Google plant den großen Wurf

Donnerstag, 9. Juli 2009 12:56
Google Chrome Beta

(IT-Times) - Jetzt also doch. Nachdem bereits seit Jahren darüber spekuliert wurde, ob der US-Suchmaschinenspezialist Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) ein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen will, greift der Internet-Gigant den bisherigen Softwaremarktführer Microsoft direkt an.

Die beiläufige Ankündigung im offiziellen Google-Blog könnte die gesamte Softwareindustrie grundlegend verändern. Bislang kontrollierte Microsoft mit seinem Windows-Betriebssystem fast uneingeschränkt den Markt für Desktop-Betriebssysteme. Doch die Zeiten, als Anwender teure Lizenzen erwerben und Software auf ihrem Rechner installieren mussten, scheinen sich dem Ende zu nähern.

Betriebssystem für Net- und Smartbooks
So soll auch das neue Google-Betriebssystem Chrome OS auf Open-Source basieren und speziell für das Web zugeschnitten sein. Im Mittelpunkt steht zunächst der Markt für Netbooks. So konnte Google bereits wichtige Partner für sein Projekt gewinnen. Die Hersteller Asustek, Acer, Hewlett-Packard und Lenovo wollen mit Google zusammenarbeiten, um dem neuen Google-Betriebssystem zum Erfolg zu verhelfen. Immerhin kontrollieren die Google-Partner laut NPD Group mehr als 60 Prozent des Netbook-Marktes.

Daneben haben sich auch Qualcomm, der US-Mobilfunkchiphersteller Texas Instruments und Freescale der Allianz gegen Microsoft angeschlossen. Aus der Partnerschaft mit Qualcomm sollen sogenannte Smartbooks, eine Mischung aus Netbook und Smartphone, hervorgehen, auf denen das Google-Betriebssystem einmal laufen soll.

Noch bleibt die Frage offen, wie Google mit seinem Vorstoß Geld verdienen will. Marktbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass Google beim Anwender Daten sammeln und passende Werbung auf den Bildschirm zaubern wird. Ob dies von Firmen- und Privatkunden akzeptiert wird, bleibt abzuwarten.

Daneben handelt es sich bei Chrome OS im Grunde genommen nur um eine Spezial-Version von Linux. Doch braucht die Welt wirklich noch eine weitere Linux-Distribution, wo sich zuletzt immer mehr Ubuntu durchgesetzt hat? Google Chrome OS könnte am Ende das gleiche Schicksal drohen wie dem gleichnamigen Web-Browser. Am Anfang war der Medienrummel um den neuen Google-Browser groß - heute spielt der Chrome-Browser im weltweiten Browser-Markt kaum eine Rolle mehr…

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehr als 200 Mio. Suchanfragen abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung durch Googles AdWords platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein.

Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen. Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Gleichzeitig kaufte Google den Blogging-Spezialisten Blogger.com. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Ferner beteiligte sich Google mit einer Mrd. Dollar mit fünf Prozent an AOL. Daneben stieg das Unternehmen mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com für rund 1,6 Mrd. Dollar. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku und der russischen Begun weitere kleine Zukäufe getätigt. Daneben brachte Google mit Android ein Betriebssystem für Handys auf den Markt.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Für das vergangene erste Quartal 2009 meldete Google einen Umsatzanstieg um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,5 Mrd. US-Dollar. Abzüglich Provisionen, die an Werbepartner gezahlt wurden, summiert sich der Nettoumsatz auf 4,07 Mrd. Dollar. Der Gewinn zog um neun Prozent auf 1,42 Mrd. Dollar oder auf 4,49 Dollar je Aktie an, nach einem Profit von 1,31 Mrd. Dollar oder 4,12 Dollar je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen durch Aktienoptionen konnte Google einen Nettogewinn von 5,16 Dollar je Aktie generieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit einem Plus von 4,93 Dollar je Anteil kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Chrome OS

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