Adobe sieht sich für den Abschwung gut gerüstet

Freitag, 19. Dezember 2008 12:30
Adobe Systems

(IT-Times) Für das eben abgelaufene Fiskaljahr 2008 konnte der Multimedia-Softwarehersteller Adobe Systems (Nasdaq: ADBE, WKN: 871981) nochmals Rekordumsatzzahlen vorweisen. Im sechsten Jahr in Folge gelang es Adobe zweistellig zu wachsen.

Nachfrage nach CS4 bleibt hinter den Erwartungen
Damit dürfte es im laufenden Fiskaljahr 2009 wohl vorbei sein. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat nunmehr auch den weltgrößten Grafiksoftwarehersteller erfasst. Vor allem die neue Softwaresuite Creative Suite 4 (CS4) blieb hinter den Erwartungen zurück. Nachdem Adobe das Flagschiffprodukt im Herbst auf den Markt gebracht hat, sind die Verkaufszahlen im Vergleich zur Vorgängerversion CS3 um 20 Prozent zurückgeblieben.

Adobe führt die Schwäche freilich auf die allgemeine Wirtschaftslage, als auf das Produkt selbst zurück. Der Photoshop-Hersteller hat inzwischen auf die weltweite Nachfrageschwäche reagiert und angekündigt rund 600 Mitarbeiter bzw. acht Prozent seiner weltweiten Stellen abbauen zu wollen. Damit trägt das Unternehmen dem schwächeren Geschäft in Europa und Nordamerika Rechnung. Adobe ist von der Rezession auf den beiden Kontinenten besonders hart betroffen, erzielt das Unternehmen 46 Prozent seiner Erlöse in Nordamerika und 34 Prozent in Europa.

Viele Adobe-Kunden kommen aus den Marketingabteilungen großer Konzerne oder Werbefirmen, doch viele Unternehmen setzen zunehmend auch den Rotstift bei den Marketing- und Werbeausgaben an, um Kosten zu sparen. Diese Entwicklung dürfte auch Adobe im kommenden Kalenderjahr zu spüren bekommen. Analysten aus dem Hause Robert W. Baird rechnen daher damit, dass die Adobe-Umsätze im laufenden Fiskaljahr zum ersten Mal seit Jahren sinken werden.

Mobile-Geschäft boomt
Hoffnungsträger bei Adobe ist das Mobile-Geschäft rund um Flash Lite. Die Nachfrage von Seiten der OEM-Hersteller sei sehr stark, heißt es bei Adobe. Im jüngsten Quartal zogen die Erlöse im Mobile-Segment auf 48,2 Mio. Dollar an, nach 13,5 Mio. Dollar im Vorjahresquartal. Auf Jahressicht konnte Adobe im Mobile-Geschäft bereits 113,1 Mio. Dollar umsetzen, ein Zuwachs von 115 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit trägt das Mobile-Geschäft zwar nur einen vergleichsweise kleinen Teil zum Adobe-Gesamtumsatz bei, jedoch hilft es dem Unternehmen die jetzige Krise abzufedern, womit Adobe besser durch die schwierige Wirtschaftssituation kommen dürfte, als manch anderer Konkurrent…

Kurzportrait

Das im kalifornischen San Jose ansässige und im Jahre 1982 gegründete Softwarehaus Adobe Systems ist nicht nur durch sein plattformübergreifendes PDF-Format populär. Das PDF-Format gilt inzwischen als de facto Standard für die Darstellung bzw. Bereitstellung von Schriftstücken im weltweiten Datennetz Internet. Auch im Bereich der digitalen Bildbearbeitung ist die Gesellschaft mit Photoshop und zahlreichen anderen Softwarewerkzeugen sehr gut vertreten.

Der Bereich Creative Solutions fasst das Geschäft rund um das Flagschiffprodukt Adobe Photoshop zusammen und gilt als das Kerngeschäft des Unternehmens. Im Bereich Knowledge Worker Solutions wird das Geschäft rund um die Acrobat-Reihe zusammengefasst, während die Enterprise and Developer Division und das Geschäftsfeld Mobile and Devices Solutions die Geschäftsstruktur abrunden.

Daneben unterstützt Adobe Systems aber auch junge Technologiefirmen, welche Produkte und Services für das neue Medium Internet anbieten. Mit der Übernahme der privaten Glassbook soll weiteres technologisches Know-how in Adobe-Produkte mit einfließen und die Position gegenüber dem Softwaregiganten Microsoft, welcher mit einem eigenen Format für elektronische Bücher am Markt vertreten ist, weiter stärken. Durch den Image-Server AlterCast will Adobe seiner Produktreihe eine größere Plattform geben. AlterCast soll daher tägliche Routinearbeiten, wie die Aufbereitung digitaler Bilder für andere Medien übernehmen und die tägliche Arbeit damit einfacher, kostengünstiger und effektiver gestalten. Anfang 2007 präsentierte Adobe mit der Softwareplattform Apollo eine neue kostenlose Entwicklungsumgebung, die für eine stärkere Nachfrage nach Adobe-Produkten sorgen soll.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Adobe unter anderem durch die Übernahme des Softwarespezialisten Accelio. Im Mai 2004 übernahm Adobe den amerikanischen Entwickler von Prozess-Management-Software Q-Link Technologies. Ende 2005 schloss Adobe die Übernahme des Multimedia-Softwareherstellers Macromedia (Flash, Shockwave) ab. Mitte 2006 kaufte Adobe die Technologie-Assets der dänischen Pixmantec. Daneben wurden auch Trade and Technologies France sowie der Videosoftwareanbieter Serious Magic übernommen. Im Herbst 2007 verstärkte sich Adobe mit der Übernahme des Buzzword-Herstellers Virtual Ubiquity.

Zahlen

So berichtet Adobe von einem leichten Umsatzanstieg auf 915,3 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 911,2 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn kletterte dabei um elf Prozent auf 245,9 Mio. Dollar oder 46 US-Cent je Aktie. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Adobe einen Nettogewinn von 60 US-Cent je Aktie einfahren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 918,3 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 58 US-Cent je Aktie gerechnet. Insgesamt konnte Adobe einen positiven Cashflow von 338 Mio. Dollar generieren und das Quartal mit Barreserven von rund zwei Mrd. Dollar beenden.

Für das abschließende Fiskaljahr 2008 meldet Adobe einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 3,58 Mrd. Dollar, wobei der Gewinn um 20 Prozent auf 871,8 Mio. Dollar oder 1,59 Dollar je Aktie anzog. Die operative Gewinnmarge zog im jüngsten Quartal auf 40,1 Prozent vom Umsatz an, nach 38,3 Prozent im Fiskaljahr 2007. Die Rezession habe allerdings zu einem schwächeren Absatz der Multimedia-Suite Creative Suite 4 geführt, so Adobe-Chef Shantanu Narayen.

Meldung gespeichert unter: Adobe Systems

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