Trina Solar - warum Analysten trotz massiver Verluste keine echte Insolvenzgefahr sehen

Dienstag, 6. März 2012 13:37
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(IT-Times) - Trina Solar-Aktien verloren am Vortag mehr als fünf Prozent an Wert. Während die schlechten Nachrichten aus der Solarbranche nicht abreißen, scheint sich nunmehr auch noch das Wachstum in der chinesischen Wirtschaft abzukühlen.

Chinas Premier-Minister Wen Jiabao spricht von großen Herausforderungen in diesem Jahr. Wuchs die chinesische Wirtschaft in 2011 noch um 9,2 Prozent, dürfte sich das Wachstum in diesem Jahr auf 7,5 Prozent abkühlen. Dies ist besonders bitter für chinesische Solarfirmen, die auf einen Nachfrageschub aus dem Inland gehofft hatten.

Chinesische Solarfirmen verkaufen 25 bis 30 Prozent ihrer Produktion in Deutschland
Den nach wie vor sind chinesische Solarfirmen wie Trina Solar (NYSE: TSL, WKN: A0LF3P) stark von europäischen Solarmärkten wie Deutschland und Italien abhängig. Trina Solar erwirtschaftete im jüngsten Quartal zwar erstmals mehr als 50 Prozent seiner Umsätze außerhalb Europas, Miller Tabak & Co Analyst Chris Kettenmann schätzt, dass chinesische Solarfirmen nach wie vor aber 25 bis 30 Prozent ihres Produktionsausstoßes nach Deutschland verkaufen.

Und genau darin liegt das Problem. Die Bundesregierung will den Subventionshahn im weltgrößten Solarmarkt zudrehen. Die geplante drastische Förderkürzung von bis 20 bis 30 Prozent (je nach Solaranlage) soll sich lediglich um drei Wochen auf den 1. April verschieben. Darauf soll sich die Bundesregierung bereits verständigt haben, nachdem heftige Proteste in der einheimischen Solarindustrie vor dem Verlust von tausenden Arbeitsplänen gewarnt hatten.

Die Kürzungen dürften auch Trina Solar treffen, litt das Unternehmen in den zurückliegenden Quartalen bereits unter dem massiven Preisverfall in der Solarindustrie und musste jeweils rote Zahlen aufweisen. Insgesamt liegen die Preise für Solarmodule im Schnitt um 40 Prozent niedriger als in der Vorjahresperiode, allein im vierten Quartal 2011 brachen die durchschnittlichen Verkaufspreise um 19 Prozent ein, so Trina Solar CEO Jifan Gao.

Eine Entspannung an der Preisfront scheint bislang nicht in Sicht. Zwar haben die ersten Hersteller ihren Produktionsausbau bereits gestoppt, bis die bestehenden Lagerbestände abgearbeitet sind, dürfte es noch Monate dauern.

Trina Solar - to big to fail?
Zeit, die Trina Solar auf den ersten Blick nicht hat. Um die Voraussetzung für Bankkredite und Schuldenverpflichtungen zu erfüllen, muss Trina Solar in 12 Monaten in Folge profitabel sein, weiß Maxim Group Analyst Aaron Chew. Mit angehäuften Verlusten von 1,38 Dollar je Aktie in den vergangenen beiden Quartalen scheint Trina Solar davon meilenweit entfernt, auch für das erste Halbjahr 2012 dürften weiterhin rote Zahlen anfallen.

Dennoch sieht Chew keine echte Insolvenzgefahr für den fünftgrößten Solarhersteller Chinas. Der Grund: Die chinesischen Banken und die Regierung in Peking werden ihre schützende Hand über die einheimische Solarindustrie halten, um den Verlust von Arbeitsplätzen und sozialen Unruhen zu vermeiden, glaubt Chew. Für eine Pleite scheint Trina Solar einfach zu groß, glaubt der Analyst.

Zudem scheint der Nachfrageausfall bedingt durch die Subventionskürzungen in Europa nur ein kurzfristiges Problem. Der chinesische Solarmarkt dürfte in 2012 bereits auf 7,5 Gigawatt klettern, langfristig dürfte China wohl neben den USA zum weltgrößten Solarmarkt aufsteigen und damit Deutschland weit hinter sich lassen.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1997 und ansässig im chinesischen Changzhou, gilt Trina Solar als einer der Pioniere im Bereich Photovoltaik-Technologie im Reich der Mitte. Als einer der wenigen PV-Anbieter ist Trina Solar mit einem integrierten und vertikalen Geschäftsmodell aufgestellt. Trina Solar fertigt sowohl mono- und multikristalline Zellen, Solar-Wafer, Ingots und hochqualitative Solarmodule.

Insbesondere werden standardisierte Solarmodule in Fertigungsanlagen in China produziert. Das Unternehmen fertigt dabei sowohl Standard-Produkte, als auch Produkte nach Kundenwünschen. Trina Solar tritt dabei mit seiner eigenen Marke auf, verkauft seine Produkte aber auch über Händler und Systemintegratoren weltweit. Reseller-Verträge bestehen unter anderem mit der der spanischen Corporación Zigor S.A., Bull Solar, Enfinity, Gestamp Asetym Solar S.L., Invictus und Proysectos Integrales Solares, der Scatec AS, sowie mit den deutschen Firmen SKR Energie GmbH, Schüco International KG, Conergy AG und Phönix SonnenStrom AG. Kooperationen bestehen unter anderem mit Wacker Chemie, HCT Shaping Systems und mit DC Chemical. Gleichzeitig bezieht Trina Solar Polysilizium von Firmen wie GCL Silicon Technology, Silfab und Qingdao DTK.

Insgesamt operiert Trina Solar heute von zwei Geschäftsfeldern heraus: Solarmodule und System Integration. Im Bereich Solarmodule ist das Geschäft mit der Entwicklung, Produktion und der Vermarktung von Solarzellen und Module zusammengefasst. Zuletzt summierte sich die Produktionskapazität (Solarzellen und Module) auf rund 600 Megawatt (MW). Trina Solar legt großen Wert auf die Robustheit seiner Solarmodule, die versiegelt und wasserdicht sind, sowie höchster Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit widerstehen.

Im Bereich System Integration deckt das Geschäft rund um die Errichtung ganzer Solar-Kraftwerke ab. Trina Solar übernimmt dabei die Planung und die Umsetzung der Projekte. Unter anderem wurden bereits für die chinesische Regierung verschiedene Solar-Projekte umgesetzt. Inzwischen liefert Trina Solar seine Produkte aber nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern Europas wie den Niederlanden, Griechenland Belgien, Frankreich, und Korea aus.

Zahlen

Der chinesische Hersteller von Solar- und Photovoltaikmodulen Trina Solar gab am heutigen Donnerstag bekannt, dass der Umsatz im vierten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,6 Prozent auf 435,7 Mio. US-Dollar gesunken sei. Das Betriebsergebnis fiel um 40,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und lag mit einem Wert von minus 65,8 Mio. Dollar im negativen Bereich.

Meldung gespeichert unter: Trina Solar

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