Applied Materials mutiert zum Solarausrüster

Freitag, 13. Februar 2009 13:03
Applied Materials

(IT-Times) Auch wenn der weltweite Chiphersteller Intel in den nächsten Jahren sieben Mrd. Dollar in den Ausbau seiner Halbleiterfabriken investieren will, steht die Ausrüsterbranche vor einer ungewissen Zukunft. Der weltweit größte Halbleiterausrüster Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) bekam dies bereits im jüngsten Quartal zu spüren. Das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen und erwartet auch im laufenden Quartal einen weiteren Umsatzrückgang um 30 Prozent, nachdem die Aufträge für neue Maschinen und Anlagen zur Chipfertigung kräftig eingebrochen sind.

Die Hoffnung ruhte daher zuletzt auf das boomende Geschäft mit Anlagen zur Hersteller von Solarzellen. Das Unternehmen hat mit Applied Solar eigens eine eigene Einheit ins Leben gerufen, um dieses Geschäftsfeld zu bearbeiten. Das Geschäft, welches in der Einheit Energy and Environmental Solutions zusammengefasst ist, konnte seine Erlöse im jüngsten Quartal um 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 293 Mio. Dollar steigern. Damit steuerte der Geschäftsbereich bereits rund 22 Prozent zu den Gesamterlösen bei.

Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich allerdings auch in der Solar-Division ein kräftiger Rückgang. Noch im vierten Quartal konnte die Energy-Einheit Erlöse von 438 Mio. Dollar verbuchen.

Solar-Einheit erhält weiterhin mehr Aufträge
Allerdings war die Solar-Division die einzige Einheit bei Applied, die im jüngsten Quartal mit einem Auftragsvolumen von 321 Mio. Dollar ein Book-to-Bill-Ratio von über eins beim Auftragseingang aufweisen konnte. Damit bekam Applied mehr neue Aufträge herein, als abgerechnet wurden. Allerdings geht Applied davon aus, dass die Nachfrage nach kristalliner Solar-Ausrüstung im laufenden Jahr um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken könnte.

Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem Europa in Form von Deutschland und Spanien den Solarboom getragen haben, hofft Applied auf einen ähnlichen Boom in den USA. Die neue US-Regierung rund um Barack Obama will grüne Energietechniken weiter voranbringen, wobei die USA in den nächsten zehn Jahren nicht weniger als 150 Mrd. Dollar in die Branche investieren will. Daneben verweist Charlie Gay, Präsident bei Applied Solar, auf positive Entwicklungen in China. Die Regierung in Peking will ebenfalls verstärkt die Solartechnik nutzen, wobei der Energiebedarf in China gewaltig ist. Derzeit entsteht in China im Schnitt noch ein neues Kohlekraftwerk wöchentlich, weiß der Solar-Manager.

Noch aber ist es nicht soweit. Viele chinesische Solarspezialisten haben ihre ehrgeizigen Expansionspläne vorerst einmal auf Eis gelegt. Der Zugang zu Finanzierungen gestaltet sich als schwierig, so dass größere Projekte erst einmal verschoben werden. Damit muss auch Applied leben und bereitet sich auf eine längere Krise vor. Fabriken wurden geschlossen, Gehälter eingefroren bzw. gekürzt, um die Kosten um jährlich mehr als 400 Mio. Dollar zu drücken…

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiteranlagen und Zubehör, welche zur Chipherstellung eingesetzt werden. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen.

Das Unternehmen, welches seit 1972 an der Börse gehandelt wird, kann auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Bereits im Jahre 1977 folge die internationale Expansion nach Europa. Zwei Jahre später war der Halbleiterspezialist auch mit einer Niederlassung in Japan vertreten. Der asiatische Wirtschaftsraum stand auch in den nachfolgenden Jahren weiter im Mittelpunkt. 1984 folgte eine Niederlassung in China. Von 1989 bis 1991 wurden weitere Tochterfirmen in Korea, Taiwan und Singapur gegründet. Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute etwa 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse.

Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. Im Jahre 1997 setzte das Unternehmen seine Expansion durch die Übernahme von Opal und Orbot Instruments fort. Ein Jahr später folgte die Übernahme von Consilium, einem führenden Softwareentwickler in der Halbleiterindustrie. Im Jahre 2000 kaufte Applied dann den Spezialisten Etec Systems. Zuletzt übernahm Applied den Halbleiterspezialisten Boxer Cross, einen Anbieter von Kontrollverfahren bei der Halbleiterfertigung. Im Jahr 2006 übernahm Applied den Halbleiter- und Solarausrüster Applied Films und den Softwarespezialisten Brooks Software. Mitte 2006 verstärkte sich Applied erneut in der Solarindustrie und übernahm den Spezialisten HCT Shaping Systems (HCT). Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A.

Heute präsentiert sich Applied Materials als weltweit führender Ausrüster für die Halbleiterindustrie, welcher ein komplexes und umfassendes Produktsortiment anbietet. Mit etwa 14.000 Mitarbeiter und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als vier Mrd. US-Dollar.

Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel, als auch der Prozessorhersteller AMD und Motorola. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden wie den Spezialisten LDK Solar.

Zahlen

Für das zurückliegende Januarquartal meldet Applied einen Umsatzeinbruch um 36 Prozent auf 1,33 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 2,09 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 132,9 Mio. Dollar oder zehn US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Profit von 262,4 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie zu Buche stand.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Höhe von 133 Mio. Dollar in Form von Restrukturierungskosten ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettoverlust von 3,5 Mio. Dollar bzw. ein ausgeglichenes Ergebnis je Aktie, womit Applied die Markterwartungen erfüllen konnte. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,35 Mrd. Dollar sowie mit einer schwarzen Null je Aktie gerechnet.

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