Dell bleibt weiter in der Defensive

Montag, 22. Februar 2010 14:12
Dell

(IT-Times) - Der weltweit drittgrößte PC-Hersteller Dell (Nasdaq: DELL, WKN: 875403) konnte mit seinen Zahlen zum vergangenen Januarquartal nicht überzeugen. Marktbeobachter fragen sich, wie wettbewerbsfähig der einstige Marktführer noch ist. Nachdem der Rivale Hewlett-Packard (HP) bereits im Jahr 2007 an HP vorbeigezogen ist, hatte zuletzt auch die taiwanesische Acer die Texaner überholt.

Dell kam im vierten Quartal 2009 nur noch auf einen Marktanteil von 12,4 Prozent, so die Marktforscher aus dem Hause IDC, während HP seinen Marktanteil leicht auf 21 Prozent ausbauen konnte. Acer zog an Dell mit einem Marktanteil von 13,4 Prozent vorbei. Um Acer wieder zu überholen, setzt Dell insbesondere auf die Wachstumsmärkte in Indien und China.

Indien und China sollen Dell wieder zurück an die Spitze bringen
Insbesondere in Indien sieht Dell-Präsident Steve Felice noch erhebliches Wachstumspotential für das Unternehmen. Das Indien-Geschäft von Dell ist inzwischen knapp eine Mrd. Dollar schwer, nachdem Dell im vierten Quartal 2009 in Indien ein Wachstum von 52 Prozent verzeichnen konnte. Indien trägt inzwischen zwei Prozent des gesamten Umsatzes. Mit neuen Lösungen in den Bereichen eGovernment, Bildung und Gesundheit will Dell im indischen Markt punkten.

Auch in China hofft das Unternehmen auf einen weiteren Wachstumsschub. Das China-Geschäft hat mittlerweile ein Volumen von vier Mrd. Dollar erreicht, womit das Geschäft rund sieben Prozent zu den Gesamterlösen beisteuert. China hatte zuletzt ein Konjunkturpaket für den Mittelstand geschnürt. Genau davon will auch Dell profitieren und hofft auf weiterhin hohe zweistellige Wachstumsraten.

Höhere Kosten lassen Gewinnmargen schrumpfen
Neben den Marktanteilsverlusten monieren Analysten insbesondere die mangelnde Ertragsstärke von Dell. Die operativen Kosten des Unternehmens waren zuletzt nicht so stark gesunken, wie erhofft. Die Bruttomarge schrumpfte zuletzt auf 17,4 Prozent vom Umsatz, nach 18,2 Prozent im Jahr vorher. Höhere Komponentenkosten und Produkte mit niedrigeren Gewinnmargen hatten das Ergebnis zuletzt belastet.

Um einen weiteren Rückgang der Gewinnmargen zu vermeiden, will Dell nicht den gleichen Weg gehen, den der taiwanische Hersteller Acer verfolgt, wie Dell-Manager Felice gegenüber der Taipei Times klarstellt. Der Dell-Rivale konnte insbesondere mit billigen Netbooks bzw. Notebooks Marktanteile gewinnen, gibt sich aber dabei mit niedrigeren Gewinnmargen zufrieden.

Dell hingegen will einen anderen Weg gehen, ohne dabei die Profitabilität aufs Spiel zu setzen, so Dell-Manager Felice weiter. Ob hierfür allein das Wachstum in China und Indien ausreichen werden, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Allerdings dürfte der Markt für Dell weiterhin schwierig werden, zumal Dell-Konkurrent Acer bereits angekündigt hat, in den nächsten Jahren zur Nummer eins, Hewlett-Packard, aufschließen zu wollen…

Kurzportrait

Der in Round Rock/Texas ansässige Computerhersteller Dell setzt insbesondere auf den Direktvertrieb seiner Produkte ohne Zwischenhandel, um so Kostenvorteile erzielen zu können. Im Jahr 2007 hat Dell aber seine Strategie geändert und verkauft seine PCs auch über den Einzelhandel (Wal-Mart etc.). Insgesamt operiert Dell heute aus vier Kerngeschäftsfelder heraus: Americas Commercial (Europa, dem Mittleren Osten und Afrika Africa (EMEA) Commercial, Asia Pacific-Japan (APJ) Commercial und Global Consumer.

Gegründet im Mai 1984 erlebte das Unternehmen unter seinem visionären Gründer Michael Dell insbesondere in den 90er Jahren einen rasanten Aufstieg. Michael Dell, welcher am längsten einer Company als CEO (Chief Executive Officer) vorsteht, kehrte erst jüngst wieder an die Führungsspitze zurück. Dell fertigt heute längst nicht mehr nur Desktop-Systeme, auch wenn der Desktop- und Notebookbereich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes trägt. Inzwischen gehören auch Server, Speichersysteme, Drucker und Workstations zum Produktportfolio der Texaner. Nach der Kooperation mit Lexmark, will Dell auch im Bereich Unterhaltungselektronik stärker Fuß fassen.

Daneben ist das Unternehmen durch seine PowerEdge-Produktlinie im Servermarkt vertreten, während sich das Unternehmen mit seinen PowerVault-Systemen im Speichermarkt engagiert. Mit seinem Precision-Workstations geht das Unternehmen einen von Sun dominierten Markt an. Die Desktop-Systeme der Reihe OptiPlex, sowie die Notebook-Serie Latitude sind dabei auf Geschäfts- und Firmenkunden zugeschnitten, während Dell mit seinen Dimension-PCs und Inspiron-Notebooks insbesondere private Anwender ansprechen will. Im High-End- und Spielesegment verstärkte sich Dell Anfang 2006 durch die Übernahme des PC-Spezialisten Alienware. Im Jahr 2007 kaufte Dell unter anderem die beiden Softwarespezialisten Zing Systems und ASAP Software zu. Zudem wurde der SaaS-Spezialist MessageOne übernommen. Anfang 2009 schluckte Dell die Microsoft-Beratungseinheit Allin Corp. Im Herbst 2009 gab Dell ein Milliardenübernahmeangebot für den IT-Servicespezialisten Perot Systems ab.

Dell setzt in Sachen Vermarktung und Service vornehmlich auf seine gleichnamige Internet-Plattform. Über diesePlattform stellt das Unternehmen nicht nur Serviceleistungen und Support, wie den virtuellen Helfer Ask Dudley zur Verfügung, sondern erwirtschaftet gleichzeitig auch die Hälfte seiner Umsatzerlöse darüber. Insgesamt ist Dell heute mit mehr als 30.0000 technischen Support-Mitarbeitern in mehr als 170 Ländern weltweit präsent. Unternehmensgründer Michael Dell hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2009 meldet Dell einen Umsatzanstieg um elf Prozent auf 14,9 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn schrumpfte allerdings leicht auf 334 Mio. Dollar oder 17 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 351 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen etwaiger Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme von Perot Systems konnte Dell einen Nettogewinn von 28 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld mit einem Plus von 27 US-Cent je Aktie und mit Einnahmen von 13,8 Mrd. Dollar gerechnet hatten.

Insgesamt brachte Dell im jüngsten Quartal 16 Prozent mehr Produkte zur Auslieferung, wobei Dell insbesondere im Bereich der Mittelstandskunden ein Plus von 18 Prozent verzeichnete. Im Privatkundengeschäft zogen die Auslieferzahlen um 29 Prozent an. Das Notebook-Geschäft zog dabei mit einem Plus von 32 Prozent besonders deutlich an. Nachdem immer mehr Privatkunden auf kostengünstige Netbooks setzen litten die Gewinnmargen, die sich im jüngsten Quartal auf 17,4 Prozent vom Umsatz summierten. Analysten hatten an dieser Stelle ein Marge von 18 Prozent erwartet.

Im Geschäft mit großen Firmenkunden (Large Enterprise) setzt Dell 4,2 Mrd. Dollar und damit acht Prozent mehr um als im Vorjahr. Der operative Gewinn summierte sich auf 281 Mio. Dollar. Der Bereich Public generierte Erlöse von 3,8 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von 16 Prozent. Im Consumer-Berech kletterten die Erlöse um elf Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar, während das Mittelstandsgeschäft um zehn Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar anzog.

Meldung gespeichert unter: Dell

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