Google bereitet den nächsten Streich vor

Dienstag, 27. Januar 2009 13:28
Google Logo

(IT-Times) - Zwar musste der US-Suchmaschinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) im jüngsten Quartal einen Gewinneinbruch melden, dieser war aber vornehmlich auf Wertberichtigungen im Hinblick auf Beteiligungen an AOL und Clearwire zurückzuführen.

Im operativen Geschäft läuft es trotz Rezession weiter rund für den Suchmaschinenspezialisten. Die Zahl der Klicks auf Werbeanzeigen (Paid Clicks) zog um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. um zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Unter dem Strich konnte Google trotz Wirtschaftskrise einen operativen Cashflow von 2,12 Mrd. Dollar einfahren, ein nur leichter Rückgang gegenüber dem Vorquartal (2,18 Mrd. Dollar).

Dennoch hinterließ die weltweite Krise auch erste Spuren in der Google-Bilanz. So schrumpfte der Umsatz in Großbritannien von 776 Mio. Dollar im Vorquartal auf nur noch 685 Mio. Dollar. Google hat inzwischen auf die Flaute reagiert und seine Kapitalausgaben auf 368 Mio. Dollar eingeschränkt. Zudem wurden in den letzten Monaten und Wochen eine Reihe von Projekten eingestampft (Google Lively, Dodgeball etc.), um die Kosten zu minimieren.

Kommt das Google Drive?
Trotz der Rückschläge lässt sich Google nicht entmutigen. Das Unternehmen macht keinen Hehl daraus, auch künftig weiter in den Geschäftsausbau investieren zu wollen, auch wenn die Ausflüge in virtuelle Welten und in das Print-Anzeigengeschäft gescheitert sind. Als nächstes Experimentierfeld scheint Google den Markt für Online-Speicher ins Visier genommen zu haben. Wie diverse Medien wie der Guardian berichten, plant Google noch in diesem Jahr mit Google Drive oder GDrive einen eigenen Online-Speicherservice aus der Taufe zu heben.

Das Web-Drive von Google, vom PC und Internet aus zugänglich, soll sich gegen ähnliche Dienste wie Microsofts SkyDrive bzw. Amazon S3 behaupten, heißt es aus Branchenkreisen. Bereits im Jahr 2007 vollzog die Szene einen Wandel. Von einer simplen Backup-Option, entwickeln sich Online-Speichersysteme immer mehr zu einer echten Alternative auch für große Firmenkunden, um Hardware-Kosten zu sparen.

Inzwischen haben aber auch andere Firmen wie EMC, IBM und Hewlett-Packard (HP) das Potential in diesem Bereich erkannt. So bietet beispielsweise HP mit HP Upline einen Online-Speicherplatz für Verbraucher und mittelständische Kunden an. Sollte Google mit einem eigenen Angebot hinzustoßen, dürfte nicht nur der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Desktop in den nächste Runde gehen, sondern auch der Kampf um die Marktführerschaft im Bereich Cloud Computing neu entbrennen…

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehr als 200 Mio. Suchanfragen abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung durch Googles AdWords platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein.

Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen. Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Gleichzeitig kaufte Google den Blogging-Spezialisten Blogger.com. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Ferner beteiligte sich Google mit einer Mrd. Dollar mit fünf Prozent an AOL. Daneben stieg das Unternehmen mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku und der russischen Begun weitere kleine Zukäufe getätigt. Daneben brachte Google mit Android ein Betriebssystem für Handys auf den Markt.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Der Bruttoumsatz von Google stieg im vergangenen Dezemberquartal um 18 Prozent auf 5,7 Mrd. US-Dollar. Abzüglich etwaiger Provisionen an Werbepartner konnte Google einen Nettoumsatz von 4,22 Mrd. US-Dollar realisieren. Insgesamt brach der Gewinn allerdings um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 382 Mio. Dollar oder 1,21 Dollar je Aktie ein.

Im jüngsten Quartal musste Google allerdings Wertberichtigungen und Abschreibungen auf sein Engagement bei Clearwire und AOL vornehmen. Insgesamt wurden 1,1 Mrd. Dollar abgeschrieben. Darüber hinaus hat das Unternehmen seinen über 20.000 Mitarbeitern den Wechsel auf Aktienoptionen mit einem günstigeren Ausübungspreis erlaubt, nachdem der Google-Aktienkurs signifikant gesunken ist.

Meldung gespeichert unter: Alphabet

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