Baidu auf den Spuren von Wikipedia

Montag, 15. Mai 2006 00:00

(IT-Times) Nachdem Chinas führende Internet-Suchmaschine Baidu.com (Nasdaq: BIDU<BIDU.NAS>, WKN: A0F5DE<B1C.FSE>) im vergangenen Quartal seine Umsätze verdreifachen und seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr vervielfachen konnte, explodierte der Aktienkurs des Unternehmens und legte innerhalb weniger Tage um rund 30 Prozent zu. Nach Gewinnmitnahmen hat sich inzwischen die Lage wieder etwas beruhigt, doch die positiven Zukunftsperspektiven für das Unternehmen bleiben.

Baidu bringt chinesisches Wikipedia

Die inzwischen zu Chinas meistbesuchte Webseite avancierte Baidu.com hält offenbar seine Mitstreiter Google & Co weiter in Schach, wie die jüngsten Zahlen eindrucksvoll beweisen. Doch das Unternehmen verlässt sich nicht nur auf Verbesserungen seiner Suchtechnik, auch versucht die Suchmaschine in anderen Bereichen Fuß zu fassen. Unmittelbar nach den jüngsten Zahlen präsentierte Baidu-Chef Robin Li die Online-Enzyklopädie Baidupedia (http://baike.baidu.com), die nach dem Vorbild der amerikanischen Wikipedia entstanden ist.

Nutzer können Inhalte selbst zusammentragen und so das selbst zensierte Baidupedia weiter ausbauen. Die Idee ist durchaus interessant, zumal chinesische Nutzer seit vergangenem Jahr keinen Zugang zur chinesischsprachigen Wikipedia-Ausgabe mehr haben. Die Behörden in Beijing blockten den Zugang zur Seite, da ihrer Meinung nach „gefährliche“ Inhalte auf Wikipedia zu finden waren. So endet auch die Suche auf Baidupedia nach „Dalai Lama“ oder „Falungong“ ohne Erfolg.

Neben Baidupedia hat man in diesem Jahr bereits eine Reihe weiterer neuer Services auf den Weg gebracht. Mit Baidu Ancient Chinese Literature Search bietet man eine Literatur-Suchmaschine an, wobei sich mit Baidu Government Search speziell Regierungswebseiten durchsuchen lassen. Mit Baidu Postal Code Search lassen sich Adressen anhand der Postleitzahlen ermitteln.

Kooperation mit Intel und Nokia

Große Hoffnungen setzt Baidu offenbar auch auf den Bereich mobile Suche. Im Rahmen einer Partnerschaft mit der finnischen Nokia, können Internet-Researchen künftig auch mittels Baidu Post Bar von ausgesuchten Nokia-Handys gestartet werden. Mit dem weltweit führenden Prozessorhersteller Intel will Baidu künftig gemeinsame Internet-Suchanwendungen entwickeln.

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu.com ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing bietet aber nicht nur Such-Services, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay for Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu.com sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben derzeit mehr als 740 Mio. Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Tochter Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen auch eine Desktop-Suchmaschine an - die erste Desktop-Suchmaschine, die sowohl die chinesische als auch die englische Sprache unterstützt.

Mit Baidu Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als 820.000 Diskussionsforen.

Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad entsprechend erhöhen will. Im Jahr 2006 startete Baidu weitere neue Angebote, wie die freie Online-Enzyklopädie Baidupedia.

Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch 26 Prozent der ausstehenden Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2006 meldet Baidu.com einen Umsatzanstieg auf 135,6 Mio. Yuan bzw. 16,9 Mio. US-Dollar, was eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreswert entspricht (45,7 Mio. Yuan). Dabei konnte der Suchmaschinenspezialist einen Nettogewinn von 35,2 Mio. Yuan (4,4 Mio. US-Dollar) oder 13 US-Cent je ADS-Aktie erwirtschaften, nach einem Plus von 2,5 Mio. Yuan im Jahr vorher.

Mit den vorgelegten Zahlen übertraf Baidu.com gleichzeitig auch die Erwartungen der Analysten, welche im Vorfeld nur mit Einnahmen von 15,1 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 12 US-Cent je Aktie kalkuliert hatten.

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