First Solar am Scheideweg - Dünnschichttechnik eine Sackgasse?

Mittwoch, 4. August 2010 13:22
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(IT-Times) - Der weltgrößte Solarkonzern und Dünnschichtspezialist First Solar (Nasdaq: FSLR, WKN: A0LEKM) konnte zwar im jüngsten Quartal die Markterwartungen der Analysten übertreffen, dennoch präsentierten sich First Solar-Aktien zuletzt deutlich schwächer.

Einmal mehr stellen Industriebeobachter die Zukunft der Dünnschichttechnologie in Frage. Zum einen gilt das toxische Cadmium, welches in Dünnschichtmodulen aus dem Hause First Solar verbaut wird, als umweltbelastend. Zum anderen verweisen Marktbeobachter auf die sinkenden Preise bei Polysilizium-basierten Zellen und Modulen und deren höheren Wirkungsgrad.

Experten bemängeln den geringen Wirkungsgrad von Dünnschichtzellen
First Solar konnte zwar seine Produktionskosten um weitere 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf zuletzt 0,76 US-Dollar pro Watt drücken, der Wirkungsgrad der First Solar Zellen legte allerdings nur leicht auf 11,2 Prozent zu. Darin liegt nach Meinung vieler Beobachter, wie Dr. Joel West, Professor an der San José State University, auch das eigentliche Problem der Dünnschichttechnologie.

Polysilizium-basierte Zellen weisen inzwischen Wirkungsgrade von 18 bis 20 Prozent auf, wobei durch die sinkenden Rohstoffkosten die Preise für diese Module kontinuierlich sinken. Dadurch schrumpft der Preis- bzw. Wettbewerbsvorteil der Dünnschichttechnik zusehens. Projektbetreiber müssen auf Freiflächen bzw. Immobilien eine größere Fläche mit Dünnschichtmodulen abdecken, um den gleichen Wirkungsgrad bzw. den gleichen Ertrag zu erreichen, als mit Polysilizium-basierten Zellen. Ist der Raum begrenzt, wie es bei Dachanlagen häufig der Fall ist, scheinen Polysilizium-basierte Module die bessere Alternative.

Vertrauen in Dünnschichttechnik schwindet
Dass das Vertrauen in die Dünnschichttechnik schwindet, zeigen zwei jüngste Entwicklungen in der Industrie. Der chinesische Dünnschichtspezialist Trony Solar wollte durch ein IPO an der New Yorker Börse 200 Mio. US-Dollar aufnehmen, musste aber seine Börsenpläne jüngst verschieben, nachdem sich das Interesse der Investoren in Grenzen hielt.

In diesem Kontext ist auch die jüngste Maßnahme des weltgrößten Halbleiter- und Solarausrüsters Applied Materials zu sehen. Das Unternehmen will sich aus dem Dünnschichtgeschäft zurückziehen und seine SunFab Dünnschichtanlagenlinie nicht mehr fortführen - in diesem Zusammenhang sollen 500 Stellen gestrichen werden.

Auch wenn First Solar weiter seine Produktion ausbaut und an die Zukunft seiner Technologie glaubt, so bleibt die Frage offen, inwieweit die Technik noch zukunftsfähig ist, sollten die Silizium-Preise, wie in der Vergangenheit, weiter fallen…

Kurzportrait

Die in Tempe/Arizona ansässige First Solar wurde im Jahre 1999 gegründet und gilt als einer der führenden Solarkonzerne in Amerika. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Solarmodulen auf Basis der Dünnschichttechnologie spezialisiert und gilt in diesem Bereich als einer der weltweit führenden Anbieter.

Schon im Jahr 2002 nahm First Solar die Produktion von Solarmodulen auf Basis von Cadmium Telluride (CdTe) auf. First Solar hat sich bewusst für den Einsatz von CdTe entschieden, da CdTe ein Halbleiter mit direkter Bandlücke ist und somit in der Lage ist, Sonnenenergie effizienter in elektrische Energie zu wandeln. Darüber hinaus lassen sich durch den Einsatz von CdTe einfache Zellstrukturen und Prozesse auch Produktionskosten minimieren. So verfügt First Solar seit 2008 über die niedrigsten Kosten pro hergestelltem Watt in der Photovoltaik-Industrie. Zudem hat First Solar die Produktionskosten pro Watt unter die magische Marke von einem US-Dollar gedrückt. Zudem ist CdTe für die Produktion aufgrund der hohen Verfügbarkeit reichlich vorhanden, so dass das Material auch in der Massenproduktion zum Einsatz kommen kann.

First Solar hat mit 12 Projektentwicklern in Europa langfristige Lieferverträge abgeschlossen. So wird der Großteil der Solarmodule in Ausland exportiert. Großabnehmer sitzen dabei vornehmlich in Deutschland. Zu den wichtigsten Kunden von First Solar zählen daher auch deutsche Unternehmen wie Blitzstorm, Pfalzsolar, Colexon Energy, Conergy, Gehrlicher Umweltschonende Energiesysteme, Juwi Solar und Phoenix Solar.

Ende 2007 verstärkte sich First Solar durch die Übernahme des US-Solarspezialisten Turner Renewable Energy LLC. Das Unternehmen entwickelt Solarprojekte im Auftrag für Kunden in den USA. Nach der Übernahme durch First Solar tritt das Unternehmen unter dem Namen First Solar Electric LLC auf. Anfang 2009 übernahm First Solar zudem ein 550-Megawatt Solarprojekt von OptiSolar und Edison Mission Group. Darüber hinaus will First Solar gemeinsam mit EDF Energies Nouvelles die größte Solarfabrik Frankreichs bauen. Im Frühjahr 2010 übernahm First Solar den US-Solarprojektierer NextLight Renewable Power für rund 285 Mio. Dollar.

Durch den Bau neuer Fertigungsanlagen in den USA, Europa (Frankfurt/Oder) und Asien (Malaysia) hat First Solar seine Produktionskapazitäten zuletzt stetig ausgebaut.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet First Solar einen Umsatzanstieg um 11,8 Prozent auf 587,9 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 525,9 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei verdiente First Solar 159 Mio. Dollar oder 1,84 Dollar je Aktie, nach einem Profit von 180,6 Mio. Dollar oder 2,11 Dollar je Aktie in der Vorjahresperiode.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte der Solarspezialist die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 543,1 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,61 Dollar je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Dünnschicht-Solarmodule (Thin-Film)

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