Applied Materials: Solarausrüstergeschäft wird zur Belastung

Halbleiter- und Solarausrüstung

Mittwoch, 21. November 2012 12:40
Applied Materials

(IT-Times) - Der weltgrößte Chipausrüster Applied Materials kämpft weiter mit der Investitionszurückhaltung aus der herstellenden Halbleiterindustrie. Die Umstellung auf neue 28nm-Herstellungsverfahren haben die Ausrüster zuletzt noch den schwarzen Zahlen gehalten, in 2013 drohen jedoch weitere Ausgabenkürzungen.

Applied Materials CEO Michael Splinter erwartet, dass die Ausgaben für Wafer-Fabrikausrüstung im nächsten Jahr um weitere fünf bis 15 Prozent auf 26 bis 30 Mrd. Dollar sinken werden. Hintergrund ist das nach wie vor schwache PC-Geschäft. Daher seien die Erwartungen für das Logic-Geschäft für 2013 eher gedämpft, so Splinter. Die Hoffnungen ruhen bei Applied daher auf neue Touch-basierte Ultrabooks, welche die Nachfrage nach entsprechender Produktionsausrüstung wieder anheizen sollen.

Solarausrüstergeschäft schreibt tiefrote Zahlen
Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) beliefert die weltgrößten Chipproduzenten wie TSMC, Samsung Electronics und Intel. Darüber hinaus ist Applied auch der größte Solarausrüster, was angesichts der aktuellen Krise in der Solarindustrie eine zusätzliche Belastung für den Konzern ist.

Das Solargeschäft bei Applied brach zuletzt kräftig ein und steuerte im jüngsten Quartal auch nur noch etwas über vier Prozent zum Gesamtumsatz bei. In der entsprechenden Sparte entstand zuletzt ein operativer Verlust von 46 Mio. Dollar (480 Mio. Dollar auf GAAP-Basis). Die Marktforscher im Hause Solarbuzz schätzen, dass die Ausgaben für Solar-Equipment in 2012 um mehr als 45 Prozent einbrechen werden, nachdem die Ausrüsterbranche in 2011 mit einem Branchenumsatz von 13,1 Mrd. Dollar ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Displays der nächsten Generation: Applied stellt neue Maschinen vor
Große Hoffnungen hegt Applied dabei unter anderem im Display-Geschäft, wo die Orders zuletzt um 24 Prozent von den Tiefständen auf 83 Mio. Dollar anzogen. Applied stellte jüngst erst eine neue PVD- und PECVD-Technik und Anlagen (Applied AKT-PiVot PVD und Applied AKT-PX PECVD) vor, die für die Herstellung von ultra-high HDTV-Geräte geeignet ist.

Diese erlauben den Einsatz neuer Materialien und Substanzen wie Igzo, wodurch Transistoren innerhalb von Displays kreiert werden können. Durch den Einsatz der neuen Materialien können Effekte, welche die Qualität des Displays negativ beeinflussen, reduziert werden. Gleichzeitig sollen die Geräte dadurch noch dünner und vor allem günstiger in der Herstellung werden.

Applied Display General-Manager Tom Edman sieht die Display-Industrie vor einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Erste Kunden hätten bereits exzellente Ergebnisse mit den neuen Applied-Systemen erzielt und man habe bereits mehrere Aufträge von führenden Display-Herstellern erhalten, so der Manager.

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiter- und Solarausrüstungsanlagen. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen. Insgesamt operiert Applied heute aus vier Kerngeschäftsbereichen heraus: Silicon Systems Group, Applied Global Services (AGS), Display sowie Energy and Environmental Solutions (EES).

Das Unternehmen, welches seit 1972 an der Börse gehandelt wird, kann auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Bereits im Jahre 1977 folge die internationale Expansion nach Europa. Zwei Jahre später war der Halbleiterspezialist auch mit einer Niederlassung in Japan vertreten. Der asiatische Wirtschaftsraum stand auch in den nachfolgenden Jahren weiter im Mittelpunkt. 1984 folgte eine Niederlassung in China. Von 1989 bis 1991 wurden weitere Tochterfirmen in Korea, Taiwan und Singapur gegründet. Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute mehr als 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse.

Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. Im Jahre 1997 setzte das Unternehmen seine Expansion durch die Übernahme von Opal und Orbot Instruments fort. Ein Jahr später folgte die Übernahme von Consilium, einem führenden Softwareentwickler in der Halbleiterindustrie. Im Jahre 2000 kaufte Applied dann den Spezialisten Etec Systems. Zuletzt übernahm Applied den Halbleiterspezialisten Boxer Cross, einen Anbieter von Kontrollverfahren bei der Halbleiterfertigung. Im Jahr 2006 übernahm Applied den Halbleiter- und Solarausrüster Applied Films und den Softwarespezialisten Brooks Software. Mitte 2006 verstärkte sich Applied erneut in der Solarindustrie und übernahm den Spezialisten HCT Shaping Systems (HCT). Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A. Ende 2009 übernahm Applied den Chip-Spezialisten Semitool. Im Mai 2011 kaufte Applied für 4,9 Mrd. Dollar den Konkurrenten Varian Semiconductor.

Mit etwa 14.000 Mitarbeitern und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als fünf Mrd. US-Dollar. Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel, als auch der Prozessorhersteller AMD und Motorola. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden wie den chinesischen Solarspezialisten LDK Solar.

Zahlen

Für das vergangene Oktoberquartal meldete Applied Materials einen Umsatzeinbruch auf 1,65 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 2,18 Mrd. US-Dollar im Jahr vorher. Dabei entstand zunächst ein Verlust (GAAP) von 499 Mio. Dollar, der unter anderem Restrukturierungskosten von 545 Mio. Dollar umfasst.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Applied einen Nettogewinn von sechs US-Cent je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 1,78 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn (Non-GAAP) von drei US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Applied Materials

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