Google - Investoren fürchten steigende Kosten

Montag, 19. April 2010 13:40
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(IT-Times) - Die Aktien US-Suchmaschinenmarktführers Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) brachen an der New Yorker Nasdaq zuletzt um mehr als sieben Prozent ein, nachdem steigende Kosten die Investoren verunsicherten.

Hintergrund war der Umstand, dass Google im jüngsten Quartal kräftig neue Mitarbeiter einstellte, was sich auch in den nächsten Monaten nicht ändern dürfte. Zudem deutete Google weitere Zukäufe an, nachdem das Unternehmen auf einer gut gefüllten Kriegskasse in Höhe von 26,5 Mrd. Dollar sitzt.

Auch die Erholung bei der Klickvergütung (Cost-per-Click) fiel niedriger aus als erwartet. Insgesamt fielen die durchschnittlichen Preise sogar um vier Prozent gegenüber dem Vorquartal. J.P. Morgan Analyst Imran Khan führt die sinkenden Preise nicht zuletzt auf die internationale Expansion sowie auf Vorstöße des Konzerns im Mobilfunkmarkt zurück. Für Mobile-Werbung werden derzeit noch niedrigere Klickvergütungen bezahlt.

Google wandelt auf den Spuren von Apple
Daneben dürften aber auch andere Kosten weiter steigen. Ursächlich ist der Markteinstieg von Google in den Mobilfunkmarkt mit dem Nexus One Smartphone. Laut Google-Finanzchef Patrick Pichette sei das Smartphone-Geschäft profitabel, detaillierte Absatzzahlen wollte der Google-Manager aber nicht nennen. Broadpoint AmTech Experte Ben Schachter geht davon aus, dass Google im ersten Quartal rund 200.000 Nexus One Handys absetzen konnte. Demnach dürfte das Smartphone-Geschäft etwa 106 Mio. Dollar bzw. zwei Prozent zum Google-Umsatz beigetragen haben, schätzt Schachter.

Um im Smartphone-Markt stärker Fuß zu fassen, dürften wohl weitere Investitionen notwendig sein, um Apple & Co die Stirn zu bieten. Marktbeobachter rechnen daher mittelfristig mit weiter steigenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung, um das Nexus One weiter zu verbessern bzw. einen erfolgreicheren Nachfolger zu entwickeln.

Daneben deutete Google-Chef Eric Schmidt gegenüber der New York Times an, dass Google an einem eigenen Tablet PC basierend auf dem Google-Betriebssystem Android arbeitet. Auch dieses Projekt dürfte mit hohen Investitionskosten verbunden sein, um dem Konkurrenten Apple Paroli zu bieten.

Ferner dürfte auch die Entwicklung des Betriebssystems Chrome OS weitere Kosten verschlingen. Hier sieht sich Google dem Wettbewerb des Softwaregiganten Microsoft gegenüber, der mit Windows 7 ein gelungenes Betriebssystem im vergangenen Jahr auf den Markt brachte. Um Microsoft in diesem Marktsegment langfristig die Stirn zu bieten, wird Google nicht nur einen langen Atem, sondern auch jede Menge Geld benötigen, um Microsoft nennenswert Marktanteile abzunehmen.

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist jedoch das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein. Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. . Daneben stieg das Unternehmen mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt.

Mit der Übernahme des Blogging-Spezialisten Blogger.com stieg Google in den Blogging-Markt ein. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com für rund 1,6 Mrd. Dollar. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine ganze Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku, der russischen Begun, der südkoreanischen Tatter and Company und ReCAPTCHA weitere kleine Zukäufe getätigt. Daneben brachte Google mit Android ein Betriebssystem für Handys auf den Markt. Mit dem Web-Browser Chrome ist Google inzwischen auch am Browser-Markt engagiert. Mit dem Nexus One stellte Google Anfang 2010 sein erstes eigen entwickeltes Smartphone vor. Zuletzt verstärkte sich Google durch weitere Zukäufe. Neben der Social-Suchmaschine Aardvark, wurden mit DocVerse, Picnik.com und reMail weitere Firmen hinzugekauft.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Im vergangenen ersten Quartal 2010 konnte Google einen Umsatzanstieg um 23 Prozent auf 6,78 Mrd. US-Dollar melden, der höchste Umsatzzuwachs seit dem dritten Quartal 2008. Abzüglich etwaiger Provisionen an Werbepartner belief sich der Nettoumsatz auf 5,06 Mrd. US-Dollar.

Insgesamt konnte Google im vergangenen Quartal einen Gewinn von rund 2,0 Mrd. US-Dollar oder 6,06 Dollar je Aktie verbuchen, nach einem Profit von 1,42 Mrd. Dollar oder 4,49 Dollar je Aktie in der Vorjahresperiode. Ausgenommen etwaiger Sonderbelastungen wie Aktienkompensationskosten konnte Google einen Nettogewinn von 6,76 Dollar je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Nettoeinnahmen von 4,95 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 6,60 Dollar je Anteil gerechnet.

Die von Google betriebenen Seiten generierten Umsatzerlöse in Höhe von 4,44 Mrd. Dollar bzw. 66 Prozent des Gesamtumsatzes - ein Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Google Netzwerkpartner steuerten durch das AdSense-Programm 2,04 Mrd. Dollar bei, ein Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Meldung gespeichert unter: Alphabet

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