Hewlett-Packard in der Existenzkrise - Analysten hinterfragen Strategie

Montag, 22. August 2011 13:18
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) - Der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) befindet sich in der Existenzkrise. Der HP-Aktienkurs stürzte am Freitag um 20 Prozent ab, nachdem das Unternehmen abermals seinen Ausblick nach unten korrigieren musste. Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Analysten die neue Strategie des Unternehmens.

Nachdem HP die Übernahme des britischen Softwareherstellers Autonomy für rund 10,3 Mrd. Dollar und die Abspaltung der PC-Sparte bekannt gab, scheint es so, als hätte HP im PC-Markt bereits das Handtuch geworfen, auch wenn noch nicht endgültig entschieden ist, was mit der PC-Sparte, die weltweit die Nummer eins ist, geschehen soll.

HP gibt im Smartphone- und Tablet PC Markt auf
Im Smartphone- und Tablet PC Markt hat HP bereits aufgegeben. Die Produktion von webOS-basierten Smartphones und Tablets wird eingestellt und das Palm-Hardwaregeschäft wird geschlossen - damit überlässt HP (NYSE: HPQ, WKN: 851301) das Feld Apple, HTC, Samsung und anderen Android-Herstellern.

Zwar streicht HP damit einen Verlustbringer, allerdings bringt sich das Unternehmen so aber auch um alle Chancen, in wichtigen Zukunftsmärkten wie dem Smartphone- und Tablet PC Markt zu wachsen. Dies ist besonders prekär, sehen viele Analysten die Zukunft der PC-Industrie im Bereich Mobile-Computing.

HP-Chef Leo Apotheker und sein Management will das Unternehmen zu einem Software- und Servicekonzern umbauen, wodurch das Unternehmen langfristig ertragsstärker werden soll, wirft das Softwaregeschäft in der Regel höhere Gewinnmargen ab, als das Hardwaregeschäft.

Analysten: HP zahlt zuviel für Autonomy
Ob sich die über zehn Mrd. Dollar teure Übernahme der britischen Autonomy für HP auszahlen wird, bezweifeln einige Analysten. Viele Investmentbanker sind der Meinung, dass HP im Zuge der Not zu viel für die Übernahme gezahlt hat. Tatsächlich zahlt HP das Zehnfache des Autonomy-Umsatzes, dessen Umsätze gerade ein Prozent der HP-Erlöse entsprechen.

Deutsche Bank Analyst Chris Whitmore rechnet daher mit einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren, bis sich der Zukauf für HP amortisiert hat. Needham & Co Experte Richard Kugele hält den Kaufpreis ebenfalls für überteuert und glaubt, dass der Umbau massive Entlassungen und das Risiko von Marktanteilsverlusten in den nächsten 12 bis 24 Monaten nach sich ziehen wird. Auch Sanford Bernstein Experte Toni Sacconaghi sticht ins gleiche Horn und sieht den Milliardenzukauf als Werte vernichtend an.

Die Hoffnung der Investoren ist nunmehr, dass HP genügend Geld durch den Verkauf seiner PC-Sparte erzielt (Analysten beziffern den Wert der PC-Sparte bis zu 12 Mrd. Dollar), um den Werteverlust wieder auszugleichen und das Unternehmen neu aufzustellen. Ob ein Neuanfang mit dem aktuellen Management, oder nur mit einer neuen Führungsriege möglich ist, bleibt abzuwarten...

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Mitte 2011 kündigte HP an, sein PC-Geschäft ausgliedern zu wollen. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2003 folgte die Übernahme der schwedischen PipeBeach sowie Geschäftsbereiche der englischen Baltimore Technologies. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. Im Spätherbst 2009 gab HP zudem ein Übernahmeangebot für den Netzwerkspezialisten 3Com ab - die Übernahme wurde im April 2010 abgeschlossen. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight. Mitte 2011 gab HP die Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy für über zehn Mrd. Dollar bekannt.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldet HP einen Umsatzanstieg um weniger als zwei Prozent auf 31,2 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 30,7 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei verdiente HP 1,93 Mrd. Dollar oder 93 US-Cent je Aktie, ein Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr, als HP einen Profit von 1,77 Mrd. Dollar oder 75 US-Cent je Aktie realisieren konnte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte HP einen Nettogewinn von 1,10 Dollar je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten um einen Cent je Aktie übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Schnitt mit Einnahmen von 30,7 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,09 Dollar je Aktie gerechnet.

Das IT-Servicegeschäft wuchs im jüngsten Quartal um vier Prozent auf 9,09 Mrd. Dollar, während das Softwaregeschäft um 20 Prozent auf 780 Mio. Dollar zulegte. In der Drucker-Division (Imaging and Printing Group) schrumpften die Umsätze um ein Prozent auf 6,09 Mrd. Dollar. In der PC-Sparte (Personal Systems Group) gingen die Umsätze um drei Prozent auf 9,59 Mrd. US-Dollar zurück. Die Server- und Speicherdivision (Enterprise Servers, Storage and Networking) konnte ihre Erlöse um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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