Digitale Produkte zunehmend im Visier von Piraten

Donnerstag, 24. April 2008 10:35
BITKOM

- Raubkopien und Fälschungen schaden dem Standort

- BITKOM gibt Überblick über Piraterie-Folgen

- Morgen offizieller „Tag des geistigen Eigentums“

Berlin, 24. April 2008

Der Hightech-Verband BITKOM hat anlässlich des „Tages des geistigen Eigentums“ zu einem Umdenken in puncto Raubkopien und Produktpiraterie aufgefordert. Der Tag des geistigen Eigentums wird morgen in Berlin begangen. „Bei vielen Schwarzkopierern und Käufern von Fälschungen herrscht nach wie vor kein Unrechtsbewusstsein“, sagte BITKOM-Präsidiumsmitglied Uli Holdenried. „Technischer Fortschritt, kultureller Reichtum und Wohlstand basieren darauf, dass Innovationen und Kreationen für die Erfinder und Künstler auch finanziell attraktiv sind“, so Holdenried. Produktpiraterie schade daher massiv dem Standort Deutschland: „Gute Ideen müssen auch gutes Geld bringen – denn Kreativität entscheidet mehr denn je darüber, wer im Wettbewerb die Nase vorn hat.“ Dazu sei eine neue Debatte nötig. Ziel müsse sein, einen breiten gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage zu finden. Für die Kunden hätten Originale zudem den Vorteil, dass die Qualität stimme.

Der BITKOM gibt einen Überblick über Piraterie-Folgen:

Urheberrechte

Geistiges Eigentum ist zunehmend bedroht – das legt die bisher aktuellste Kriminalstatistik aus dem Jahr 2006 nahe. Bundesweit ermittelte die Polizei in fast 21.000 Fällen von Straftaten gegen das Urheberrecht – über 4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote ist mit 90 Prozent sehr hoch. Die meisten Tatverdächtigen sind schon bekannt, wenn die Geschädigten Anzeige erstatten. Neuere Zahlen will das Bundeskriminalamt in Kürze veröffentlichen.

Software

Etwa jedes vierte Computerprogramm (28 Prozent) wird in Deutschland illegal eingesetzt – als Raubkopie oder ohne gültige Lizenz. Dadurch entsteht den rechtmäßigen Anbietern ein Schaden von rund einer Milliarde Euro. Wäre die Piraterie-Quote 10 Prozentpunkte niedriger, könnte es einer Studie zufolge etwa 12.000 Jobs mehr geben. Die Polizei registrierte 2006 rund 14 Prozent mehr Fälle von gewerbsmäßiger Software-Piraterie. Die Statistik für 2007 erscheint demnächst. Ertappte Unternehmen zahlten nach Branchenangaben im vergangenen Jahr rund 2,8 Millionen Euro an Schadenersatz und nachträglichen Lizenzgebühren für die Nutzung geschäftlicher Software. Das ist mehr als doppelt so viel wie in 2006 (1,1 Millionen Euro).

Musik

Piraterie im Internet macht der Musikindustrie zu schaffen: Auf einen legalen Download kommen nach Branchenangaben zehn illegale. Mehr als drei Millionen Deutsche machen mit. Durch unrechtmäßige Online-Kopien sowie illegal gebrannte CDs und DVDs entstand im vergangenen Jahr ein Schaden von rund 530 Millionen Euro. Legale Downloads liegen inzwischen aber im Trend: 2007 luden die Deutschen 34 Millionen Songs und Alben rechtmäßig auf ihre PCs – ein Drittel mehr als 2006.

Filme

Mehrere hundert Millionen Euro entgehen auch der Filmbranche durch Piraterie. Eine Studie der Universität Weimar beziffert den Schaden auf jährlich rund 200 Millionen Euro. Die Zahl der Kinobesuche könnte bis zu 13 Prozent steigen, wenn es für illegale Kopien kein Angebot und kaum Nachfrage gäbe. Ähnlich sieht es im DVD-Geschäft aus: Bis zu 11 Prozent mehr Filme könnten verliehen und 15 Prozent mehr verkauft werden, wenn keine illegalen Duplikate im Umlauf wären. Die Zahl der urheberrechtlichen Strafverfahren unter Beteiligung der Antipiraterie-Organisation GVU ist binnen zehn Jahren um das Neunfache gestiegen: 2007 gab es rund 1.900 Verfahren. Jedes vierte endet derzeit mit einer Verurteilung. Aber auch wenn ein Prozess formal eingestellt wird, ist oft eine Geldbuße fällig.

Markenware

Nicht nur Software und digitale Kulturgüter sind im Visier von Piraten: Zunehmend werden Geräte und Zubehörteile imitiert. So hat der Zoll im Jahr 2007 gefälschte Computer im Wert von 4 Millionen Euro sichergestellt – viermal mehr als drei Jahre zuvor. Auch Druckerpatronen werden häufig gefälscht. Die Beamten beschlagnahmten im vergangenen Jahr zudem nachgemachte Elektrogeräte im Wert von mehr als 42 Millionen Euro. Eine noch größere Rolle spielen gefälschte Markenkleidung und Accessoires wie Handtaschen. Die Dunkelziffern sind hoch, weil längst nicht jeder Schmuggel auffliegt. Die meisten Plagiate, die der Zoll entdeckt, kommen aus China (29 Prozent). Es folgen die USA und die Türkei (16 bzw. 10 Prozent).

Meldung gespeichert unter: BITKOM

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