Broadcom gilt als Hauptprofiteur des iPhone-Booms

Donnerstag, 15. September 2011 13:54
Broadcom

(IT-Times) - Mit einem Paukenschlag wartete der US-Breitbandchiphersteller Broadcom zu Wochenbeginn auf, der die Halbleiterbranche kräftig durcheinander wirbeln dürfte. Für 3,7 Mrd. Dollar will Broadcom den Chiphersteller NetLogic kaufen und damit sein Produktportfolio kräftig ausbauen - es ist die größte Übernahme des Halbleiterspezialisten bislang.

Strategisch passe das Unternehmen gut zu Broadcom, heißt es im Analystenhaus Kaufman Bros, gilt NetLogic als Spezialist für sogenannte Knowledge-basierte und digital front-end Prozessoren, Halbleiter, die für die nächste Chip-Generation im Bereich 4G-Mobillfunknetze von zentraler Bedeutung sind.

4G-Technik: Broadcom kann durch NetLogic-Zukauf Marktanteil verdoppeln
Die Akquisition dürfte bei Broadcom (Nasdaq: BRCM, WKN: 913684) nicht nur die Forschungs- und Entwicklungskosten senken, sondern auch die Zeit im Bezug auf Produktneueinführungen (time to market) reduzieren. Broadcom geht davon aus, dass der Zukauf den Gewinn pro Aktie Ende 2012 um zehn Cent je Anteil beflügeln wird.

Mit der Übernahme kann Broadcom seinen Marktanteil für Teile im Zusammenhang mit mobilen Breitbandnetzen (4G, LTE) sofort verdoppeln. Diese Netzwerke dürften in der Zukunft eine große Rolle spielen, zumal immer mehr Menschen auf Smartphones und Tablet PCs setzen, um von unterwegs aus ins Netz zu gehen.

Der Zukauf festigt zugleich Broadcoms Position im Markt für high-speed Datenverarbeitung, der inzwischen auf vier Mrd. US-Dollar taxiert wird. Oppenheimer-Analyst Richard Schafner weist daraufhin, dass bislang nur 10 bis 15 Prozent der Mobilfunknetze auf die schnellen Mobilfunkübertragungsstandards aufgerüstet worden sind.

Broadcom gilt als Nutznießer des iPhone-Booms
Bereits heute finden sich Broadcom-Chips in verschiedenen Apple-Produkten wie dem iPhone und dem iPad Tablet PC. Mit dem Zukauf dürfte Broadcom für seine bestehenden Kunden weiter an Attraktivität gewonnen haben, kann das Unternehmen nunmehr nahezu sämtliche Mobile-Chipprodukte aus einer Hand anbieten. Daher gilt Broadcom unter Analysten inzwischen als einer der Hauptprofiteure des neue iPhone 5, dürften sich im neuen Apple-Smartphone erneut Komponenten des Breitbandchipherstellers wiederfinden.

Kurzportrait

Die im kalifornischen Irvine ansässige Broadcom gilt als einer der führenden Entwickler von System-on-a-Chip (SoC) Lösungen. Das Unternehmen bietet dabei nicht nur Chipsätze für Mobiltelefone und Set-top-Boxen, sondern auch entsprechende Speicherbausteine für Kabelmodems, Ethernet- und DSL-Produkte an. Heute operiert Broadcom aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Broadband Communications, Mobile and Wireless und Infrastructure & Networking.

Ebenfalls im Produktprogramm von Broadcom: Spezielle Chipsätze, die vor allem im Zusammenhang mit Bluetooth-Produkten zum Einsatz kommen. Transceiver und Switches für optische Netze ergänzen das Produktportfolio von Broadcom ebenso.

Broadcom sorgte in den letzten Jahren vor allem durch seine aggressive Expansionsstrategie für Aufmerksamkeit. Mitte 1999 wurden mit Maverick Networks, Epigram, Armedia und HotHaus Technologies fünf Firmen übernommen. Im Jahr 2000 wurden gleich zehn Technologie-Unternehmen aufgekauft. Darunter BlueSteel Networks, ein Entwickler von Prozessoren, die unter anderem im Bereich Internet-Sicherheit eingesetzt werden. Mit der Übernahme von SiByte gelang Broadcom ein weiterer Coup, der die Produktlinie des Unternehmens im Bereich Netzwerk-Prozessoren nachhaltig stärken sollte. Im Jahr 2001 sorgte die Übernahme von ServerWorks, ein führender Anbieter von Komponenten für Server-Plattformen, für Schlagzeilen. Auch der Spezialist für optische Netzwerke Allayer Communications gehört inzwischen zur Broadcom-Unternehmensfamilie.

Mit Mobilink Telecom, Gadzoox Networks und RAIDCore, kaufte Broadcom später weitere Firmen hinzu. Zudem wurden mit Sand Video, WIDCOMM und den Halbleiterspezialisten Zyray Wireless in 2004 weitere Akquisitionen getätigt. Im Jahr 2005 übernahm Broadcom den Bluetooth-Spezialisten Zeevo sowie den Ethernet-Spezialisten Siliquent Technologies. Anfang 2006 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipspezialisten Sandburst. Ende 2006 wurde der Netzwerkspezialist LVL7 hinzugekauft. Mitte 2007 verstärkte sich Broadcom im GPS-Chipbereich und übernahm den Spezialisten Global Locate. Anfang 2008 folgte die Übernahme des Blu-ray Spezialisten Sunext Design. Ende 2008 verstärkte sich Broadcom im Bereich digitaler TV-Chips und übernahm die DTV-Einheit von AMD. Ende 2009 übernahm Broadcom den Spezialisten Dune Networks. Anfang 2010 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipherstellers Teknovus. Mitte 2010 schluckte Broadcom die britische Innovision Research and Technology. Mit Beceem Communiations, Gigle Networks und Percello folgten in 2010 weitere Zukäufe. In 2011 übernahm Broadcom den Spezialisten Provigent und kaufte den Netzwerk-Chiphersteller NetLogic auf.

Zu den Hauptabnehmern von Broadcoms Halbleitern zählen unter anderem der Mobilfunkspezialist Motorola, Nokia, Samsung, Hewlett-Packard, Cisco Systems und 3Com. Auch in der Nintendo-Konsole Wii kommen Broadcom-Chips zum Einsatz.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet Broadcom einen Umsatzanstieg um 12 Prozent auf 1,80 Mrd. US-Dollar. Dabei verzeichnete Broadcom einen Gewinneinbruch um 37 Prozent auf 175 Mio. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 278 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen verdiente Broadcom im jüngsten Quartal 72 US-Cent je Aktie, womit der Halbleiterspezialist die Markterwartungen der Analysten übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 63 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Broadcom

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