Aixtron: Was kommt nach dem Nachfrage-Einbruch?

Maschinenbau

Dienstag, 5. Juni 2012 14:16
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AACHEN (IT-Times) - In den vergangenen Jahren profitierte der deutsche Anlagenhersteller Aixtron vor allem von einer starken, aber subventionsgebtriebenen Nachfrage aus China. Nachdem die Subventionen für LEDs in China sinken, sinkt auch die Nachfrage nach den Anlagen zur Herstellung von LEDS, wie sie Aixtron entwickelt, projektiert und verkauft. Das hatte zur Folge, dass Aixtron im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres rote Zahlen schrieb. Doch der Nachfragerückgang in China scheint zumindest gemessen an der absoluten Zahl der Aufträge durch Nachfrage aus anderen Ländermärkten kompensiert zu werden.

In den vergangenen Wochen verkündete Aixtron jedenfalls Neuaufträge aus Ländern, die bislang hinter der starken chinesischen Nachfrage abfielen. Auch aus Deutschland war jüngst ein Auftrag dabei: Der Optoelektronik-Konzern Jenoptik hat eine Anlage des deutschen Maschinenbauers bestellt, um seine Fertigungskapazitäten zu steigern. Aixtron SE (WKN: A0WMPJ) berichtete, dass Jenoptik eine 2600G3 IC-Anlage zur Steigerung der Fertigungskapazitäten im Bereich Materialien zur Herstellung von Hochleistungs-Diodenlasern in der Sparte Laser & Materialbearbeitung bestellt hat. Der Auftrag erfolgte bereits im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Die Auslieferung der Anlage ist für das zweite Halbjahr 2012 geplant.

In den USA konnten ebenfalls innerhalb weniger Wochen zwei Neuaufträge verbucht werden: Das Chemieunternehmen Dow Corning hat zwei Planetenreaktoren aus dem Produktportfolio des deutschen Maschinenbauunternehmens bestellt. So sollen die Siliziumkarbid-Kapazitäten um zwei weitere Aixtron-Anlagen erweitert werden. Die AIX Planetenreaktoren nutzt Dow Corning nach eigenen Angaben dazu, Materialien herzustellen, die Kunden wiederum einsetzen können, um Bauelemente für die Leistungselektronik der nächsten Generation zu produzieren. Die Auslieferung der Anlagen soll im zweiten Quartal 2012 erfolgen.

Ebenfalls im zweiten Quartal 2012 und ebenfalls in die USA wird noch eine weitere Maschine geliefert: MicroLink Devices bestellte eine Anlage mit vollautomatischer Waferbeladung zur Herstellung von Solarzellen. Der Auftrag erfolgte bereits im dritten Quartal 2011, während die Auslieferung für das zweite Quartal 2012 geplant ist. 

Aufträge von Universitäten

Auch eine polnische Universität entschied sich jüngst für den deutschen Maschinenbauer. Die Universität Warschau erwarb im vierten Quartal 2011 eine CCS-Anlage von Aixtron. Die MOCVD-Anlage ist für die Abscheidung von Galliumnitrid (GaN) vorgesehen und soll im zweiten Halbjahr 2012 ausgeliefert werden. Das Team der Universität Warschau arbeitet an der Entwicklung fortschrittlicher Halbleitermaterialien. Und die Technische Universität Ilmenau hat bei Aixtron eine MOCVD-Anlage bestellt. Mit der Anlage sollen neue Materialien und Strukturen für die III-V-basierte Optoelektronik, die hocheffiziente Konzentrator-Photovoltaik sowie für die Integration von III-V-Halbleitern auf Silizium und Germanium entwickelt werden. Die Anlage wurde im dritten Quartal 2011 bestellt und soll von einem Aixtron Serviceteam im dritten Quartal 2012 ausgeliefert werden.

Die Aufträge, die aus vielen Ländern stammen, können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es für Aixtron nach wie vor schwierig bleibt, die unsichere Auftragslage in China zu kompensieren. Immerhin erwirtschaftete Aixtron in der Vergangenheit bis zu 90 Prozent des jährlichen Umsatzes in China und profitierte damit lange Zeit von den chinesischen Subventionen. Doch das Blatt wendet sich und Aixtron ist gezwungen, zu handeln. So wurden schon im letzten Jahr befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert und in 2012 soll verstärkt Zeitarbeitsfirmen zum Einsatz kommen. “Atmende Produktion” umschreibt man das ein wenig blumig bei Aixtron. Mit einem gestärkten Bewusstsein für niedrigere Kosten allein wird es für Aixtron jedoch kaum getan sein. Damit allein wird man die gesunkene Nachfrage kaum kompensieren können.

Kurzportrait

Die Aixtron SE ist Anbieter von Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie. Das Unternehmen wurde ursprünglich 1983 als Spin-Off der Aachener Universität gegründet. 1989 erhielt das Unternehmen eine exklusive Lizenz für die Multi-Wafer MOCVD Planetary Reactor®-Technologie von Philips. Im Jahr 1997 folgte der Börsengang in Frankfurt. Die Produkte der Gesellschaft werden zur Herstellung von Bauelementen für elektronische und opto-elektronische Anwendungen auf Basis von Verbindungs-, Silizium- und organischen Halbleitermaterialien sowie Kohlenstoff-Nanostrukturen genutzt. Diese Bauelemente werden in der Displaytechnik, der Signal- und Lichttechnik, bei Glasfaser-Kommunikationsnetzen, drahtlosen und mobilen Telefonie-Anwendungen, der optischen und elektronischen Datenspeicherung, der Computer-Technik sowie einer Reihe anderer High-Tech-Anwendungen eingesetzt.

Heute ist Aixtron ein weltweit führender Anbieter von Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitermaterialien. Nach eigenen Angaben konzentriert man sich dabei auf drei Märkte: Verbindungs-, Silizium und organische Halbleitermaterialien. Verbindungshalbleiter kommen in Leuchtdioden oder in Lasern zum Einsatz. Zudem werden diese Halbleiter auch in der Solarindustrie verwendet. Silizium-Halbleiter werden zum Beispiel in Speicher-Bausteinen integriert oder sind Bestandteil von DRAM-Speicherchips. Organische Halbleiter wiederum finden sich in Flachbildschirmen und in flexiblen Displays wieder. Zudem können sie in Anwendungen wie RFID-Chips eingesetzt werden.

Im Jahre 1999 wurde die Thomas Swan Scientific Equipment Division, das gesamte MOCVD-Anlagen- und Servicegeschäft der englischen Thomas Swan & Co Ltd., übernommen und wird bis heute als eigenständige Tochtergesellschaft Aixtron Ltd. im Konzern weitergeführt. Im gleichen Jahr erwarb man die schwedische Epigress AB, heute Aixtron AB, mit Sitz in Lund (Schweden). Die Tochtergesellschaft stellt CVD-Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitern wie Siliziumcarbid (SiC) mit breiter Bandlücke her. Durch die Übernahme der Genus Inc. in Kalifornien im März 2005 hat Aixtron eine weitere produktionsqualifizierte Abscheidungstechnologie für die Silizium-Halbleiter- und die Datenspeicherindustrie erworben. Durch den Zukauf verfügt Aixtron nunmehr über ein breites Spektrum an massenproduktionstauglicher Abscheidungstechnologie für die Siliziumindustrie. Mit der Übernahme der britischen Nanoinstruments in 2007 erweiterte Aixtron das Produktportfolio im Bereich Nanotechnologie. Aixtron-Nanoinstruments bietet seither CVD - (Gasphasenabscheidung) und plasmagestützte CVD-Anlagen zur Abscheidung von Carbon Nanotubes, Nanowires und Nanotubes an.

2012 schloss Aixtron, mit der chinesischen Finanzgesellschaft Minsheng Financial Leasing Co. Ltd. (MSFL) eine Kooperation zur gemeinsamen Vermarktung von Leasingprodukten in China. Ziel ist es, chinesischen Kunden den Zugang zu Aixtrons MOCVD-Technologie zu erleichtern, die dafür die Finanzierungsangebote von Minsheng in Anspruch nehmen können.

Zahlen

Der deutsche Maschinenbauer Aixtron musste gleich zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres einen herben Rückschlag hinnehmen. Das Ergebnis des Unternehmens rutschte erstmals in die roten Zahlen.

Im ersten Quartal 2012 brach der Umsatz von Aixtron im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent ein und erreichte einen Wert von 42 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) steckte mit 18,3 Mio. Euro im Minus und auch das Nettoergebnis war mit minus 12,3 Mio. Euro tief in den roten Zahlen. Beide Werte waren im Vergleich zum ersten Quartal 2011 um 124 Prozent gesunken. Auch das (verwässerte) Ergebnis je Aktie nahm um 124 Prozent ab und belief sich zuletzt auf ein Minus von 0,12 Euro. Außerdem wies Aixtron einen um 58 Prozent gesunkenen Auftragsbestand von 136,2 Mio. Euro aus.

Meldung gespeichert unter: Aixtron

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