Google nach Rekordzahlen unter Druck - hohe Investitionen hemmen Gewinnwachstum

Montag, 18. April 2011 13:02
Google - Frühling

(IT-Times) - Zwar konnte der US-Suchmaschinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) im jüngsten Quartal erneut mit Rekordgewinnzahlen aufwarten, dennoch trennten sich Investoren im großen Stil von den Papieren - Google-Aktien gingen mit einem Kursminus von 8,2 Prozent ins Wochenende.

Was die Investoren verunsicherte, waren zuletzt die stark gestiegenen operativen Kosten. Diese legten um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,84 Mrd. Dollar zu. Google hatte im jüngsten Quartal fast 2.000 neue Mitarbeiter eingestellt, zudem hat das Unternehmen seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung signifikant erhöht.

Allein 1,2 Mrd. US-Dollar wendete Google im jüngsten Quartal für Forschung und Entwicklung auf, ein Zuwachs von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil der Gelder flossen in Projekte wie dem Chrome Web Browser, in die Entwicklung des gleichnamigen Betriebssystems Chrome, sowie in YouTube und neue Techniken für Unternehmen, wie der Branchendienst ITBusinessEdge erfahren haben will.

Mobile-Geschäft wächst kräftig - aber: niedrige Gewinnmargen
Analysten glauben, dass sich die Investitionen langfristig auszahlen werden. Bestes Beispiel ist das Mobile-Betriebssystem Android, welches stetig Marktanteile im Smartphone-Markt zu Lasten der Konkurrenz gewinnt. Nach Angaben der Marktforscher aus dem Hause Gartner dürfte Android Ende 2012 bereits einen Marktanteil von knapp 50 Prozent im Smartphone-Markt erreichen.

Das Mobile-Geschäft ist längst ein Milliardengeschäft für Google, wie Google Finanzchef Patrick Pichette im Rahmen der Quartalspressekonferenz nochmals bestätigte. Detaillierte Zahlen wollte Pichette zwar nicht nennen, der Manager verriet aber, dass dieses Geschäft enorme Zuwachsraten verzeichnet. Analysten, wie Caris & Co Experte Sandeep Aggarwall glauben, dass Googles Mobile-Geschäft drei bis vier Mal schneller wächst, als das Kerngeschäft im Suchmaschinenmarkt.

Allerdings werfe das Mobile-Geschäft substantiell niedrigere Gewinnmargen ab, merkt Aggarwal an. Dies ist mit ein Grund, warum das Gewinnwachstum bei Google zuletzt zu Wünschen übrig ließ. Dennoch: Mittel- bis langfristig dürfte das Mobile-Geschäft dank Android und Chrome eine größere Rolle spielen. Caris-Experte Aggarwal wäre nicht überrascht, wenn das Geschäft in drei Jahren bereits zwischen 20 und 25 Prozent des jährlichen Umsatzes beisteuert.

Google iTunes Konkurrent macht Probleme
Einen Rückschlag musste Google dagegen bei seinem Ansinnen einstecken, mit Google Music einen Konkurrenten zum führenden iTunes Store von Apple aufzubauen. Nach einem Bericht AllThingsDigital sind derzeit die Gespräche mit Musik-Labels bezüglich eines entsprechenden Musik-Dienstes "festgefahren".

Google soll nunmehr seine Strategie geändert haben und will nunmehr nur noch einen Cloud-basierten Musik-Service anbieten, über den Nutzer bereits erworbene Musik-Titel hochladen und jederzeit und überall abrufen können - Musik-Labels sollen zunächst außen vor bleiben.

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an mehrere hundert Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist jedoch das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein. Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Daneben ist das Unternehmen mit Google Finance im Online-Finanzbereich aktiv. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt.

Mit der Übernahme des Blogging-Spezialisten Blogger.com stieg Google in den Blogging-Markt ein. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine ganze Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku, der russischen Begun, der südkoreanischen Tatter and Company und ReCAPTCHA weitere kleine Zukäufe getätigt. Neben der Social-Suchmaschine Aardvark, wurden mit DocVerse, Picnik.com, On2 Technologies, reMail, AdMob, Invite Media, Ruba, Metaweb, Slide, Angstro und Widevine Technologies weitere Firmen hinzugekauft. Im Frühjahr 2011 erhielt Google zudem grünes Licht für die geplante Übernahme von ITA Software.

Daneben brachte Google mit Android ein offenes Betriebssystem für Handys auf den Markt. Mit dem Web-Browser Chrome ist Google inzwischen auch am Browser-Markt engagiert. Mit dem Nexus One stellte Google Anfang 2010 sein erstes eigen entwickeltes Smartphone vor. Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page halten beide eine Minderheitsbeteiligung an Google. Google-Mitgründer Larry Page kehrte im April 2011 wieder als CEO an die Firmenspitze zurück.

Zahlen
Für das vergangene Märzquartal meldet Google einen Umsatzanstieg um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 8,6 Mrd. US-Dollar. Abzüglich etwaiger Provisionen, die an Werbepartner ausgeschüttet wurden, erwirtschaftete Google einen Nettoumsatz von 6,54 Mrd. US-Dollar.

Meldung gespeichert unter: Quartalszahlen

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