BITKOM fordert Roadmap für Energienetz der Zukunft

Dienstag, 11. Januar 2011 09:52
BITKOM

- Umfrage zur Akzeptanz von Smart Meter

- Scheer: Smart Grids statt Kohle fördern

- Großes Engagement von Japan und Südkorea

-  E-Energy-Kongress in Berlin

Berlin, 11. Januar 2011

Deutschland benötigt einen detaillierten Zeitplan für den Übergang zu einem umweltfreundlichen, dezentralen und intelligenten Energienetz. Diese Roadmap soll das Energiekonzept der Bundesregierung ergänzen. Das fordert der Hightech-Verband BITKOM. „Der Energiesektor steht vor einem radikalen Umbruch hin zu vielen kleinen Anbietern regenerativer Energien, die über ein dezentrales Netz ihre Energie verteilen. Regierung, Stromanbieter, Verbraucherschützer und Industrie sollten sich zusammensetzen, um gemeinsam den Aufbau des intelligenten Stromnetzes der Zukunft anzugehen“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer heute in Berlin. Anlass ist der zweite E-Energy-Kongress des Bundeswirtschaftsministeriums.

Im Energiekonzept der Bundesregierung bilden Erneuerbare Energiequellen die Grundlage der Stromversorgung im Jahre 2050. Nur intelligente Energienetze, so genannte Smart Grids, ermöglichen die effiziente Nutzung regenerativer wie fossiler Energiequellen und sind damit die Basis für eine umweltfreundliche Energieversorgung. „Mit Smart Grids können sich Verbraucher bewusst entscheiden, ob sie Windstrom von der Nordseeküste oder die Solarenergie lokaler Kleinstkraftwerke beziehen“, so Scheer.

Die Verbraucher müssten lernen, mit den neuen Möglichkeiten umzugehen. „Strom hat nicht nur eine Quelle, sondern künftig auch stündlich wechselnde Preise“, sagte Scheer. Dieses Verständnis in der Bevölkerung müssten Wirtschaft und Regierung fördern.

Derzeit halten zwei Drittel aller jungen und technikaffinen Menschen in Deutschland intelligente Stromzähler in der Wohnung prinzipiell für eine gute Idee. Doch nur ein knappes Drittel der Befragten will diese Smart Meter zuhause auch tatsächlich nutzen. Das ergab eine aktuelle Studie des Instituts für Information, Organisation und Management an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Studie wurde unter Leitung von Prof. Dr. Arnold Picot durchgeführt und von BITKOM unterstützt. Laut Umfrage steigt die Bereitschaft, Smart Meter zu nutzen mit dem Umweltbewusstsein der Befragten. Niedrigere Stromkosten sind hingegen kein entscheidender, bewusstseinsbildender Faktor. Damit die neue Technologie von den Verbrauchern akzeptiert werde, müsse sie zudem einfach zu bedienen sein. Kein Mensch wolle sich ständig Gedanken machen, wann er die Waschmaschine anstellt, um den billigsten Strom zu beziehen. Hier habe die Industrie die Aufgabe, komfortable Produkte zu liefern, deren Nutzen sofort erkennbar ist.

Das Stromnetz der Zukunft erfordert hohe Investitionen in Milliardenhöhe. „Investitionen in Smart Grids sind gut angelegt und erhöhen die geringe Investitionsquote in Deutschland. Wir müssen verstärkt in zukunftsfähige Technologien und Infrastrukturen investieren, die unsere Substanz stärken und zu Produkten führen, die wir auf den Weltmärkten erfolgreich anbieten können“, sagte Scheer. Deutschland sollte bei E-Energy seine sehr gute Ausgangsposition nutzen und rechtzeitig anfangen, Know-How aufzubauen, Standards mitzuentwickeln und in den Export von E-Energy zu gehen. „E-Energy-Politik ist Standortpolitik“, so Scheer.

Scheer verwies auf das entsprechende Engagement Südkoreas und Japans. Die beiden Länder haben 2010 jeweils 800 Millionen Dollar in Smart Grids investiert. Parallel beteiligen sich Unternehmen aus Japan und Korea gezielt an Smart-Grid-Projekten im Ausland, um Know-How für den Weltmarkt zu sammeln. In der Japanischen Smart Community Alliance sind über 500 Energie- und IT-Unternehmen sowie Forschungsinstitute und öffentliche Organisationen gebündelt. Auf der südkoreanischen Insel Jeju läuft derzeit ein Großprojekt mit knapp 170 Unternehmen aus der Energie und IT-Branche. Scheer: „Deutschland sollte die Milliarden-Subventionen für nicht-erneuerbare Energieformen wie Braun- und Steinkohle komplett streichen – das Geld ist in der Förderung und Erforschung zukunftsträchtiger erneuerbarer Energien und intelligenter Netze besser investiert.“

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