Adobe Systems leidet unter Europa - Umstellung auf Cloud-Geschäftsmodell belastet

Donnerstag, 21. Juni 2012 13:43
Adobe Systems

(IT-Times) - Aktien des US-Softwarehauses Adobe Systems standen am Vortag in New York deutlich unter Druck, nachdem das Unternehmen im zweiten Quartal in Folge einen Gewinnrückgang ausweisen musste. Zudem revidierte das Unternehmen seinen Umsatz- und Gewinnausblick für das laufende Fiskaljahr 2012 nach unten. Allerdings dürfte der "Schwächeanfall" nur von kurzfristiger Natur sein, glauben Analysten.

Adobe gewinnt wöchentlich 5.000 Creative Cloud Abonnenten
Das Management führt die schwächere Entwicklung zum einen auf das schwache Geschäft in Europa (29 Prozent des Umsatzes) zurück, zum anderen auf die Umstellung auf ein Abo-basiertes Geschäftsmodell. Seit Mitte Mai ist Adobe mit Adobe Cloud am Start, einem gebührenpflichtigen Service, um Tools und Services über das Internet zum Kunden zu bringen. Adobe (Nasdaq: ADBE, WKN: 871981) beendete das Quartal mit über 90.000 zahlenden Abonnenten, wöchentlich würden mehr als 5.000 Creative Cloud Abonnenten hinzukommen, heißt es aus dem Unternehmen.

65 Prozent der Abonnenten hätten sich für die gesamte Suite entschieden, die populäre Anwendungen wie Photoshop umfasst. Kunden können dabei zwischen einem monatlichen Abo, oder einem Jahresabo wählen. 75 Prozent der Abonnenten hätten sich aber wegen der geringeren Kosten für die Jahresoption entschieden, so Adobe weiter.

Umstellung des Geschäftsmodells belastet zunächst die Ergebnisse
Doch die Umstellung auf das Abo-basierte Geschäftsmodell belastet kurzfristig die Ergebnisse des Unternehmens. Paradox: Je erfolgreicher Adobe im Abo- und Cloud-Geschäft ist, desto höher sind die kurzfristigen Belastungen, stellt JMP Securities Experte Pat Walravens fest. Hintergrund ist der Umstand, dass Adobe einen Teil der Abo-Umsätze als abgegrenzte Umsätze ausweisen muss und erst später als tatsächliche Umsätze buchen kann. Allein im jüngsten Quartal wanderten so Erlöse in Höhe von zehn Mio. US-Dollar in künftige Quartale.

Dennoch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Adobe-Kunden auf Adobe CS6 upgraden bzw. den Cloud-Service des Unternehmens nutzen werden, glaubt Cowen-Experte Peter Goldmacher. Der Grund: Adobe dominiert den Markt für Publishing- und kreative Softwarelösungen, echte Alternativen gibt es de facto nicht.

Digital Marketing Suite kommt gut bei den Kunden an
Adobe versucht dabei seine Kundenbasis bestehend aus 7,6 Millionen Geschäftskunden von seiner neuen Digitalen Marketing Suite zu überzeugen. Bislang offenbar mit Erfolg. Das Geschäft wuchs um 35 Prozent auf rund 190 Mio. US-Dollar. Insgesamt habe man für die Digital Publishing Suite bereits 850 Kunden, nachdem es im ersten Quartal noch 600 Kunden waren. Auch im laufenden Quartal erwartet Adobe ein weiteres sequentielles Wachstum in diesem Bereich.

Kurzportrait

Das im kalifornischen San Jose ansässige und im Jahre 1982 gegründete Softwarehaus Adobe Systems ist nicht nur durch sein plattformübergreifendes PDF-Format populär. Auch im Bereich der digitalen Bildbearbeitung ist die Gesellschaft mit Photoshop und zahlreichen anderen Softwarewerkzeugen sehr gut vertreten. Insgesamt operiert Adobe heute aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Digital Media, Digital Marketing und Print and Publishing.

Der Bereich Digital Media fasst das Geschäft rund um das Flagschiffprodukt Adobe Photoshop zusammen und gilt als das Kerngeschäft des Unternehmens. Im Bereich Knowledge Worker Solutions wird das Geschäft rund um die Acrobat-Reihe zusammengefasst, während die Enterprise Division und das Geschäftsfeld Mobile and Devices Solutions die Geschäftsstruktur abrunden. Im Bereich Digital Marketing ist das Geschäft rund um Produkte wie Adobe Connect und Adobe LiveCycle zusammengefasst.

Daneben unterstützt Adobe Systems aber auch junge Technologiefirmen, welche Produkte und Services für das neue Medium Internet anbieten. Mit der Übernahme der privaten Glassbook soll weiteres technologisches Know-how in Adobe-Produkte mit einfließen und die Position gegenüber dem Softwaregiganten Microsoft, welcher mit einem eigenen Format für elektronische Bücher am Markt vertreten ist, weiter stärken. Durch den Image-Server AlterCast will Adobe seiner Produktreihe eine größere Plattform geben. AlterCast soll daher tägliche Routinearbeiten, wie die Aufbereitung digitaler Bilder für andere Medien übernehmen und die tägliche Arbeit damit einfacher, kostengünstiger und effektiver gestalten. Anfang 2007 präsentierte Adobe mit der Softwareplattform Apollo eine neue kostenlose Entwicklungsumgebung.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Adobe unter anderem durch die Übernahme des Softwarespezialisten Accelio. Im Mai 2004 übernahm Adobe den amerikanischen Entwickler von Prozess-Management-Software Q-Link Technologies. Ende 2005 schloss Adobe die Übernahme des Multimedia-Softwareherstellers Macromedia (Flash, Shockwave) ab. Mitte 2006 kaufte Adobe die Technologie-Assets der dänischen Pixmantec. Daneben wurden auch Trade and Technologies France sowie der Videosoftwareanbieter Serious Magic übernommen. Im Herbst 2007 verstärkte sich Adobe mit der Übernahme des Buzzword-Herstellers Virtual Ubiquity. Im Herbst 2009 verstärkte sich Adobe durch die Übernahme des Web-Analysespezialisten Omniture. Mitte 2010 übernahm Adobe den Schweizer Content-Management-Softwareanbieter Day Software. Anfang 2011 kaufte Adobe den Datenmanagement-Spezialisten Demdex, Mitte 2011 folgte die Übernahme von EchoSign, anschließend wurden mit Typekit und Auditude zwei weitere Firmen übernommen. Anfang 2012 schloss Adobe die Übernahme von Efficient Frontier ab.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2012 meldet Adobe Systems einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 1,12 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn ging dabei allerdings um zwei Prozent auf 223,9 Mio. US-Dollar oder 45 US-Cent je Aktie zurück, nach einem Profit von 229,4 Mio. Dollar oder 45 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Adobe einen Nettogewinn von 60 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Erwartungen der Wall Street übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,11 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 59 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Adobe Systems

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