First Solar übt den Befreiungsschlag - Dünnschichttechnik in der Sackgasse?

Mittwoch, 18. April 2012 12:50
First Solar

(IT-Times) - Der US-Solarkonzern First Solar ergreift radikale Maßnahmen, um sich an den Preisverfall in der PV-Industrie und die sinkende Nachfrage nach Solarmodulen aus Europa anzupassen. Die Fertigungsfabrik in Deutschland (Frank an der Oder) ist angesichts der radikalen Subventionskürzungen und Marktbedingungen nicht länger wirtschaftlich vertretbar und soll im vierten Quartal 2012 geschlossen werden. Insgesamt fallen 2.000 Arbeitsplätze bzw. 30 Prozent der Stellen weg.

Zudem will First Solar (Nasdaq: FSLR, WKN: A0LEKM) auch gleich vier Produktionslinien in Malaysia stilllegen, wovon sich das Unternehmen Einsparungen in Höhe 30 bis 60 Mio. Dollar in diesem Jahr und 100 bis 120 Mio. Dollar im Jahr 2013 erhofft. Daneben will das Unternehmen die Eröffnung einer neuen Solarfabrik in Arizona erstmals verschieben. Einen Baustopp hat das Unternehmen außerdem im Bezug auf eine neue Solarfabrik in Vietnam verhängt.

Herstellungskosten sollen noch schneller sinken
Ziel ist es, die Herstellungskosten auf 70 bis 72 US-Cent pro Watt in diesem Jahr zu drücken, im Jahr 2013 strebt First Solar Herstellungskosten von 60 bis 64 US-Cent pro Watt an. Um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern zu sichern, hat First Solar in den vergangenen Jahren in das Geschäft mit der Entwicklung von großflächigen Solarparks investiert. Hier hat das Unternehmen Projekt-Aufträge im Volumen von 2.800 Megawatt in der Pipeline.

Das Unternehmen hat sich außerdem Kreditgarantien in Höhe von mehr als drei Mrd. US-Dollar für einige seiner Solarprojekte sichern können, wobei das Unternehmen verschiedene große Projekte bereits an US-Versorger wie NRG Energy, Exelon und MidAmerican Energy Holdings verkaufen konnte.

Analyst: First Solar nicht mehr konkurrenzfähig
First Solar sieht in dem Geschäft mit großflächigen Solarprojekten für den Versorgermarkt nach wie vor den effektivsten Weg, Sonnenenergie im großen Stil ans Stromnetz zu bringen. Doch genau darin sehen Analysten wie Jefferies-Experte Jesse Pichel das Problem. In Zukunft dürfte es nicht nur sehr viel schwerer für First Solar werden, Kreditgarantien für solche Projekte zu erhalten, zudem geht der Trend hin zu Dachanlagen. Und hier ist First Solar mit seinen Dünnschichtmodulen (Wirkungsgrade von 11 bis 12 Prozent) nachdem massiven Preisverfall bei Silizium-Module nicht mehr wirklich gegen chinesische Anbieter konkurrenzfähig, glaubt Pichel.

Das Unternehmen wird also nicht nur seine Produktionskosten schneller senken, sondern auch die Wirkungsgrade seiner Dünnschichtmodule signifikant erhöhen müssen, will das Unternehmen eine echte Chance gegen die chinesische Konkurrenz haben.

Kurzportrait

Die in Tempe/Arizona ansässige First Solar wurde im Jahre 1999 gegründet und gilt als einer der führenden Solarkonzerne in Amerika. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Solarmodulen auf Basis der Dünnschichttechnologie spezialisiert und gilt in diesem Bereich als einer der weltweit führenden Anbieter.

Schon im Jahr 2002 nahm First Solar die Produktion von Solarmodulen auf Basis von Cadmium Telluride (CdTe) auf. First Solar hat sich bewusst für den Einsatz von CdTe entschieden, da CdTe ein Halbleiter mit direkter Bandlücke ist und somit in der Lage ist, Sonnenenergie effizienter in elektrische Energie zu wandeln. Darüber hinaus lassen sich durch den Einsatz von CdTe einfache Zellstrukturen und Prozesse auch Produktionskosten minimieren. So verfügt First Solar seit 2008 über die niedrigsten Kosten pro Watt in der Photovoltaik-Industrie. Zudem hat First Solar die Produktionskosten pro Watt unter die magische Marke von einem US-Dollar gedrückt. Zudem ist CdTe für die Produktion aufgrund der hohen Verfügbarkeit reichlich vorhanden, so dass das Material auch in der Massenproduktion zum Einsatz kommen kann.

First Solar hat mit zwölf Projektentwicklern in Europa langfristige Lieferverträge abgeschlossen. So wird der Großteil der Solarmodule in Ausland exportiert. Großabnehmer sitzen dabei vornehmlich in Deutschland. Zu den wichtigsten Kunden von First Solar zählen daher auch deutsche Unternehmen wie Blitzstorm, Pfalzsolar, Colexon Energy, Conergy, Gehrlicher Umweltschonende Energiesysteme, Juwi Solar und Phoenix Solar.

Ende 2007 verstärkte sich First Solar durch die Übernahme des US-Solarspezialisten Turner Renewable Energy LLC. Das Unternehmen entwickelt Solarprojekte im Auftrag für Kunden in den USA. Nach der Übernahme durch First Solar tritt das Unternehmen unter dem Namen First Solar Electric LLC auf. Anfang 2009 übernahm First Solar zudem ein 550-Megawatt Solarprojekt von OptiSolar und Edison Mission Group. Darüber hinaus will First Solar gemeinsam mit EDF Energies Nouvelles die größte Solarfabrik Frankreichs bauen. Im Frühjahr 2010 übernahm First Solar den US-Solarprojektierer NextLight Renewable Power für rund 285 Mio. Dollar.

Durch den Bau neuer Fertigungsanlagen in den USA, Europa (Frankfurt/Oder) und Asien (Malaysia) hat First Solar seine Produktionskapazitäten zuletzt stetig ausgebaut und seine Produktionskosten auf 75 Cent pro Watt drücken können.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet First Solar einen Umsatzanstieg auf 660 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 610 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei musste First Solar einen Nettoverlust von 413,1 Mio. Dollar oder 4,78 Dollar je Aktie ausweisen, nachdem der US-Solarkonzern im Vorjahr noch einen Nettogewinn von 155,9 Mio. Dollar oder 1,80 Dollar je Aktie erwirtschaften konnte. Vor allem Abschreibungen auf verschiedene Komponenten und Wertberichtigungen im Bezug auf die Übernahme von OptiSolar und NextLight hätten die Ergebnisse belastet.

Ausgenommen außergewöhnlicher Einmalbelastungen konnte First Solar einen Nettogewinn von 1,26 Dollar je Aktie ausweisen, womit das Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich verfehlte. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 1,53 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 784 Mio. Dollar gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Dünnschicht-Solarmodule (Thin-Film)

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