Dell leidet unter dem Apple-Effekt

Mittwoch, 30. Mai 2012 14:15
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(IT-Times) - Der US-Computerhersteller Dell steckt in der Krise. Nachdem das Unternehmen im jüngsten Quartal die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Wall Street verfehlte, tauchten die Papiere um mehr als 20 Prozent ab und markierten zuletzt ein neues Jahrestief.

Dell verlor zuletzt insbesondere im Privatkundengeschäft Marktanteile an Tablet-Hersteller wie Apple. Das Consumer-Geschäft brach um 12 Prozent auf 3,0 Mrd. US-Dollar ein. Aber nicht nur Apple machte den Texanern zu schaffen. Dell wollte sich eigenen Angaben zufolge nicht an den Preiskämpfen im asiatischen Notebook-Markt beteiligen, man habe auf zusätzliche Umsätze verzichtet. Analysten zweifeln nunmehr, ob Dell trotz der verfehlten Erwartungen seine Jahresziele erreichen kann. Bislang hatten Analysten mit einem marginalen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr gerechnet.

Konsumenten greifen zu Smartphones und Tablets - traditionelle PC-Hersteller haben das Nachsehen
Viel schwer wiegt die Tatsache, dass Dell nach wie vor im Tablet PC Markt de facto nicht präsent ist. Konsumenten greifen inzwischen aber immer öfter zu alternativen PC-Geräten wie eben zu Smartphones und Tablet PCs. Hier hat Dell bislang wenig zu bieten. Bis Jahresende will Dell einen eigenen Tablet PC mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem Windows 8 auf den Markt bringen. Bis dahin könnte der Zug für Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) im Tablet PC Markt längst abgefahren sein, dominieren Android-basierte Tablets und Apple den Markt.

Marktbeobachter und Analysten sehen die Chance für Dell im IT-Markt und im Geschäft mit Firmenkunden. Hier hat sich Apple bislang schwer getan im großen Stil Fuß zu fassen. Erste Schritte zum Full-Service IT-Provider hat Dell bereits eingeleitet. In der Vergangenheit wurden verschiedene IT-Spezialisten wie Perot Systems aufgekauft. Zuletzt schloss Dell auch die Übernahme von Wyse Technoology und Make Technologies ab, wodurch Dell seinem Ziel sich als echter end-to-end IT-Lösungsanbieter zu präsentieren, näher kommt.

Weitere Übernahmen im Softwarebereich erwartet
Auch die jüngsten Spekulationen rund um eine bevorstehende Übernahme von Quest Software passen da gut ins Bild. Durch eine Akquisition würde sich Dell Professional Services Automation Produkte einverleiben und seine Position im Markt für Managed Services stärken. In diesem Markt dominieren bislang ConnectWise, Autotask und TigerPaw Software.

Bislang hatte Dell mit seinen Software-Akquisitionen nicht viel Glück. Marktbeobachter führen dies auf die Hardware-basierte Firmenkultur zurück. Dell müsse durch eine Rolle rückwärts versuchen, sich als Software- und IT-Servicespezialist neu aufzustellen, so der allgemeine Tenor in der Industrie. Im reinen PC- und Tablet-Geschäft sieht die Mehrheit der Analysten die Zukunft eher bei Apple.

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.). Insgesamt operiert Dell heute aus vier Kerngeschäftsfelder heraus: Large Enterprise (Geschäft von großen Firmenkunden), Public (öffentlicher Dienst, Behörden), Small and Medium Business (Mittelstand) und Consumer (Privatkunden).

Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, inzwischen gehören auch Server, Speichersysteme, Drucker, Workstations und Smartphones zum Produktportfolio der Texaner.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen. Anfang 2009 schluckte Dell die Microsoft-Beratungseinheit Allin Corp. Im Herbst 2009 schloss Dell die Übernahme des IT-Servicespezialisten Perot Systems ab. In 2010 setzte Dell seine Einkaufstour weiter fort, wobei mit InSite One und Compellent weitere Firmen übernommen wurden. Anfang 2011 schluckte Dell den IT-Sicherheitsspezialisten SecureWorks. Daneben wurden mit Kace Networks, Ocarina Networks, Scalent Systems und Boomi weitere Firmen aufgekauft. Anfang 2012 schluckte Dell den Backup-Spezialisten AppAssure. Gleichzeitig wurden in 2012 mit Make Technologies und Wyse Technologies zwei weitere Zukäufe abgeschlossen.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diese Plattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse.

Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2013 meldet Dell einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 14,42 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 15,02 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn von Dell brach um 33 Prozent auf 635 Mio. US-Dollar oder 36 US-Cent je Aktie ein, nachdem der Absatz an Großkonzerne, Konsumenten und den öffentlichen Sektor stockte. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Dell einen Nettogewinn von 43 US-Cent je Aktie realisieren und blieb damit hinter den Gewinnschätzungen der Analysten zurück. Diese hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 46 US-Cent je Aktie und mit Einnahmen von 14,91 Mrd. Dollar gerechnet.

Im Geschäft mit Enterprise Lösungen und Services wuchsen die Erlöse um zwei Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar. Das Server- und Netzwerk-Geschäft wuchs um zwei Prozent, während das Speichergeschäft um 24 Prozent auf 423 Mio. Dollar zulegte. Insgesamt schrumpften die Produkt-Umsätze aber um fünf Prozent auf 11,42 Mrd. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Dell

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