Dell übt den Befreiungsschlag und will Softwareumsätze verdreifachen

Dienstag, 24. Juli 2012 12:34
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(IT-Times) - Der texanische PC-Hersteller Dell steckt in der Zwickmühle. Zum einen muss das Unternehmen Kosten senken, um das gesunkene Umsatzniveau dem Kostenniveau anzupassen, zum anderen muss der PC-Hersteller neue Wachstumsfelder erschließen.

Eine große Herausforderung für den PC-Bauer, der zuletzt unter rückläufigen Marktanteilen im Kerngeschäft litt. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung hat Dell bereits mit der Übernahme von Quest Software für rund 2,4 Mrd. US-Dollar getan. Mit der Übernahme will Dell wettbewerbsfähiger im Bereich Server-, Speicher- und Netzwerkprodukte werden, erklärt Dell Software Group President John Swainson die Motivation für den Zukauf. Zudem steigt Dell mit dem Zukauf zu einem der weltweit größten Anbieter von Data-Management-Software auf.

Dell hofft auf weitere Synergieeffekte aus dem Quest-Zukauf
Die Übernahme lohnt sich für Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) nicht nur in finanzieller Hinsicht. Quest Software konnte für das vergangene Jahr 2011 einen Umsatz von 857 Mio. Dollar und einen Nettogewinn von 1,32 Dollar je Aktie ausweisen. Im nachfolgenden Jahr 2013 könnte Quest bereits eine Mrd. US-Dollar zum Dell-Gesamtumsatz beisteuern, glauben nicht nur Analysten.

Zudem erhält Dell Zugriff auf die rund 100.000 Quest-Kunden sowie auf die rund 4.000 Solution-Partner, mit denen Quest zusammenarbeitet. Hieraus könnten sich weitere Cross-Selling-Möglichkeiten für Dell ergeben. Die Texaner könnten Hardware, Thin Clients und Virtualisierungslösungen an Quest-Partner verkaufen.

Dell visiert fünf Mrd. Dollar Umsatz im Softwaregeschäft an
Insgesamt soll der Zukauf einem höheren Ziel dienen. Dell will weg vom margenschwachen Hardware-Geschäft und hin zum IT-Service- und Softwaregeschäft, welches höhere Gewinnmargen abwirft. Schon in den nächsten 12 Monaten soll das Dell-Softwaregeschäft rund 1,5 Mrd. Dollar zum Gesamtumsatz beisteuern. Im Fiskaljahr 2016 will Dell dann bereits mehr als zwei Mrd. US-Dollar im Softwarebereich erwirtschaften. In den kommenden Jahren peilt Dell einen jährlichen Umsatz von fünf Mrd. US-Dollar im Softwaregeschäft an, so Dell-Manager Swainson.

Die Akquisition von Quest Software dürfte daher nur der erste große Schritt gewesen sein, weitere Übernahmen im Softwaresegment dürften voraussichtlich bald folgen...

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.). Insgesamt operiert Dell heute aus vier Kerngeschäftsfelder heraus: Large Enterprise (große Firmenkunden), Public (öffentlicher Dienst, Behörden), Small and Medium Business (Mittelstand) und Consumer (Privatkunden).

Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, inzwischen gehören auch Server, Speichersysteme, Drucker, Workstations und Smartphones zum Produktportfolio der Texaner. Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Dell durch eine Reihe von Zukäufen. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen. Anfang 2009 schluckte Dell die Microsoft-Beratungseinheit Allin Corp. Im Herbst 2009 schloss Dell die Übernahme des IT-Servicespezialisten Perot Systems ab. In 2010 setzte Dell seine Einkaufstour weiter fort, wobei mit InSite One und Compellent weitere Firmen übernommen wurden. Anfang 2011 schluckte Dell den IT-Sicherheitsspezialisten SecureWorks. Daneben wurden mit Kace Networks, Ocarina Networks, Scalent Systems und Boomi weitere Firmen aufgekauft. Anfang 2012 schluckte Dell den Backup-Spezialisten AppAssure sowie die Softwarefirma Quest Software.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diese Plattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse.

Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2013 meldete Dell einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 14,42 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 15,02 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn von Dell brach um 33 Prozent auf 635 Mio. US-Dollar oder 36 US-Cent je Aktie ein, nachdem der Absatz an Großkonzerne, Konsumenten und den öffentlichen Sektor stockte. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Dell einen Nettogewinn von 43 US-Cent je Aktie realisieren und blieb damit hinter den Gewinnschätzungen der Analysten zurück. Diese hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 46 US-Cent je Aktie und mit Einnahmen von 14,91 Mrd. Dollar gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Dell

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