VATM schlägt Open-Access-Modell für Breitbandausbau vor

Donnerstag, 14. Mai 2009 09:46
VATM

Experten diskutierten beim Tele-Kompass – Matthias Kurth: „Wir wollen offene Netzzugangsstrukturen“ – Harald Stöber befürchtet Scheitern der VDSL-Verhandlungen

Köln, 13. Mai 2009. Das Ziel ist klar definiert: Möglichst schnell soll jeder Bürger – auch auf dem Land – über einen Breitbandzugang verfügen können. Zudem sollen gute Rahmenbedingungen für Investitionen in das Netz der Zukunft aus hochmodernen Glasfasern in Deutschland geschaffen werden. Doch wie sehen die optimalen Voraussetzungen für nachhaltige Investitionsentscheidungen aus? Darüber diskutierten gestern Abend beim Tele-Kompass Berlin-Mitte unter dem Titel „Open-Access-Modell für Deutschland – Nachhaltige Investitionen und innovative Ideen nur im Wettbewerb“ Bundesnetzagentur-Präsident Matthias Kurth,  Dr. Andreas Schuseil, Abteilungsleiter Telekommunikation im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Jochen Schwarz, Vice President Public Affairs der Alcatel-Lucent Deutschland AG,  sowie  Harald Stöber, VATM-Vizepräsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Arcor AG & Co. KG.

Es herrschte Einigkeit, dass der bundesweite Ausbau des Glasfasernetzes nicht im Alleingang von einem Unternehmen gestemmt werden kann. „Die Wettbewerber haben in der Vergangenheit mehr als die Hälfte der Investitionen getragen – und sie werden das auch in Zukunft beim Glasfasernetzausbau tun“, sagte VATM-Präsident Gerd Eickers vor den rund 80 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien in Berlin. „Wir brauchen Kooperationen, um Investitionen in Breitbandnetze möglich zu machen. Wir benötigen möglichst schnell eine hohe Auslastung der Netze und das gelingt nur im Wettbewerb“, betonte Eickers, der das neue Open-Access-Modell des Verbandes vorstellte.

Da Investitionen über Jahre hinweg erforderlich sein werden, sieht das VATM-Konzept des offenen Netzzuganges nicht nur vor, dass jedes TK-Unternehmen grundsätzlich Anspruch auf Zugang zum Netz an den Kabelverzweigern haben soll, sondern auch ein späteres Eintreten in bestehende Kooperationen möglich ist. „Dann erfolgt eine anteilige Beteiligung an den Kosten des Ursprungsinvestments mit der entsprechenden Rückzahlung an frühere Investoren“, erläuterte Eickers, Mitglied im QSC-Aufsichtsrat. Entsprechend könnten Unternehmen im Vorfeld, wenn sie noch nicht sofort investieren können, ihre spätere Beteiligung unter voller Erstattung der Kosten reservieren.

Eickers machte zudem deutlich, wie wichtig eine größere Anzahl von Übergangspunkten für Bitstrom – einem Vorleistungsprodukt der Telekom für hochbitratige Teilnehmeranschlüsse  – für die Zukunft seien, wenn der Bedarf an breitbandigen Inhalten wachse, etwa für IP-TV.

„Wir wollen auch in der neuen Netzwelt offene Netzzugänge und eine wettbewerbsneutrale Gestaltung“, unterstrich Bundesnetzagentur-Chef Kurth. Er  legte dar, dass etwa beim VDSL-Netz der Deutschen Telekom faktische Regulierungsferien bis heute nicht dazu geführt haben, dass die Telekom den von ihr gewünschten Erfolg durch das VDSL-Netz erringen konnte. Daher bringe es der DTAG auch keine Pioniergewinne. Kurth begrüßte den Grundgedanken des VATM-Konzeptes zum offenen Netzzugang, der schnell zu einer bestmöglichen Auslastung führen soll und so Vorteile für Unternehmen und Verbraucher in Form einer auskömmlichen Rendite und gleichzeitig niedrigen Endkundenpreisen bringen soll. Im neuen Eckpunktepapier zur Breitbandstrategie, das die BNetzA erarbeitet hat, wird das Infrastructure-Sharing ebenfalls als Mittel genannt.

Wie zuvor Kurth machte auch Schwarz von Alcatel-Lucent Deutschland deutlich, dass eine flächendeckende Breitbandversorgung nur unter Nutzung aller zur Verfügung stehenden Technologien erreicht werden könne: „Es wird nicht ein einziges ausschließliches Modell für Deutschland geben.“ Auch als Ausrüster spreche man sich für eine Lösung aus, bei der alle Technologien wie etwa Funk und Glasfaser zum Einsatz kommen können. Kurth hatte unter anderem auf die Leistungsfähigkeit der neuen Satellitentechnik hingewiesen.

Nachdem Eickers zu Beginn des Abends noch für die Wettbewerber deutlich gemacht hatte, dass diese in das schnelle VDSL-Netz investieren wollen, ging VATM-Vizepräsident Stöber auf den Stand der Verhandlungen zwischen der Telekom und den Wettbewerbern über den Zugang zum Netz ein. Stöber erläuterte wie viel Zeit und Engagement in diese Verhandlungen mit der DTAG gelegt worden seien. „Leider gibt es hier bei der Telekom einen großen Unterschied zwischen Wort und Tat. Wir befinden uns einstweilen in einer Situation des Zeitschindens, das nur der DTAG nutzt.“ Eine Einigung bei den Preisen sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten, aber es konnten noch nicht einmal die grundsätzlichen „Spielregeln“ festgelegt werden – und das, obwohl die Wettbewerber dem Ex-Monopolisten bereits einen Vorschlag unterbreitet haben, der dazu führt, dass die Investitionen aller Unternehmen gleich behandelt und nicht entwertet werden.

„Wenn die Verhandlungen jetzt nicht umgehend zügig vorangehen, müssen wir sie leider für gescheitert erklären“, so Stöber. In diesem Falle müsste dann die Bundesnetzagentur als Regulierer so zügig wie möglich die Regeln festlegen, damit schnell investiert werden könne.

Informationen:

Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V.

VATM-Geschäftsstelle

Corinna Keim, Maria Schlechter-Heims

Oberländer Ufer 180 -182

50968 Köln

Telefon: 02 21 / 3 76 77 - 23

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