United Internet treibt Konsolidierung voran

Freitag, 30. November 2007 12:26
United Internet

(IT-Times) Die in Montabaur ansässige United Internet AG (WKN: 508903) versucht sich derzeit für die anstehende Konsolidierung im deutschen Internet- und Kommunikationsmarkt zu positionieren. Mit den Beteiligungen an Drillisch und Versatel will sich der Internetdienstleister eine gute Ausgangsposition verschaffen, um sich damit besser im Wettbewerb mit der Deutschen Telekom zu stellen.

United Internet in Zugzwang
Hintergrund ist der Umstand, dass United Internet bislang keine eigene Netzinfrastruktur hat. Als Reseller verbucht man daher deutlich geringere Gewinnmargen im Breitbandgeschäft als der große Rivale Deutsche Telekom. Nach mehreren Preissenkungsrunden scheint das Potential für weitere Preissenkungen ausgereizt. In Branchenkreisen gilt das Geschäftsmodell daher bereits als obsolet.

Um nicht von den Marktgegebenheiten überholt zu werden, ist für United Internet dringender Handlungsbedarf geboten. Dies hat auch United Internet-Chef Ralf Dommermuth erkannt und sich mit der Beteiligung an Versatel einen möglichen Zugriff auf die Infrastruktur des Unternehmens gesichert. Versatel erreichte zuletzt mit seinem Netz mehr als neun Mio. Haushalte in Deutschland, darunter wichtige Metropolen wie Berlin. Zuletzt zählte man bei Versatel rund 550.000 DSL-Kunden. Bei einer Komplettübernahme könnte United Internet nach Analystenschätzungen Synergieeffekte im zweistelligen Millionenbereich realisieren. Sollte es zu einer Aufspaltung von freenet kommen und United Internet das DSL-Geschäft übernehmen, würde sich die Situation für United Internet noch weiter verbessern, denn auch die freenet-Kunden könnten dann wohl auf das Versatel-Netz umgeschaltet werden.

Was macht Telefonica?
Doch was zunächst als eine klare Geschichte zwischen United Internet, Drillisch und Versatel aussieht, könnte sich doch noch zu einem Krimi entwickeln. Die große Unbekannte in diesem Reigen spielt die spanische Telefonica. Zuletzt wurden Berichte laut, die Spanier hätten ebenfalls Interesse an einer Freenet-Übernahme.

Zwar ist Telefonica ein Kooperationspartner von United Internet, allerdings hegen die Spanier selbst ehrgeizige Pläne im DSL-Geschäft. Bis Ende 2008 will das Unternehmen zehn Mio. DSL-Kunden gewinnen, davon sollen allein 3,5 Mio. DSL-Kunden aus dem Ausland kommen. Zudem wollen die Spanier bis Ende 2008 rund 1,5 Mrd. Euro für Zukäufe ausgeben, wobei die Telefonica-Tochter O2 zuletzt weitere Expansionspläne für Deutschland vorstellte. Bis Ende 2010 sollen insgesamt 3,5 Mrd. Euro in den Ausbau der Netze in Deutschland fließen, hieß es. Besonders mit Bündelangeboten im Zusammenhang mit einem Mobilfunkvertrag und mit einem DSL-Anschluss will O2 neue Kunden gewinnen. Angesichts des ehrgeizigen Investitionsprogramms ist schwer vorstellbar, dass O2 bzw. Telefonica dem Treiben bzw. der Konsolidierung auf dem deutschen Markt tatenlos zusehen werden…

Kurzportrait
United Internet ist ein Internet Service Provider mit Sitz in Montabaur. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Internet-Anwendungen und technische Mehrwert-Produkten an Privatkunden und kleine oder mittelständische Unternehmen. Dabei ist United Internet in drei Geschäftsfelder gegliedert: Produkte, Outsourcing und Online-Marketing.

Die Anwendungen und technischen Mehrwerte des Unternehmens basieren auf eigenen Produkten und im eigenen Haus entwickelter Software. Das Endverbraucher-orientierte Segment Produkte ist das Kerngeschäft und erwirtschaftet die Mehrheit des Umsatzes. Hier vermarktet die Gesellschaft Internet-Mehrwertdienste und -zugänge über die Marken GMX, WEB.DE, 1&1 sowie Schlund + Partner an private und gewerbliche Kunden. Die Internetzugänge werden als Reseller-Verträge der Deutsche Telekom AG an den Mann gebracht. Im B2B-Geschäftsfeld Outsourcing vertreibt die Mehrheitsbeteiligung InterNetX technischen Mehrwerte wie z.B. Domains oder Shared und Dedicated Hosting-Produkte als White-Label-Produkte an andere Internet-Provider. Die Tochtergesellschaft Twenty4help bietet Customer-Relationship-Dienstleistungen an. Im Geschäftsfeld Online-Marketing offeriert United Internet beispielsweise Domain-Marketing über Sedo und Affiliate-Marketing über affilinet. Zur Marketing-Sparte gehört auch der Werbevermarkter AdLINK.

1988 wurde United Internet unter dem Namen 1&1 gegründet. Zunächst tritt die Gesellschaft in der Hauptsache als Vermarkter von kleinen Softwareanbietern auf. 1996 hat die 1&1-Gruppe schon fünf Tochtergesellschaften, die sich auf Segmente in den Bereichen Online- und Multimedia konzentrieren. Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes und dem Aufkommen des Internets eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten. 1997 werden die ersten Internetzugänge vermarktet, ein Jahr später folgt der Börsengang. Kurze Zeit später steigt 1&1 bei dem Internetprovider Schlund & Partner ein, das Unternehmen wird später vollständig übernommen. Hierdurch kann der Geschäftskundemarkt erschlossen werden. Noch vor der Jahrtausendwende gründet 1&1 mit anderen Partnern den e-Mail-Dienst GMX. Zudem werden kleinere Unternehmen aufgekauft. 2000 erfolgt die Umbenennung in United Internet. Nach dem Ende des Dot.com-Booms muss das Unternehmen neu ausgerichtet werden und bereinigt das Portfolio. Ab 2001 verstärkt sich United Internet wieder, die Beteiligungen an 1&1, GMX, Schlund+Partner sowie twenty4help werden auf 100 Prozent aufgestockt. Die twenthy4help AG wurde inzwischen wieder verkauft. In 2006 schluckte United Internet den britischen Web-Hoster Fasthosts Internet. Seit diesem Zeitpunkt verbucht das Unternehmen kontinuierlich Umsatz- und Gewinnzuwächse. Dabei übernahm United Internet das Portalgeschäft von Web.de. Ende 2007 beteiligt sich United Internet mit 9,68 Prozent an Drillisch. Darüber hinaus erwarb United Internet 20,05 Prozent an dem Festnetzanbieter Versatel. Hauptaktionär ist Vorstandschef Ralph Dommermuth, der rund 35 an dem Unternehmen hält.

Zahlen
United Internet konnte den Umsatz in den ersten neun Monaten um 27,1 Prozent auf 1,07 Mrd. Euro gesteigert werden. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erwirtschaftete United Internet ein Ergebnis in Höhe von 235,5 Mio. Euro. Das entspricht einem Plus von 32,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor Steuern konnte das Ergebnis um 29,6 Prozent auf 182 Mio. Euro gesteigert werden. Bereinigt um einmalige Effekte kletterte das Ergebnis um 24,1 Prozent auf 174,6 Mio. Euro.

Der Gewinn je Aktie wird mit 0,76 Euro angegeben, nachdem er im Vergleichszeitraum des Vorjahres 0,35 Euro betragen hatte. Die Kundenzahl konnte im Vergleich zum Vorjahr von 6,05 Millionen auf 7,07 Millionen Kunden gesteigert werden.

Meldung gespeichert unter: United Internet

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