prozent nach oben. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt, jedoch steht ein möglicher Buyout immer noch im Raum.

S&P-Analyst Scott Kessler verweist darauf, dass sich LaNetro Zed erst kürzlich neue Gelder von der New Yorker Bank Veronis Suhler Stevenson für seine USA-Expansion besorgt hat. Insgesamt seien 45 Mio. Euro bzw. 60 Mio. Dollar neue Mittel aufgenommen worden, weiß Kessler. Veronis Suhler habe im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung an LaNetro Zed erhalten, heißt es. Jedoch könnte ein entsprechender InfoSpace-Deal zu groß und damit zu problematisch für die spanische Gesellschaft sein, meint Kessler.

Media Studios geht an FunMobility

InfoSpace will nach der Schlappe im vergangenen Herbst aus eigener Kraft die Wende schaffen. Das Unternehmen hat einen Plan beschlossen, der neben dem Abbau von Stellen, auch eine Konsolidierung der Einheiten vorsieht. So sollen insbesondere die Investitionen in das Mobile Media-Geschäft zunächst ausgesetzt werden sollen. Dieser Ankündigung hat das Unternehmen vor wenigen Wochen Taten folgen lassen und die Einheit Media Studios, welche aus der Übernahme von Moviso im Jahr 2003 hervorging, an FunMobility verkauft.

Daneben wurden in den vergangenen Quartalen neue Partnerschaften mit AT&T, Vodafone (SFR) und Google geschlossen. So wird InfoSpace unter anderem den AT&T-Dienst Media Net Service unterstützen und entsprechende Services an den US-Telekomgiganten liefern. Zuletzt ging InfoSpace eine Partnerschaft mit blinkx ein, um sein Suchportal Dogpile.com weiter aufzuwerten. Die jüngsten Entwicklungen stimmen optimistisch, dass InfoSpace den Sprung zurück in die Gewinnzone schafft, wodurch das Unternehmen als Übernahmekandidat noch interessanter werden dürfte.

Kurzportrait

Die im März 1996 von dem indischen Geschäftsmann Naveen Jain gegründete InfoSpace baute Ende der 90er Jahre vor allem auf das Geschäftsmodell des Content-Anbieters. Mit dem Niedergang der New Economy rutschte auch InfoSpace in die Verlustzone. In den vergangenen Jahren positionierte sich das Unternehmen neu. Durch die Übernahme von go2net hat sich InfoSpace in der Vergangenheit nicht nur den Meta-Suchdienst Dogpile, sondern auch den Web Hosting Dienst HyperMart und das weltweit größte Finanz-Diskussionsforum Silicon Investor einverleibt. Im Jahr 2003 kaufte InfoSpace dann den Anbieter von mobilen Content-Diensten Moviso. Hieraus ging später die Einheit Media Studios hervor, welche Mitte 2007 an FunMobility veräußert wurde. Neben InfoSpace.com betreibt das Unternehmen heute Webplattformen wie Dogpile.com, Switchboard, Webcrawler.com, MetaCrawler.com und Zoo.com.

InfoSpace entwickelt nunmehr auch Internet-Software und drahtlose Kommunikationslösungen. Demnach ist InfoSpace aktuell in zwei wesentliche Geschäftsbereiche unterteilt. Der Geschäftsbereich InfoSpace Payment in Form von Authorize.net wurde an Ligthbridge veräußert. Somit will sich InfoSpace in Zukunft vermehrt auf das Geschäft mit Gelben Seiten und mobilen Inhalten (InfoSpace Mobile) konzentrieren. Hierfür schloss das Unternehmen im zweiten Quartal 2004 die Übernahme des Online-Spezialisten Switchboard für 160 Mio. Dollar ab. Anfang Juli kaufte InfoSpace dann den Spieleentwickler und Mobilfunkspezialisten Atlas Mobile. Zum Jahresende übernahm InfoSpace den englischen Mobile-Spieleentwickler IOMO, sowie die deutsche Elkware GmbH.

InfoSpace Mobile bietet insbesondere Content-Services in Form von Spielen und Klingeltönen an. Zu den Kunden und Partnern der Einheit zählen neben McDonalds, auch die Mobilfunkanbieter Cingular Wireless, Verizon und Virgin Mobile und T-Mobile. Inzwischen hat auch InfoSpace den lukrativen Markt für bezahlte Text-Links erkannt und bietet hierfür entsprechende Lösungen an.

Im Kerngeschäft vermarktet InfoSpace weiterhin Inhalte in Form von eigenen Nachrichten und fremden Inhalten (Content Syndication) an mehr als 3.200 Internet-Seiten, darunter namhafte Internet-Portale wie NBC, Microsofts MSN, AOL, Lycos und American Express.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2007 meldete InfoSpace einen Umsatzrückgang auf 86,6 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 90,3 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei rutschte InfoSpace in die Verlustzone. So verlor das Unternehmen im Märzquartal 540.000 Dollar oder zwei US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Profit von 3,0 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Aktie zu Buche stand.

Damit verfehlte InfoSpace auch gleichzeitig die Erwartungen der Analysten. An der Wall Street hatte man zuvor nur mit einem Nettoverlust von einem US-Cent je Aktie kalkuliert.

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