Bechtle: Wachstumsmotor Zukäufe

IT-Services

Donnerstag, 2. Mai 2013 13:57
Bechtle Unternehmenslogo

NECKARSULM (IT-Times) - Das deutsche IT-Systemhaus Bechtle AG will bis 2020 Umsatzerlöse in Höhe von fünf Mrd. Euro erreichen. Weitere Größen, die in der "Bechtle Vision 2020" niedergeschrieben wurden: Man beschäftigt dann 10.000 Mitarbeiter und erzielt eine Marge von fünf Prozent. Um diese Ziele zu erreichen, setzt Bechtle massiv auf die Übernahme geeigneter Gesellschaften. Auch 2013 hat der IT-Dienstleister bereits mehrere Übernahmen getätigt.

So hat Bechtle im März 2013 durch die Übernahme der Viritim Systemhaus GmbH den Geschäftsbereich Software und Anwendungslösungen gestärkt. Die 2001 gegründete Viritim Systemhaus GmbH mit Sitz in Karlsruhe ist auf Lösungen im Bereich der Microsoft Office-Technologien SharePoint und Exchange spezialisiert. Nach Angaben von Bechtle erwirtschafteten die zehn Consultants des Karlsruher Unternehmens im Jahr 2012 einen Umsatz von rund einer Mio. Euro. Bechtle machte keine detaillierten Angaben.

Im April gab man seitens Bechtle bekannt, mit der Akquisition der Sedna Informatik AG das Systemhausgeschäft durch Kompetenzen in den Bereichen IBM-Infrastruktur und Virtualisierung zu erweitern. Die im Jahr 2004 gegründete Sedna Informatik AG mit 17 Mitarbeitern soll schnellstmöglich mit der schweizerischen Tochtergesellschaft von Bechtle verschmolzen werden. Über den Kaufpreis für die Viritim Systemhaus GmbH und der Sedna Informatik AG machte man seitens Bechtle keine weiteren Angaben.

Zukäufe und Kooperationen

In den vergangenen Jahren ist Bechtle stetig durch Zukäufe gewachsen. Auch 2012 wurden unterschiedliche Akquisitionen getätigt. So übernahm die Bechtle AG (WKN: 515870) den SharePoint-Spezialisten Redmond Integrators GmbH aus Bochum, das IT-Systemhaus Kumatronik GmbH mit Sitz in Markdorf am Bodensee, den CAD-Vertriebsbereich der SPI Systemberatung GmbH und von der Unicam Software GmbH den Vertriebsbereich sowie den Kundenstamm für die CAD-Software SolidWorks.

Jüngst gab Bechtle zudem bekannt, die Zusammenarbeit mit IBM im Bereich Managed Services zu erweitern. Die Vereinbarung sieht den Wechsel von bis zu 60 Mitarbeitern aus dem Bereich IBM Business Services vor. Es wurde neben dem Mitarbeiter-Wechsel bekannt gegeben, dass Desktop- und Onsite-Services von IBM und von Bechtle gemeinsam ausgebaut werden sollen. Schon 2005 hatten beide Unternehmen einen vergleichbaren gemeinsamen Vertrag geschlossen. Rund 100 Mitarbeiter wechselten seinerzeit von IBM zu Bechtle. Die Kooperation mit dem US-Konzern könnte dem deutschen IT-Unternehmen weiteren Aufschwung bescheren, so dass die kommenden Quartalsergebnisse positiver ausfallen könnten.

Da der Umsatz von Bechtle in den vergangenen Jahren kontinuierlich stieg, trägt die Akquisitionsstrategie tatsächlich Früchte. Zuletzt entwickelte sich das Ergebnis allerdings weniger stark als der Umsatz, was auf höhere Kosten zurück zu führen sein dürfte, die auch aus den Zukäufen resultieren können.

Weitere Risiken durch Übernahmen lassen sich bei Bechtle auch in der Bilanz an der Position "Goodwill" auf der Aktivseite ablesen. Bei Übernahmen spiegelt der Goodwill den Aufpreis wider, den Unternehmen bereit sind, für die Übernahme zu bezahlen. Dieser Aufpreis lässt sich mit Synergieeffekten und neuen Marktanteilen begründen. Letztlich ist der Goodwill aber ein Schätzwert, auf den nicht allzu selten deutliche Abschreibungen vorgenommen werden müssen - eben dann, wenn sich die Hoffnungen zum Zeitpunkt der Übernahme im Zeitablauf nicht erfüllen. Bei Bechtle steigt der in der Bilanz ausgewiesene "Goodwill", was gleichbedeutend ist mit einem erhöhten Risiko, Abschreibungen vornehmen zu müssen. Allerdings musste Bechtle in der Vergangenheit solche Abschreibungen noch nicht vornehmen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1983 gegründete und in Neckarsulm ansässige Bechtle AG sieht sich als ein führendes IT-Dienstleistungsunternehmen und -Systemhaus in Deutschland. Das Unternehmen betreut sowohl Firmenkunden als auch den Öffentlichen Dienst mit IT-Services und kombiniert dabei sein Geschäft mit dem Direktvertrieb von IT-Produkten. Dabei bietet Bechtle sowohl Hardware- als auch Softwareprodukte über das Web an und ist damit auch im E-Commerce-Bereich aktiv. Das Serviceportfolio der Gesellschaft umfasst dabei sowohl IT-Projektplanung und dessen Umsetzung, sowie Beratung, bis hin zur Systemintegration und Wartung der Systeme. Daneben bietet das Unternehmen auch ein umfangreiches Schulungsprogramm an.

Im Systemhausbereich ist Bechtle an 65 Standorten mit entsprechenden Niederlassungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz aktiv. Im Rahmen der Erarbeitung von IT-Lösungen deckt man die Bereiche Client Management, Server- und Speicherlösungen, Netzwerke, Virtualisierung, IT-Sicherheit und Geschäftsanwendungen ab. Über seine bundesweit verteilten, aktuell 13 Bechtle Competence Center offeriert das Unternehmen Unterstützung bei komplexen Themen wie CAD, Security, Speicherlösungen und Virtualisierung. Im Handelsgeschäft ist Bechtle mit der Plattform Bechtle direkt am Markt vertreten. Insgesamt werden über die gleichnamige Internetseite und über einen Katalog mehr als 51.000 IT-Produkte offeriert. Mit diesem Angebot ist man derzeit in 14 Ländermärkten in Europa präsent.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Bechtle auch durch Zukäufe. So wurden unter anderem die IT-Spezialisten Delec AG und compartner systems GmbH als auch die niederländische Artikona hinzugekauft. Ebenfalls im Jahr 2005 übernahm Bechtle das Deskside Support Service-Geschäft von IBM. Anfang 2007 blieb Bechtle weiter auf Einkaufstour und übernahm das Essener Systemhaus ITZ I.T., womit das Servicegeschäft gestärkt wurde. Mit der Schweizer Comsoft direct und der Coma Services folgten weitere Zukäufe. Im Frühjahr 2007 übernahm Bechtle die niederländische buyitdirect.com und verstärkte sich damit im E-Commerce-Markt. Seit 1990 wurden insgesamt mehr als 30 Firmen übernommen. Mitte 2008 erwarb Bechtle das Wiener Systemhaus Madras Computer sowie die Tochtergesellschaft PSB AG vollständig. Gleichzeitig wurde eine neue Niederlassung in Irland eröffnet. Nach der Übernahme von Wrede Systemhaus GmbH (heute Bechtle GmbH), schluckte Bechtle im Frühjahr 2010 das Systemhaus iits. Im Sommer 2010 übernahm Bechtle die HTH Consulting GmbH mit Sitz in St. Pölten und erweiterte so die Geschäftsaktivitäten in Österreich. Zudem kaufte man das auf CAD-Software spezialisierte Systemhaus Solidpro Informationssysteme GmbH mit einem Jahresumsatz von 20 Mio. Euro.

2011 erwarb man das CAD-Systemhaus SolidLine AG mit 160 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 32 Mio. Euro. Zu SolidLine gehören auch 100 Prozent der Anteile an der Schweizer Solid Solutions AG mit Standorten in Zürich, Arbon und Schönbühl. Darüber hinaus gehört die auf Produktdatenmanagement und Product Lifecycle Management spezialisierte HCV Data Management GmbH zu SolidLine. Im Sommer teilte man seitens Bechtle dann mit, den in Hamburg ansässigen IT-Dienstleister HanseVision GmbH mit einem Jahresumsatz in Höhe von 3,6 Mio. Euro erworben zu haben.

Meldung gespeichert unter: Bechtle

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