Electronic Arts: Videospieleindustrie erwacht

Montag, 17. Juli 2006 00:00

(IT-Times) Überraschend gut lief der Monat Juni offenbar für die PC- und Videospielindustrie. Wie Marktforscher des Hauses NPD Group ermittelten, kletterte der Absatz der Videospielindustrie im Vormonat um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein der Softwareabsatz zog von 387,1 Mio. Dollar im Vorjahr, auf 444,4 Mio. Dollar im Juni an, so die NPD-Analysten.

Die Zahlen sind Balsam für die zuletzt gebeutelte Spieleindustrie, die zuletzt unter enttäuschenden Geschäftsergebnissen der Unternehmen zu leiden hatte. Allen voran der weltgrößte PC- und Videospielentwickler Electronic Arts (Nasdaq: ERTS<ERTS.NAS>, WKN: 878372<ERT.FSE>), der noch im Mai mit einem verhaltenem Ausblick die Märkte verunsicherte. Für EA könnte der vergangene Monat aber eine Trendwende eingeleitet haben, denn das Unternehmen will für die nächste Konsolen-Generation nicht weniger als 30 neue Titel auf den Markt bringen. Zudem konnte EA offenbar von seinem Fußball-Spiel „2006 FIFA World Cup“ profitieren, dass erst Mitte Juni auf den Markt kam. Mit „Need for Speed Carbon“ hat das Unternehmen zudem einen weiteren potentiellen Kassenschlager in der Pipeline - der Titel soll pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft noch im November auf den Markt kommen.

Einstieg in den MMORPG-Markt

Von großer strategischer Bedeutung ist hingegen die Übernahme von Mythic Entertainment. Aus dem Zukauf des in Fairfax ansässigen Entwicklerstudios soll die Einheit EA Mythic hervorgehen, die sich vornehmlich auf die Entwicklung von Online-Rollenspiele konzentrieren soll. Mit der Akquisition forciert EA gleichzeitig seine Bemühungen, um im so genannten Markt für Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG) stärker Fuß zu fassen.

Bislang überlies EA diesen Markt weitgehend koreanischen Entwicklerstudios, wobei einzig und allein Blizzard mit seinem Titel „World of Warcraft“ den Asiaten das Wasser reichen konnte. Doch mit der Übernahme von Mythic gelangt EA in den Besitz des potentiellen Online-Hits „Warhammer: Age of Reckoning“, der im Jahr 2007 auf den Markt kommen und die Dominanz von „World of Warcraft“ brechen soll. Durch Mythic-Mitgründer Mark Jacobs, der auch nach Übernahme mit an Board bleibt und mit Hilfe des finanziellen Backgrounds durch EA nimmt dieses Vorhaben realistische Züge an.

Kurzportrait

Electronic Arts (EA), ansässig im kalifornischen Redmond, entwickelt seit 1982 Computerspiele. Dabei spezialisiert sich das Unternehmen nicht nur auf eine Plattform, sondern bietet sowohl für den PC, als auch für Sonys PlayStation, Nintendos Gameboy und GameCub, als auch für Microsofts Xbox entsprechende Spiele an. Vor allem durch legendäre Titel, wie Madden NFL, SimCity, und Ultima Online machte sich das Unternehmen einen Namen. Das Haus publiziert seine populären Titel unter den Marken EA Sports, EA Games, sowie unter den übernommen Marken Origin, DreamWorks Interactiv, Black Box Games und Maxis. Zuletzt beteiligte sich das Unternehmen an dem schwedischen Entwicklerstudio Digital Illusions, welches Ende 2004 vollständig übernommen wurde. Gleichzeitig schloss EA im Oktober die Übernahme von Criterion Software ab. Anfang 2005 beteiligte sich EA mit 19,9 Prozent an dem französischen Spielentwickler Ubisoft. Ende 2005 übernahm man den führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. für insgesamt 680 Mio. US-Dollar. Mitte 2006 kaufte EA den Online-Rollenspielspezialisten Mythic Entertainment.

Ferner vertreibt das Unternehmen über 4.000 Spieletitel von Drittanbietern. Dieses Geschäft trug in der Vergangenheit nahezu 20 Prozent des gesamten Umsatzvolumens von EA. Vor allem das Geschäft mit Spielehits für die Sony-Konsolen PlayStation und PlayStation 2 gilt als Umsatzbringer der Spielschmiede aus Redmond. Über das Internet-Portal EA.com bietet das Unternehmen nicht nur einen kostenlosen Online-Spieledienst an, sondern auch gebührenpflichtige Services, wie das Online-Rollenspiel Ultima Online ergänzen das EA-Portfolio. Der kostenpflichtige Dienst und Gaming-Server Ultima Online wird immer wieder als Musterbeispiel für einen kostenpflichtigen Service im Internet herangezogen.

Daneben betreibt das Unternehmen die Tochter und Spiel-Plattform pogo.com im Internet. Pogo.com versteht sich als eine Spielgemeinschaft, über die sich Nutzer gemeinsam austauschen und kostenlos Online-Spiele herunterladen und an Gewinnspielen teilnehmen können. Gleichzeitig betreibt EA aber auch den Game Channel im Rahmen des Online-Angebots von America Online. Insgesamt präsentiert sich EA heute als der marktführende Spielanbieter weltweit mit 3.500 Mitarbeitern in über 33 Niederlassungen.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2006 meldet EA einen Umsatzanstieg auf 641 Mio. Dollar, was einem Zuwachs von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei musste EA zunächst einen Verlust von 16 Mio. Dollar oder fünf US-Cent je Aktie hinnehmen, nachdem man in der Vorjahresperiode ein Plus von acht Mio. Dollar oder zwei US-Cent je Aktie erwirtschaften konnte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen erwirtschaftete EA einen operativen Gewinn von 43 Mio. Dollar oder 14 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 30 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Anteil im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld nur mit einem Plus von neun US-Cent je Aktie kalkuliert.

Für das somit abgeschlossene Fiskaljahr 2006 meldete EA einen Umsatzrückgang auf 2,95 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 3,13 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei erwirtschaftete EA einen Nettogewinn von 236 Mio. Dollar, nach einem Plus von 504 Mio. Dollar im Jahr vorher.

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