Broadcom will Krise für Zukäufe nutzen

Freitag, 12. Dezember 2008 12:38
Broadcom

(IT-Times) Erst Anfang November hatte der US-Breitbandspezialist Broadcom (Nasdaq: BRCM, WKN: 913684) sein 3.000tes Patent zugeteilt bekommen, allerdings bleibt auch der zuletzt wachstumsstarke US-Chiphersteller nicht vom Konjunkturabschwung verschont. Anfang Dezember musste auch Broadcom vor niedrigeren Umsätzen warnen, nachdem Kunden Aufträge gecancelt haben.

Dennoch glauben Marktbeobachter und Analysten, dass Broadcom den Abschwung in der Halbleiterindustrie besser meistern wird, als manch anderer Chiphersteller. Zum einen schreibt Broadcom trotz der Krise nach wie vor satte Gewinne, zum anderen will Broadcom auch künftig seine operativen Kosten durch effektives Kosten-Management weiter straffen. Daneben scheint das Unternehmen aufgrund seines Produktportfolios besser gegen den Abschwung gewappnet.

Broadcom setzt auf digitales TV
So ist Broadcom inzwischen im Bereich digitales Fernsehen engagiert. Dieser Geschäftsbereich legte trotz Wirtschafts- und Finanzkrise zuletzt weiter zu und glich das schwächelnde Geschäft mit Breitbandmodems und set-top-Boxen teilweise aus. Mit der Übernahme des DTV-Chipgeschäfts von AMD verstärkte Broadcom zuletzt nochmals seine Marktposition in diesem Marktsegment.

Durch die Übernahme des Spezialisten Sunext Design im Frühjahr dieses Jahres, kommen immer mehr Broadcom-Lösungen auch in Blu-ray Playern zum Einsatz. Nachdem Ende des Streits im Bezug auf das DVD-Nachfolgeformat rechnen Marktbeobachter in den nächsten Jahren mit einer stark steigenden Nachfrage nach Blu-ray Playern, nachdem auch immer mehr Hersteller entsprechende Abspielgeräte auf den Markt bringen wollen. Broadcom ist in diesem Markt mit von der Party, hat das Unternehmen jüngst erst mit dem BCM7601 die dritte Generation seines Blu-ray SoC-Chipsatzes vorgestellt.

Touchscreen-Boom beflügelt Broadcom
Ferner profitiert Broadcom auch vom Boom im Bereich der Touchscreen-Displays, denn das Unternehmen bietet auch entsprechende Touchscreen-Controller an. Apple hatte diesen Trend mit seinem iPhone eingeleitet, so dass immer mehr Hersteller (HTC, Samsung, Nokia etc.) auf berühungsempfindliche Bildschirme setzen.

Dennoch will sich Broadcom mit den zahlreichen Zukäufen in den letzten Jahren nicht zufrieden geben. Am Mittwoch kündigte Broadcom-Chef Scott McGregor an, aktiv nach weiteren Übernahmekandidaten Ausschau halten zu wollen.

Der Zeitpunkt für Zukäufe könnte nicht besser sein. Die Bewertungen vieler Technologiefirmen sind in den vergangenen Monaten stark gesunken, wobei viele Hightech-Firmen Kapital suchen, um ihre Entwicklungen voranzutreiben. Broadcom könnte sich damit für den nächsten Aufschwung schon einmal in Stellung bringen, zumal der US-Chiphersteller auf Barreserven von rund 2,2 Mrd. Dollar sitzt…

Kurzportrait

Die im kalifornischen Irvine ansässige Broadcom gilt als einer der führenden Entwickler von digitalen Breitbandchips. Das Unternehmen bietet dabei nicht nur Chipsätze für set-top Boxen, sondern auch entsprechende Speicherbausteine für Kabelmodems, Mobilfunktelefone und DVD- und DSL-Produkte an. Die von Broadcom entwickelten ICs (Integrated Circuits) finden in mehr als 90 Prozent aller angebotenen Kabelmodems Verwendung. Gleichzeitig bietet Broadcom aber auch Produkte rund um das Protokoll VoIP an, welches günstiges telefonieren über das weltweite Computernetz Internet ermöglicht. Ebenfalls im Produktprogramm von Broadcom: Spezielle Chipsätze, die vor allem im Zusammenhang mit Bluetooth-Produkten zum Einsatz kommen. Transceiver und Switches für optische Netze ergänzen das Produktportfolio von Broadcom ebenso.

Broadcom sorgte in den letzten Jahren vor allem durch seine aggressive Expansionsstrategie für Aufmerksamkeit. Mitte 1999 wurden mit Maverick Networks, Epigram, Armedia und HotHaus Technologies fünf Firmen übernommen. Im Jahr 2000 wurden gleich zehn Technologie-Unternehmen aufgekauft. Darunter BlueSteel Networks, ein Entwickler von Prozessoren, die unter anderem im Bereich Internet-Sicherheit eingesetzt werden. Mit der Übernahme von SiByte gelang Broadcom ein weiterer Coup, der die Produktlinie des Unternehmens im Bereich Netzwerk-Prozessoren nachhaltig stärken sollte. Im Jahr 2001 sorgte die Übernahme von ServerWorks, ein führender Anbieter von Komponenten für Server-Plattformen, für Schlagzeilen. Auch der Spezialist für optische Netzwerke Allayer Communications gehört inzwischen zur Broadcom-Unternehmensfamilie. Mit Mobilink Telecom, Gadzoox Networks und RAIDCore, kaufte Broadcom später weitere drei Firmen hinzu. Zudem wurden mit Sand Video, WIDCOMM und den Halbleiterspezialisten Zyray Wireless in 2004 weitere Akquisitionen getätigt. Im Jahr 2005 übernahm Broadcom den Bluetooth-Spezialisten Zeevo sowie den Ethernet-Spezialisten Siliquent Technologies. Anfang 2006 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipspezialisten Sandburst. Ende 2006 wurde der Netzwerkspezialist LVL7 hinzugekauft. Mitte 2007 verstärkte sich Broadcom im GPS-Chipbereich und übernahm den Spezialisten Global Locate. Anfang 2008 folgte die Übernahme des Blu-ray Spezialisten Sunext Design. Ende 2008 verstärkte sich Broadcom im Bereich digitaler TV-Chips und übernahm die DTV-Einheit von AMD.

Zu den Hauptabnehmern von Broadcoms Halbleitern zählen unter anderem der Mobilfunkspezialist Motorola, Hewlett-Packard, Cisco Systems und 3Com. Auch in der Nintendo-Konsole Wii kommen Broadcom-Chips zum Einsatz.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2008 meldet Broadcom einen Umsatzanstieg um 37 Prozent auf rund 1,3 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 950 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei profitierte Broadcom von einer Lizenzzahlung in Höhe von 38 Mio. Dollar bedingt durch ein im Juli 2007 geschlossenes Lizenzabkommen.

Der Gewinn kletterte im jüngsten Quartal auf 164,9 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 27,8 Mio. Dollar oder fünf US-Cent je Anteil im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Broadcom im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 50 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,27 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 44 US-Cent je Aktie gerechnet. Für das jüngste Quartal wies Broadcom Bruttomargen von 52,3 Prozent aus.

Meldung gespeichert unter: Broadcom

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