Broadcom kämpft an mehreren Fronten - Apple bleibt wichtiger Kunde

US-Chipspezialist will im LTE-Chipmarkt Fuß fassen

Dienstag, 24. September 2013 12:58
Broadcom

(IT-Times) - Der US-Chiphersteller Broadcom hatte zuletzt einen schweren Stand. Neben dem intensiven Wettbewerb durch Qualcomm machten Gerüchte die Runde, wonach auch Apple seine eigenen Connectivity-Produkte entwickeln könnte und Broadcom damit langfristig aus dem lukrativen Geschäft ist.

Das Geschäft mit Apple ist für Broadcom von großer Bedeutung, erwirtschaftete Broadcom in der Vergangenheit nach Schätzungen der Investmentbanker aus dem Hause Pacific Crest etwa 30 bis 35 Prozent der Umsätze.

Inzwischen hat Broadcom (Nasdaq: BRCM, WKN: 913684) die Abhängigkeit von Apple zwar spürbar reduzieren können, jedoch dürfte der US-Chiphersteller auch in 2013 nach Schätzungen der Analysten aus dem Hause Benchmark Capital weiterhin etwa zehn bis elf Prozent seiner Umsätze über Apple erwirtschaften.

Broadcom liefert Connectivity-Chips für die neuen iPhones
Umso wichtiger ist für Broadcom die Nachricht, dass Broadcom-Chips offenbar auch beim neuen iPhone 5c bzw. iPhone 5s mit an Bord sind. Dies hat zumindest eine Analyse der Reparaturspezialisten aus dem Hause iFixit ergeben. So sollen nicht nur die Connectivity-Chips (WiFi, Bluetooth, FM und GPS) von Broadcom stammen, sondern auch der Touchscreen-Controller. Damit scheinen zunächst die Bedenken vom Tisch, wonach Apple Broadcom durch andere Zulieferer (Qualcomm, Renesas) ersetzt hat.

FBR-Analyst Christopher Rolland ist nach Gesprächen mit Industriekreisen zuversichtlich, dass die Connectivity-Chips von Broadcom weiterhin in Apple-Produkten bis zum iPhone 6 und darüber hinaus zu finden sein werden.

Broadcom macht im LTE-Chipmarkt Ernst - erste Umsätze in 2014
An der anderen Front kämpft Broadcom gegen die Übermacht von Qualcomm im Bereich LTE Modem-Chips. Qualcomm dominierte den Markt für LTE-Chips in 2012 mit einem Marktanteil von geschätzten 86 Prozent, gefolgt von Samsung mit einem Marktanteil von neun Prozent.

Broadcom spielte in diesem Markt bis dato keine Rolle. Dies soll sich in 2014 ändern. Hierfür hat sich Broadcom jüngst die Renesas Division Renesas Mobile inklusive 4G-Techniken für 164 Mio. Dollar einverleibt. Renesa hatte die entsprechenden Assets von Nokia in 2010 für rund 200 Mio. Dollar übernommen.

Broadcom CEO Scott McGregor kündigte zuvor in diesem Jahr an, dass ein starkes LTE-Produkt aus dem Hause Broadcom zu erwarten sei. Das LTE-Geschäft soll dann in 2014 erste Umsätze generieren, verspricht der Broadcom-Manager.

Kurzportrait

Die im kalifornischen Irvine ansässige Broadcom gilt als einer der führenden Entwickler von System-on-a-Chip (SoC) Lösungen. Das Unternehmen bietet dabei nicht nur Chipsätze für Mobiltelefone und Set-top-Boxen, sondern auch entsprechende Speicherbausteine für Kabelmodems, Ethernet- und DSL-Produkte an. Heute operiert Broadcom aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Broadband Communications, Mobile and Wireless und Infrastructure & Networking.

Ebenfalls im Produktprogramm von Broadcom: Spezielle Chipsätze, die vor allem im Zusammenhang mit Bluetooth-Produkten zum Einsatz kommen. Transceiver und Switches für optische Netze ergänzen das Produktportfolio.

Broadcom sorgte in den letzten Jahren vor allem durch seine aggressive Expansionsstrategie für Aufmerksamkeit. Mit Mobilink Telecom, Gadzoox Networks und RAIDCore, Sand Video, Sandburst, LVL7 WIDCOMM und den Halbleiterspezialisten Zyray Wireless, Locate kaufte Broadcom in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Firmen auf. Ende 2008 verstärkte sich Broadcom im Bereich digitaler TV-Chips und übernahm die DTV-Einheit von AMD. Ende 2009 übernahm Broadcom den Spezialisten Dune Networks. Anfang 2010 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipherstellers Teknovus. Mitte 2010 schluckte Broadcom die britische Innovision Research and Technology. Mit Beceem Communiations, Gigle Networks und Percello folgten in 2010 weitere Zukäufe. In 2011 übernahm Broadcom den Spezialisten Provigent. Anfang 2012 schluckte Broadcom den Netzwerk-Chiphersteller NetLogic sowie den optischen Netzwerkspezialisten BroadLight.

Zu den Hauptabnehmern von Broadcoms Halbleitern zählen unter anderem der Mobilfunkspezialist Apple, Motorola, Nokia, Samsung, Hewlett-Packard, Cisco Systems und 3Com. Auch in der Nintendo-Konsole Wii kommen Broadcom-Chips zum Einsatz. Im Herbst 2013 kaufte Broadcom LTE-Assets von einer Einheit der japanischen Renesas Electronics.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2013 meldet Broadcom Corp einen Umsatzanstieg um sechs Prozent auf 2,09 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 1,97 Mrd. Dollar. Im jüngsten Quartal verlor Broadcom 251 Mio. US-Dollar oder 43 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 160 Mio. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Der Verlust resultiert unter anderem aus einer Wertberichtigung in Höhe von 501 Mio. Dollar im Bezug auf die Übernahme von NetLogic Microsystems. Broadcom hatte den Halbleiterspezialisten im Februar 2012 für 3,7 Mrd. Dollar gekauft.

Meldung gespeichert unter: Broadcom

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