eBay kann Zweifler nicht überzeugen

Mittwoch, 1. August 2007 00:00

(IT-Times) Vor wenigen Tagen konnte der weltgrößte Online-Marktplatz eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) einen Erfolg melden. Die Klage von MercExchange wurde abgewiesen, wodurch eBay weiterhin sein Feature „Buy It Now“ bzw. „Sofort Kaufen“ nutzen darf.

Listings gehen zurück

Bei eBay löste das Urteil große Erleichterung aus, zumal das Unternehmen derzeit ohnehin mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Vor allem langfristig stellen immer mehr Analysten das eBay-Geschäftsmodell in Frage. Immer weniger Konsumenten und kleine Geschäftskunden stellen Waren auf eBay ein. Im zweiten Quartal fielen die Listings auf der Online-Plattform um zwei Prozent auf 480 Mio. Einträge. In den eBay Stores brachen die Listings gar um 25 Prozent auf 79,1 Mio. Einträge ein.

Im Hause der Investmentbank Cantor Fitzgerald kommt man daher zur Schlussfolgerung, das eBay derzeit beschleunigt Marktanteile gegenüber aufkommenden Online-Kleinanzeigenmärkten wie Craigslist.com verliert. Im Gegensatz zu eBay ist das Einstellen von Kleinanzeigen hier meist kostenlos.

eBay nimmt Kleinanzeigenmarkt ins Visier

eBay beobachtet den Markt seit geraumer Zeit und ist seit 2004 mit 25 Prozent an dem führenden Kleinanzeigendienst Craigslist.com beteiligt. Anfang Juli startete eBay nunmehr einen aggressiveren Vorstoß in den Markt und hat mit Kijiji einen eigenen Online-Kleinanzeigendienst in den USA ins Leben gerufen.

Vorerst will man das Projekt zurückhaltend angehen, so eBay-Sprecher Hani Durzy. So soll es zunächst kein großes Marketing- und Werbebudget für Kijiji geben. Verständlich, würde man damit derzeit nur das eigentliche Kerngeschäft auf eBay schwächen.

Dennoch sehen Analysten wie UBS-Experte Benjamin Schachter großes Potential für Kijiji. Für Schachter kommt das Marktdebüt von Kijiji in den USA sehr früh, jedoch sei man insgesamt sehr angetan von diesem Schritt. Langfristig könne das Geschäft für eBay so wichtig werden, wie das derzeitige Kerngeschäft selbst, meint der Investmentbanker. So könne eBay beispielsweise Werbung auf den Kijiji-Seiten platzieren, oder seinen Online-Zahlungsdienst PayPal besser einbinden. Auch die Integration der Internettelefonie-Software Skype in die Online-Plattform dürfte sich positiv auswirken. Nicht zuletzt könnte man auch den eBay-Auktionsservice integrieren, um zum Beispiel lokale Auktionen durchzuführen, skizziert Schachter die möglichen Szenarien.

Auch eBay-Chefin Meg Whitman ist offenbar von der Nachhaltigkeit des Marktes überzeugt. Trotz Kijiji will man weiterhin an der Minderheitsbeteiligung an Craigslist festhalten. „Wir denken, der Markt ist groß und diversifiziert genug, um verschiedene Player zu unterstützen“, meint die oberste eBay-Lenkerin.

Kurzportrait

Gegründet im September 1995 und ansässig in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose stieg eBay schnell zu einem der führenden Internet-Unternehmen auf. Heute gilt das Geschäftsmodell der Gesellschaft als eines der wenigen Konzepte die sich nachhaltig im weltweiten Datennetz behaupten konnten. Dabei setzt das Unternehmen zwar auf Online-Auktionen, die aber ohne Lagerhaltung auskommt. Vielmehr vermittelt der Online-Anbieter lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und betreibt hierfür die Online-Plattform.

Heute besteht die eBay-Gemeinschaft aus mehr als 220 Mio. registrierten Nutzern und bietet daher das weltweit größte Publikum, wenn es um Versteigerungen von gebrauchten oder neuen Waren geht. Damit gilt eBay gleichzeitig auch als die weltweit größte Shopping-Seite im Internet. Auf mehreren Kontinenten weltweit in über 30 Ländern aktiv, können Internet-Nutzer Produkte in mehr als 18.000 Kategorien ersteigern.

Um die Zahlungsabwicklung so einfach und sicher wie möglich zu gestalten, bietet eBay entsprechende Services an. Durch die Übernahme von PayPal für 1,5 Mrd. Dollar löste eBay sein eigenen Online-Zahlungssystem Billpoint ab und setzt voll auf PayPal.

Das traditionelle englische Auktionshaus Butterfields, welches im Jahr 1999 für 260 Mio. Dollar übernommen wurde, ist inzwischen wieder verkauft worden. Später kaufte eBay das Online-Angebot Half.com. Half.com bietet über die gleichnamige Internet-Seite stark reduzierte Waren zu festen Preisen an. Im Jahr 2003 übernahm eBay den führenden chinesischen Online-Auktionator EachNet, sowie Teile der Softwarefirma FreeMarkets. Gleichzeitig übernahm man den in Südkorea operierenden Online-Anbieter Internet Auctions Company. Die chinesische Eachnet wurde Ende 2006 wiederum in ein Joint Venture mit Tom Online eingebracht, an welchem eBay 49 Prozent hält.

Anschließend folgte die Übernahme der deutschen mobile.de. Später kaufte sich eBay mit der Übernahme von Baazee.com in den indischen Online-Auktionsmarkt ein. Ende 2004 übernahm eBay den holländischen Online-Kleinanzeigenmarkt Marktplaats.nl. Darüber hinaus beteiligte sich eBay mit 25 Prozent an den Kontaktanzeigenservice Craigslist.com. Im Dezember 2004 kaufte eBay schließlich den Online-Immobilienvermittler Rent.com. Anfang 2005 übernahm eBay den Kontakt- und Treffpunktservice Kijiji. Die Einheit kaufte wiederum die deutsche Opusforum.org. Im Frühjahr 2005 übernahm eBay schließlich den Preisvergleichsdienst Shopping.com. Im gleichen Jahr wurde auch der VoIP-Spezialist Skype für rund vier Mrd. Dollar aufgekauft. Im Frühjahr 2006 verstärkte sich eBay durch die Übernahme des schwedischen Online-Auktionators Tradera.com. Anfang 2007 kaufte eBay den Ticket-Dienst StubHub auf.

Mit dem Produkt eBay Stores will der Online-Auktionator auch Geschäftskunden ansprechen, welche ihren eigenen Shopping-Bereich auf eBay einrichten können. Im Frühjahr 2006 stellte das Unternehmen mit eBay Express ein neues Online-Shop-Konzept vor, über dieses Neuwaren unter Ausschluss des Bieterverfahrens erworben werden können. Mitte 2006 formte eBay gemeinsam mit dem Anbieter PCHome Online ein Joint Venture in Taiwan. Chairman Pierre Omidyar hält gemeinsam mit anderen Top-Managern, wie Jaffrey Skoll und eBay-Chefin Meg Whitman eine Minderheitsbeteiligung an eBay.

Zahlen

So berichtet das Unternehmen von einem Umsatzanstieg auf 1,83 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. International konnte eBay seine Erlöse um 37 Prozent steigern, während das US-Geschäft um 24 Prozent zulegte.

Die Zahl der aktiven eBay-Nutzer kletterte um sieben Prozent auf 83,3 Mio. Mitglieder. Auch das Online-Zahlungsgeschäft PayPal entwickelte sich positiv - hier stiegen die Erlöse um 34 Prozent auf 454 Mio. Dollar. Der von eBay übernommene VoIP-Dienst Skype verzeichnete zuletzt 220 Mio. registrierte Nutzer, wobei Skype seine Erlöse auf 90 Mio. Dollar mehr als verdoppeln konnte.

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