Hewlett-Packard drängt in den Softwaremarkt

Montag, 21. August 2006 00:00

(IT-Times) Der weltgrößte Druckerhersteller Hewlett-Packard (NYSE: HPQ<HPQ.NYS>, WKN: 851301<HWP.FSE>) profitiert weiterhin von den Restrukturierungsmaßnahmen seines neuen Chefs Mark Hurd. Aber nicht nur durch Kostensenkungen, sondern auch im operativen Geschäft kann HP auf Erfolge verweisen. In allen drei Hauptgeschäftsfeldern konnte HP teils deutliche Umsatzzuwächse verbuchen.

Auch das ehemalige Sorgenkind, die PC-Division, konnte ihren Aufwärtstrend offenbar weiter fortsetzen. Die Marktforscher des Hauses IDC bescheinigen HP vor allem im US-Markt weitere Marktanteilszugewinne, wobei HP zuletzt einen Marktanteil von 20 Prozent zugeschrieben wurde. Die Übernahme von Compaq Computer im Jahre 2002 für 19 Mrd. Dollar scheint sich nunmehr langsam auszuzahlen.

Mercury-Zukauf eröffnet neue Chancen

Doch HP blickt schon einen Schritt weiter. Die Restrukturierungsmaßnahmen und der Stellenabbau dürften bis Ende 2006 abgeschlossen sein. Die Ende Juli bekannt gegebene Übernahme von Mercury Interactive stellt einen wichtigen Vorstoß im Softwaremarkt dar. Mit dieser Maßnahme will HP seine Softwareerlöse mit einem Schlag auf zwei Mrd. Dollar verdoppeln. Bei Analysten wird der Milliardenzukauf - die zweitgrößte Übernahme HPs nach Compaq - weitgehend positiv aufgenommen.

Banc of America Analyst Keith Bachman glaubt zwar, dass HP mit einem Premium von 33 Prozent und 4,5 Mrd. Dollar zuviel für Mercury gezahlt hat, geht aber davon aus, dass sich die Akquisition positiv auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Konzerns auswirken wird. HPs Softwaredivision könnte im Jahr 2008 Gewinnmargen von rund 20 Prozent erreichen, schätzt der Analyst. „Wir mögen den Deal. Wir denken, dass dieser vor allem strategisch Sinn macht und insgesamt in die langfristige Strategie HPs passt, um in Segmente mit höheren Gewinnmargen zu expandieren“, so Bachmann, der HP-Anteile weiterhin zum Kauf empfiehlt.

Zwar wird wohl die Mehrheit der 3.000 Mercury-Arbeitsplätze erhalten bleiben, doch HP-Chef Mark Hurd macht keinen Hehl daraus, dass sich auch dieser Milliardenzukauf durch positive Synergieeffekte bemerkbar machen soll. „Es wird kein Stein auf den anderen bleiben“, kündigt Hurd im Hinblick auf die jüngste Übernahme an.

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Unternehmen stieg innerhalb weniger Jahre zum weltweit führenden Anbieter von Drucker- und Zubehörprodukten auf. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Handheld-Computer, Taschenrechner, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Das Hardwaregeschäft trägt inzwischen mehr als 80 Prozent der gesamten Umsätze der Gesellschaft.

Über das Service-Geschäft erwirtschaftet der Technologiekonzern in der Vergangenheit etwa 15 Prozent seiner gesamten Umsätze. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch BroadVision, i2, SAP und Ariba.

Anfang des Jahres 2002 kaufte das Unternehmen den niederländischen Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2003 folgte die Übernahme der schwedischen PipeBeach sowie Geschäftsbereiche der englischen Baltimore Technologies. Im Jahr 2004 kaufte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive für rund 4,5 Mrd. Dollar.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2006 meldet Hewlett-Packard einen Umsatzanstieg auf 21,89 Mrd. Dollar, was einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

HPs Druckereinheit konnte dabei seinen Umsatz um fünf Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar steigern, während das Geschäft mit PCs und Laptops um 14 Prozent auf 6,9 Mrd. Dollar anzog. Auch das Softwaregeschäft verbuchte mit einem Umsatzplus von 30 Prozent ein starkes Wachstum, wobei die Division Erlöse von 318 Mio. Dollar erwirtschaften konnte. Darin sind die Einnahmen der jüngsten Übernahme (Mercury Interactive) noch nicht inkludiert. Lediglich das Geschäft mit Speichern und Servern wuchs mit drei Prozent auf 4,1 Mrd. Dollar etwas langsamer, als die übrigen Geschäftsbereiche.

Insgesamt erwirtschaftete HP einen Nettogewinn von 1,38 Mrd. Dollar oder 48 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 73 Mio. Dollar oder drei US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein operativer Gewinn von 1,48 Mrd. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie, ein Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 21,8 Mrd. Dollar und mit einem Nettogewinn von 47 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Im operativen Geschäft konnte HP einen Cashflow von 2,6 Mrd. Dollar realisieren. Gleichzeitig gab der HP-Aufsichtsrat grünes Licht für ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 6,0 Mrd. Dollar.

Markt und Wettbewerb

Hewlett-Packard gilt als führender Drucker- und PC-Hersteller. Vor allem im PC-Segment konnte HP nach Angaben der Marktforscher aus dem Hause IDC Boden gut machen und Marktanteile aufholen. Auch im Server-Geschäft gilt HP nach wie vor als der führende Anbieter. In diesem Bereich steht das Unternehmen im direkten Wettbewerb mit dem weltgrößten PC-Hersteller und IBM.

IBM sieht sich aber in seinem traditionellen IT-Servicegeschäft gut gerüstet und konnte seine starke Stellung durch die Übernahme des Beratungsgeschäfts von PriceWaterhouseCoopers weiter festigen.

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