Applied Materials freut sich über volle Auftragsbücher - LCD-Produzenten vor neuer Investitionsrunde

Freitag, 19. November 2010 13:46
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(IT-Times) - Der weltweit größte US-Halbleiterausrüster Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) konnte ein solides viertes Fiskalquartal 2010 melden. Obwohl das Unternehmen für das laufende erste Fiskalquartal 2011 einen Umsatzrückgang zwischen acht und 15 Prozent erwartet, sind die Aussichten auf das nächste Jahr nicht ganz so schlecht, wie befürchtet.

Applied profitiert vom Tablet PC-Boom
Applied dürfte vor allem von der höheren Nachfrage nach neuen Unterhaltungselektronikgeräten wie Tablet PCs profitieren. Allein im Jahr 2011 dürften rund 50 Millionen Tablet PCs verkauft werden und so für einen Umsatz von mehr als sechs Mrd. US-Dollar bei den Ausrüstern sorgen, schätzt man bei Applied. Bei den unabhängigen Marktforschern aus dem Hause Digitimes Research geht man sogar von 100 Millionen verkauften Tablet PCs in 2013 aus.

Dieses Wachstum dürfte auch die Nachfrage nach NAND-Flashspeichern und entsprechenden Produktionsanlagen im nächsten Jahr weiter antreiben - hier wird ein Wachstum von 90 Prozent erwartet. Kunden würden zunehmend die nächste Erweiterungsrunde beim Ausbau von Produktionskapazitäten in Erwägung ziehen, gibt sich Applied-Finanzchef George Davis zuversichtlich.

Gleiches gilt auch im LCD- und Display-Bereich, einem wichtigen Kerngeschäft von Applied. Im jüngsten Quartal schrumpften zwar die Display-Auftragseingänge um 27 Prozent auf 175 Mio. US-Dollar, doch auf Jahressicht verdoppelten sich die Aufträge in diesem Bereich auf 799 Mio. US-Dollar.

LCD-Hersteller hegen große Investitionspläne
Mögliche Neuaufträge könnten aus Japan winken. Der Elektronikgigant Sharp soll eine neue LCD-Fertigungsfabrik der zehnten Generation in China planen - hierfür seien Investitionen von 36 Mrd. Yuan bzw. 5,5 Mrd. US-Dollar vorgesehen, heißt es. Zuvor hatten bereits Samsung und LG Display Pläne vorgestellt, für sechs Mrd. US-Dollar eine Flachbildschirmfabrik in China bauen zu wollen, ähnliche Investitionspläne verfolgt auch die taiwanische AU Optronics in China.

Jede Investitionsmeldung in der Branche ist für Applied positiv, heizen diese den Wettbewerb unter den Anbietern an, wodurch Konkurrenten de facto zum Nachziehen gezwungen sind, wollen sie keine Marktanteile verlieren. Ein Spiegelbild dieser Entwicklung ist der Auftragsbestand bei Applied - dieser kletterte im jüngsten Quartal um 114 Mio. Dollar auf nunmehr 3,24 Mrd. US-Dollar.

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiter- und Solarausrüstungsanlagen. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen. Insgesamt operiert Applied heute aus vier Kerngeschäftsbereichen heraus: Silicon, Applied Global Services (AGS), Display sowie Energy and Environmental Solutions (EES).

Das Unternehmen, welches seit 1972 an der Börse gehandelt wird, kann auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Bereits im Jahre 1977 folge die internationale Expansion nach Europa. Zwei Jahre später war der Halbleiterspezialist auch mit einer Niederlassung in Japan vertreten. Der asiatische Wirtschaftsraum stand auch in den nachfolgenden Jahren weiter im Mittelpunkt. 1984 folgte eine Niederlassung in China. Von 1989 bis 1991 wurden weitere Tochterfirmen in Korea, Taiwan und Singapur gegründet. Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute etwa 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse.

Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. Im Jahre 1997 setzte das Unternehmen seine Expansion durch die Übernahme von Opal und Orbot Instruments fort. Ein Jahr später folgte die Übernahme von Consilium, einem führenden Softwareentwickler in der Halbleiterindustrie. Im Jahre 2000 kaufte Applied dann den Spezialisten Etec Systems. Zuletzt übernahm Applied den Halbleiterspezialisten Boxer Cross, einen Anbieter von Kontrollverfahren bei der Halbleiterfertigung. Im Jahr 2006 übernahm Applied den Halbleiter- und Solarausrüster Applied Films und den Softwarespezialisten Brooks Software. Mitte 2006 verstärkte sich Applied erneut in der Solarindustrie und übernahm den Spezialisten HCT Shaping Systems (HCT). Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A. Ende 2009 übernahm Applied den Chip-Spezialisten Semitool.

Mit etwa 14.000 Mitarbeitern und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als fünf Mrd. US-Dollar. Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel, als auch der Prozessorhersteller AMD und Motorola. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden wie den chinesischen Solarspezialisten LDK Solar.

Zahlen

Für das vergangene Oktoberquartal meldet Applied einen Umsatzsprung um 89 Prozent auf 2,89 Mrd. US-Dollar. Dabei konnte Applied einen Gewinn von 468 Mio. Dollar oder 35 US-Cent je Aktie realisieren, nach einem Profit von 137,9 Mio. Dollar oder zehn US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen summierte sich der Nettogewinn im jüngsten Quartal auf 36 US-Cent je Aktie, womit Applied die Markterwartungen der Analysten deutlich übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 2,59 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 31 US-Cent je Aktie gerechnet.

Für das somit abgeschlossene Fiskaljahr 2010 meldet Applied einen Umsatzsprung auf 9,55 Mrd. Dollar, womit sich die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt haben. Auf Jahressicht verdiente Applied 937,9 Mio. Dollar oder 70 US-Cent je Aktie, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein Verlust von 305,3 Mio. Dollar anfiel. Insgesamt konnte Applied einen positiven Cashflow in Höhe von 1,7 Mrd. Dollar aus dem operativen Geschäft im vergangenen Fiskaljahr generieren, nachdem mehr als 1,1 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung investiert wurden. Damit konnte Applied das Jahr mit Barreserven in Höhe von 3,9 Mrd. Dollar beenden.

Meldung gespeichert unter: Applied Materials

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